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Freie Fahrt mit roter Karte
Der Tourismus im Hochschwarzwald lockt mit einer Gratis-Karte. Foto: Hans Georg Frank
Die "Hochschwarzwald Card" bietet viele Vergünstigungen

Freie Fahrt mit roter Karte

Nicht nur sparsame Schwaben schätzen ein Gratisangebot für Urlauber. Im badischen Hochschwarzwald erweist sich eine Kostenlos-Karte als Erfolgsmodell fürs Gastgewerbe. Das positive Beispiel findet Nachahmer.

14.03.2016
  • HANS GEORG FRANK

Hinterzarten. Aldo Rosso, Direktor des Maritim-Hotels am Titisee, macht einen sehr entspannten Eindruck, wenn er über die Entwicklung seiner 220-Betten-Herberge direkt am Ufer erzählt. "Die Gäste bleiben länger, die Auslastung stieg von 55 auf 63 Prozent. Das ist schon nennenswert", berichtet der Manager, der vor acht Jahren an den idyllischen See kam. Warum die Urlauber im Schnitt statt früher 1,8 nun 2,5 Tage - "eine gewaltige Steigerung" - bleiben, hat einen einfachen Grund: Das Maritim-Hotel gehört zu den Gastgebern, die bei mindestens zwei Übernachtungen die "Hochschwarzwald Card" kostenlos überreichen. Mit dem roten Ausweis haben die Urlauber freie Fahrt zu über 70 Attraktionen.

Im Dezember 2010 erhielten die ersten Gästen diese rote Karte. 180 Gastgeber vom Spitzenhotel bis zur Ferienwohnung hatten sich mit 50 Anbietern kurzweilig-sportlich-niveauvoller Urlaubsabwechslungen geeinigt. Wer nicht nur einmal übernachtet, darf ohne Zusatzkosten baden, paddeln, radeln, rodeln, reiten, Tennis spielen, mit Boot, Schiff, Segway oder Gletscherblitz fahren, Tiere streicheln, Freizeitparks und Ausstellungen besuchen.

Die Stimmung für die Gemeinschaftsaktion sei damals gut gewesen wegen der Senkung der Mehrwertsteuer für Übernachtungen auf sieben Prozent, erinnert sich Projektleiterin Ulrike Brodscholl von der Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG) in Hinterzarten: "Das war die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt." Die Quartiergeber zahlen pro erwachsenem Gast einen Beitrag von etwa fünf Euro als Umlage. Aus dem Topf erhalten die Partner einen Fixbetrag.

Die Karte sei "ein sehr, sehr gutes Marketingmittel", stellte die Tourismusfachwirtin fest. Auch kleinere Häuser bekämen damit "ein attraktives Angebot". Inzwischen sind weitere Tourismus-Akteure auf den Zug aufgesprungen. Inzwischen locken 365 Gastgeber mit der "Hochschwarzwald Card", die von über 70 Partnern anerkannt wird. Dort gibt es zumeist freien Eintritt, auch auf das Greenfee für drei Golfplätze wird verzichtet.

Spitzenreiter bei den Card-Nutzern ist das "Badeparadies Schwarzwald" in Titisee. Dieses Spaßbad wurde zwischenzeitlich derart von Besuchern überrannt, dass die Gratis-Zeit von anfangs drei Stunden halbiert werden musste. Das Badevergnügen hat immerhin einen Gegenwert von 15 Euro. Am meisten sparen Wintersportler, die sich von allen Liften auf die Berge bringen lassen können. Sie sparen den Tagespass und damit 34 Euro.

"Die Karte ist ein Kracher mit vielfachem Kollateralnutzen", lobt Andreas Braun, Chef des Tourismus-Marketings in Baden-Württemberg. Wegen der kostenlosen Zusatzleistungen überlege sich mancher Tagesausflügler, ob er doch zweimal übernachte. Dass viele Pläne tatsächlich so abgeändert werden, zeigen die Bilanzen. Die Übernachtungen, derzeit 3,5 Millionen, steigen um sieben Prozent. "Das ist mit Sicherheit der Card-Effekt", sagt Braun, "die Rechnung ist voll aufgegangen." Er weiß sehr zu schätzen, dass die Aktivisten im Hochschwarzwald auf Hochwertigkeit geachtet haben. Dazu zählt die dreistündige Spritztour in einem von 25 BMW-Elektroautos, die auch vom Deutschen Tourismusverband ausgezeichnet worden sei: "Das ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal."

Dem Beispiel aus dem Hochschwarzwald folgten schon die Region um Freudenstadt und Baiersbronn mit dem Angebot "Schwarzwald Plus". Das Vorbild dürfte weiter Schule machen, erkundigten sich doch immer wieder Touristiker über die Modalitäten. Sie reisen an vom Bodensee oder aus der Pfalz. Andreas Braun sieht aber Grenzen für den finanziellen Anreiz: "Das wird nur in Regionen mit einer hohen Tourismusintensität funktionieren." Zimmer und Attraktion dürften nicht zu weit auseinanderliegen: "Der Gast will nicht jeden Tag große Distanzen überwinden."

Maritim-Direktor Rosso hat mittlerweile ein verändertes Verhalten bei seinen Gästen beobachtet: "Die Leute machen einfach mehr, sie stehen früher auf, gehen zum Skifahren, nachmittags ins Erlebnisbad, kommen etwas später zum Abendessen." Nutznießer der "Card" seien auch die Gastronomen: "Wenn man nicht permanent die Geldbörse zücken muss, leistet man sich ein vernünftiges Mittagessen statt eines einfachen Sandwichs."

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14.03.2016, 08:30 Uhr
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