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Nicht nur wohlhabende ältere Männer sollen einen Mercedes kaufen

"Frauen sind das neue China"

Noch heißt es nur Silberpfeil, aber die Bilanz, die der Autobauer Daimler präsentiert, ist schon ziemlich goldgerändert. Satte Gewinne, Dividenden und Sonderzahlungen freuen Aktionäre wie Mitarbeiter.

05.02.2016
  • ANDREAS BÖHME

Stuttgart. Bis Ende des Jahrzehnts will Mercedes an der Spitze der deutschen Premiummarken stehen, und einen großen Schritt dazu hat man im vergangenen Jahr geschafft: Die Schwaben haben mehr Autos denn je der Marke Mercedes verkauft, dabei Audi überholt und zu BMW ziemlich dicht aufgeholt.

Zu danken ist das einmal mehr dem chinesischen Markt, auf dem Daimler ja ziemlich spät durchgestartet ist, aber in den vergangenen acht Jahren den Absatz verachtfachen konnte. China ist der größte Einzelmarkt der Stuttgarter, allein die neue Pekinger Fabrik hat eine knappe Dreiviertelmilliarde EUR gekostet und ist so groß wie die Traditionswerke Sindelfingen und Untertürkheim zusammen. Zwei Drittel aller Fahrzeuge für den chinesischen Markt werden auch vor Ort gebaut.

Auch die anderen Geschäftsfelder wie Laster und Lieferwagen wuchsen zweistellig, allein die Bus-Sparte schwächelt ins Minus. Beim Kleinwägelchen Smart wiederum steigerte sich Absatz sogar um fast ein Drittel, und die Finanzdienstleistungen sorgen für eine Kapitalrendite von mehr als 18 Prozent. Jeder zweite Benz wird auf Pump gekauft und im eigenen Haus finanziert, das bringt zusätzlich Gewinn und stärkt die Kundenbindung, sagt Finanzchef Bodo Uebber.

Sowohl im Pkw-Geschäft als auch bei der Finanzierung wurden die Zielrenditen deutlich überschritten, das Wachstum ist höchst profitabel. Der um ein knappes Viertel gesteigerte Gewinn hat denn auch Folgen: Vor allem für die Aktionäre, die mit einer Rekorddividende bekommen. 40 Prozent der Gewinne schenkt Daimler aus, macht satte 3,25 EUR, eine Steigerung um ein Drittel und so viel wie nie in der Konzerngeschichte. Die Arbeitnehmer dürfen sich über eine Erfolgsbeteiligung von 5650 EUR pro Nase freuen, und auch der Pensionsfonds erfuhr eine weitere Sonderzuführung von einer Viertelmilliarde EUR.

Alles in allem eine wahrhaft goldene Bilanz. Und dennoch reichte der Halbsatz Uebbers, die Zuwachsrate in China werde in diesem Jahr moderater ausfallen, um die Aktie gestern zeitweise um mehr als 5 Prozent abstürzen zu lassen. Firmenchef Dieter Zetsche: "Es ist verdammt schwer, an die Spitze zu kommen. Aber es ist noch schwerer, vorn zu bleiben."

Mit einem guten Dutzend neuer oder überarbeiteter Modelle will sich Daimler im laufenden Jahr behaupten. Nicht zuletzt mit dem jüngsten Volumenmodell, der E-Klasse. Und deren neuem, hochkomplexen Dieselmotor, der ungeachtet aller generellen Anfeindungen gegen die Selbstzünder eines der saubersten Triebwerke überhaupt ist. Der intern OM 654 reduziert in der zweiten Stufe der Euro-6-Norm reduziert den stickstoffausstoß gegenüber der Stufe 5 um 85 Prozent - das ist an der Nachweisgrenze. "Die jetzigen Grenzwerte sind sehr herausfordernd", sagt Zetsche, machten den Einsatz spritsparender Diesel aber nicht unmöglich. Eine solche Gefahr habe in der Abgasdebatte durchaus bestanden.

Daneben setzt Daimler auf Hybridtechnik, ein Brennstoffzellenauto soll erst 2018 mit einer vierstelligen Produktionszahl aufgelegt werden. Technisch sei man mit den Japanern (Honda hat bereits die zweite Generation am Markt) auf Augenhöhe. Für den mit Nissan und Ford entwickelten Antrieb seien die Perspektiven aber limitiert, so Zetsche, weil die Infrastruktur mit Wasserstoff-Tankstellen fehlt.

In acht internationalen Arbeitsgruppen bastelt Daimler derzeit an einem neuen Führungsmodell. Die soll die Basis werden für die zunehmende Digitalisierung, die Zetsche als "ganz große Chance" sieht. Kulturelle Elemente, die dabei eine Rolle spielten, gelte es anzupassen. Potenzial bieten schließlich auch die angesprochenen Kundenkreise. Bislang sind es vor allem wohlhabende ältere Männer, die sich einen Mercedes kaufen, der Durchschnitt liegt bei 56 Jahren. "Frauen sind das neue China", hat Zetsche gesagt, diesen Schatz bislang aber nur in den USA gehoben. Dort würden jetzt mehr Frauen zu Mercedes greifen als zu Audi und BMW. Bei den Mitarbeiterinnen in Führungsebenen sieht es besser aus: Im vergangenen Jahrzehnt wuchs der weibliche Anteil von sechs auf 15 Prozent.

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05.02.2016, 08:30 Uhr
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