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Lieber klein anfangen als groß scheitern

Frauen gehen die berufliche Selbstständigkeit anders an als Männer

Würden Frauen mutiger ihre Firmenpläne verfolgen, würden Zehntausende neue Jobs geschaffen. Doch weibliche Gründer sind in der Regel vorsichtiger - und sie fangen meistens erstmal klein an.

13.12.2013
  • DPA

Marburg/Nagold "Du willst nicht den Knecht für andere spielen", der Gedanke formte sich schon im Studium im Kopf von Kristina Markovic. Mit 13 hatte sie gejobbt, später eine Lehre als Optikerin gemacht. Während des Architektur-Studiums nahm sie erste Aufträge an. 2009 gründete sie mit 27 Jahren ihr Büro für Innenarchitektur in Marburg.

Der Weg der heute 32-Jährigen ist nicht untypisch für Unternehmensgründerinnen, sagt Iris Kronenbitter von der Bundesweiten Gründerinnen-Agentur (bga) in Stuttgart. "Sie sind in der Regel fachlich gut qualifiziert", sagt Kronenbitter. Außerdem machten sich immer mehr Frauen direkt nach der Ausbildung selbstständig. "Früher lag das Gründerinnenalter bei Mitte 40."

Untersuchungen zeigen, dass Frauen Firmengründungen anders angehen als Männer. "90 Prozent der Frauen, die sich selbstständig machen, starten im Dienstleistungssektor", sagt Kronenbitter. Deshalb sei der Kapitalbedarf in der Regel niedriger und die Unternehmensgröße kleiner. Außerdem: "Von Frauen geführte Unternehmen bleiben länger im Markt, weil sie konsequent reinvestieren." Vor allem aber gingen Frauen häufig sehr gezielt vor.

Das war auch bei Kristina Markovic der Fall. Sie machte bei einem Business-Plan-Wettbewerb mit. "Das hat sehr geholfen", sagt sie. Seit 2009 erzielt sie jährliche Zuwachsraten von 40 bis 50 Prozent bei Umsatz und Gewinn. Für Kronenbitter keine Überraschung. "Frauen sind entschieden besser vorbereitet." Ihr Anteil an den Selbstständigen liegt in Deutschland seit Jahren bei gut 30 Prozent, auch wenn er zuletzt leicht gestiegen ist. Die Zahl der Gründungen insgesamt geht dagegen zurück.

"Das Gründungsinteresse von Frauen steigt stetig", sagt Gründungsexperte Marc Ewers vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Doch auch die Abbrecherrate ist bei Frauen höher. Ein Grund ist, dass Frauen weniger risikofreudig sind. Das ist laut KfW-Expertin Margarita Tchouvakhina eigentlich ein Vorteil. "Frauen reagieren schneller auf Krisen und kommen schneller raus", sagt sie.

Das war auch bei Yvonne Wilmes der Fall. Die heute 50-Jährige gründetet 2004 eine Firma für Vertriebslösungen in Nagold im Schwarzwald. Nachdem Aufträge wegbrachen, entließ sie ihre Mitarbeiter, arbeitete nur noch mit anderen Selbstständigen, um flexibler reagieren zu können - und schrieb bald wieder schwarze Zahlen.

Die Vereinbarkeit mit der Familie hält viele Frauen davon ab, sich selbstständig zu machen, sagt DIHK-Experte Ewers. Yvonne Wilmes hatte Glück. Ihr Sohn war fünf Jahre alt, ihre Tochter mit 17 "aus dem Gröbsten raus". Ihr Mann stand hinter ihr. Sonst, sagt sie, hätte sie das nicht geschafft.

In Verhandlungen mit der Bank hätten Frau und Männer gleiche Chancen, sagt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Die Erfahrung hat auch Evelyn Bader gemacht. Sie gründete in diesem Jahr mit 60 Jahren eine Agentur für nachhaltige Reiseangebote speziell für Frauen. Ihr Vorteil: Die Bank kannte sie, außerdem konnte sie Kenntnisse vorweisen. Sie hatte bereits eine Firma mit einer Partnerin gegründet. Neben der Erfahrung konnte sie auch einige Kunden vorweisen, die ihr die Treue hielten.

Frauen gehen die berufliche Selbstständigkeit anders an als Männer
Die selbstständige Marburger Designerin Kristina Markovic und die von ihr entworfenen Tafellampe "Doodle". Foto: dpa

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13.12.2013, 12:00 Uhr
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