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Frauenparks gegen Osteoporose
Zu wenig Sonnenlicht auf den Körper: Frau in Teheran in vorgeschriebener Kleidung. Foto: dpa
Islam

Frauenparks gegen Osteoporose

Weil sie verhüllt sein müssen, leiden Frauen im Iran an Vitamin-D-Mangel. Das gefährdet den Nachwuchs.

16.09.2017
  • ELKE BUNGE

Teheran. Im Iran gibt es Parks, die nur von Frauen besucht werden dürfen. Dort essen sie in Pavillons, manche trainieren auf Fitnessgeräten, andere kaufen alkoholfreie Getränke an Kiosken oder sind mit ihren Kindern beschäftigt. Die Parks sind ein Ventil in dem Schlauch aus religiösen Vorschriften, der Frauen und Mädchen im Iran einhüllt. Und er dient der Vorbeugung gegen Osteoporose.

Mädchen laufen in Miniröcken und Shorts umher, Frauen in luftiger Kleidung, Kopf und Haupthaar bekommen Tageslicht. Ein großer Metallzaun schließt den Park von der Außenwelt ab. An den Eingängen stehen weibliche Wachen in blauen Uniformen mit weißen Handschuhen. Sie halten ein Auge auf alles, was hier ein- und ausgeht.

„Diese neu eingerichteten Orte ergeben sich aus der der Wechselwirkung von Tradition, Religion und Moderne“, sagt Reza Arjmand, ein Soziologe an der Universität Lund in Schweden. Mitnichten sei der Park ein Zeichen einer moderneren Sicht der Welt. Vielmehr sei er schlicht der Sorge um die Gesundheit der nächsten Generation dieser Frauen entsprungen.

Arjmand hat vor kurzem ein Buch über die den Frauen vorbehaltenen Parks im Iran veröffentlicht, in dem er schreibt, dass der Vitamin-D-Mangel ein Problem in iranischen Städten ist. Denn Frauen sind hier gezwungen, sich in der Öffentlichkeit zu verhüllen. Verhüllung heißt für iranische Frauen, ein Kopftuch zu tragen, eine lange Hose und einen Mantel, der die Hüften bedeckt. Sie bekommen kaum Sonnenlicht ab

Die meisten Frauen leben in Wohnungen mit kleinen Fenstern, sodass der Körper auch aus diesem Grund kaum Sonnenlicht bekommt. Sonnenlicht aber braucht der Körper, damit die Haut mehr Vitamin D produziert. Zuwenig Vitamin D fördert Osteoporose. Eine Studie des iranischen Gesundheitsministeriums hat bereits 2001 ein alarmierendes Wachstum der Zahl von Frauen gezeigt, die Osteoporose entwickeln. Das veranlasste die Behörden, mit dem Bau dieser Parks zu beginnen.

„Traditionell war es nicht anständig für persische Frauen, in Parks herumzugehen“, sagt Arjmand. Nach der islamischen Revolution von 1979 hielt die Regierung Parks für Frauen für unnötig. Erst als sich herausstellte, dass die Kinder dieser Frauen, also die nächste Generation, medizinischen Risiken ausgesetzt sind, weil ihre Mütter ungesund leben, hat sich die Meinung der Behörden geändert.

Es gibt jedoch auch viele Schwierigkeiten, das Konzept umzusetzen: Die Suche nach geeigneten Standorten für die Parks erwies sich als schwierig. Wegen des Risikos, dass Männer von einem Fenster oder einem Balkon aus einem benachbarten Gebäude Einblick in das Gelände erhalten könnte, befinden sich viele dieser Grünflächen außerhalb der Stadtzentren.

Doch diese Vororte sind für viele Frauen schwer zu erreichen. Auch die Öffnungszeiten sind begrenzt, damit männliche Gärtner auf keinen Fall mit der unverhüllten weiblichen Gesellschaft zusammentreffen.

Es sei nicht das gesundheitliche Wohlergehen der Frauen, deretwegen die religiöse Machtelite die Frauenparks eingerichtet hat, sondern die Sorge um den zukünftigen männlichen Nachwuchs, der von gesunden Müttern komplikationsfrei geboren werden soll, schreibt Arjmand. Dennoch seien sie ein wichtiger Fortschritt. „Eine Gruppe von Frauen wird schon heute von diesen Parks profitieren“, meint er. „Nämlich die, die aus religiösen Familien stammen und für die es die einzige Möglichkeit ist, eine Zeit draußen ohne Kopftuch zu verbringen. Dieser Ort bietet ihnen eine Freiheit, die sie früher nicht besaßen.“ Elke Bunge

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16.09.2017, 06:00 Uhr
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