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Freiheit für den Roboter
Roboter und Mitarbeiter Hand in Hand. Dafür ist viel Sicherheitstechnik nötig. Foto: Firma Pilz
Pilz

Freiheit für den Roboter

Moderne Sicherheitstechnik macht Schutzzäune rund um Maschinen überflüssig.

13.04.2018
  • SIMONE DÜRMUTH

Ostfildern. Dass Roboter nicht hinter Schutzzäunen stehen, sondern mit Menschen sozusagen Hand in Hand arbeiten, war in der Industrie noch bis vor kurzem undenkbar. Zu groß das Risiko, dass sich der menschliche Mitarbeiter dabei verletzen könnte. Denn wie sollte man der Maschine begreiflich machen, dass sie auf einen Menschen Rücksicht nehmen soll?

Doch seit einigen Jahren werden die Schutzzäune eingerissen, Mensch und Maschine arbeiten Seit' an Seit' am selben Werkstück. Dabei Kollisionen – und damit mögliche Verletzungen – zu verhindern, ist eines der Ziele des Automatisierungs- und Sicherheitsspezialisten Pilz (Ostfildern). So hat Pilz zum Beispiel ein Messgerät entwickelt, das Druck und Kraft misst, mit der ein Roboter den Menschen im Fall einer Kollision trifft. Außerdem werden Sensoren erforscht, die eine enge Zusammenarbeit von Mensch und Maschine ermöglichen sollen, erklärt Thomas Pilz, der mit seiner Schwester Susanne Kunschert die Geschäftsführung des Unternehmens stellt, bei einer Pressekonferenz. Besonders spannend ist dabei die Entwicklung einer Sensormatte. Da die Sensoren aus einem Textil bestehen, könne man daraus auch einen maßgeschneiderten Anzug fertigen. Der Roboter erkennt daran den Menschen mit dem er arbeitet und bewegt sich einfach um ihn herum.

Im Bereich der Sensorik verzeichne Pilz ein kontinuierliches Wachstum, berichtete Susanne Kunschert, genau wie im Bereich Dienstleistungen und in klassischen Segmenten wie den Sicherheitsschaltgeräten – also zum Beispiel dem in der Industrie fast schon allgegenwärtigen rot-gelben „Not-Aus“ und seinen Nachfolgeprodukten.

Steigende Umsätze

Konzernweit erzielte Pilz im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von 338 Mio. EUR, ein Plus von 10,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Exportanteil lag 2017 bei 71,9 Prozent (plus 0,7 Prozentpunkte). Einen maßgeblichen Anteil am guten Ergebnis hatte die starke Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen auf dem asiatischen Markt. 2017 war Asien die mit über 30 Prozent am stärksten wachsende Region. Auch für die Zukunft sehe man hier ein großes Potenzial. Susanne Kunschert: „Uns ist egal, in welcher Region der Umsatz gemacht wird. Hauptsache, er ist bei Pilz.“

Im laufenden Jahr will Pilz sein Portfolio im Bereich Robotik erweitern und dazu eine Modul-Lösung anbieten. Kunden sollen sich damit passgenaue Lösungen zusammenstellen können. „Damit entwickeln wir uns weiter zum Technologieunternehmen, das komplette Lösungen jetzt auch für die sichere Robotik anbietet“, so Susanne Kunschert.

Sie und ihr Bruder haben zum vergangenen Jahreswechsel die Geschäftsführungsaufgaben ihrer Mutter Renate Pilz übernommen, die das Unternehmen seit dem Unfalltod ihres Mannes 1975 führte. Derzeit habe sie sich vollständig aus dem Betrieb zurückgezogen, wolle aber in Zukunft beratend tätig sein, so ihre Tochter. Die neue Situation habe sich eingespielt, man plane aber keine radikalen Veränderungen. „Ich bin seit 20, meine Schwester seit 17 Jahren im Unternehmen. Da würden wir ja unseren eigenen bisherigen Weg in Frage stellen“, sagt Thomas Pilz. Simone Dürmuth

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13.04.2018, 06:00 Uhr
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