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Frauen-Fußball: Silvia Neid holt am Ende ihrer langen Karriere den Titel, der ihr noch fehlte
Silvia Neid geht ohne Wehmut: „Nach so vielen Jahren bei der Nationalmannschaft ist das Baby jetzt groß und aus dem Haus.“ Foto: Eibner
Traumhaftes Finale der Bundestrainerin

Frauen-Fußball: Silvia Neid holt am Ende ihrer langen Karriere den Titel, der ihr noch fehlte

Glücklich und zufrieden verlässt Silvia Neid nach dem Gold-Triumph die Bühne. Keine hat den deutschen Frauenfußball so geprägt wie sie.

22.08.2016
  • DPA/SID

Rio de Janeiro. Nach einer rauschenden Gold-Party nahmen die deutschen Fußball-Frauen bereits die nächsten Titel-Ziele ins Visier, nur Bundestrainerin Silvia Neid schmiedete in der Stunde ihres Bilderbuch-Abschiedes eigene Pläne. „Nach so vielen Jahren bei der Nationalmannschaft ist das Baby jetzt groß und aus dem Haus, da kann ich auch mal wieder was für mich tun“, sagte Neid am Morgen nach der großen Olympiasieger-Sause im Deutschen Haus.

Mit dem historischen Triumph erfuhr ihre imposante Trainer-Laufbahn einen krönenden Abschluss, zu dem selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte. Und auch Weltmeister-Coach Joachim Löw meldete sich zu Wort. „Dieser Erfolg ist in erster Linie auch ein Verdienst von Silvia Neid. Sie ist eine außerordentliche Trainerin, mit der ich mich immer gerne ausgetauscht habe“, übermittelte Löw. „Ich bedauere sehr, dass sie nun aufhört.“

Die Fußstapfen, die Neid hinterlässt, sind riesig. Für Reinhard Grindel ist sie die Frau, „die den deutschen Frauenfußball am meisten geprägt hat“. Der DFB-Präsident äußerte zugleich die Hoffnung, der Olympiasieg möge einen weiteren Schub geben – und erntete Widerspruch von Neid. „Wie viele Schübe brauchen wir denn noch?“, sagte sie verblüfft. „Ich denke, dass wir im deutschen Frauenfußball wirklich gute Strukturen haben.“ Deshalb verlässt Neid die große Fußball-Bühne ohne Wehmut. „Das war das i-Tüpfelchen“, sagte sie sichtlich gerührt. „Es fällt mir total leicht, die Zügel aus der Hand zu geben. Wir stehen gut da. Ich übergebe eine intakte Mannschaft an Steffi Jones.“

Die Spielerinnen gönnten ihrer Trainerin den Erfolg von ganzem Herzen. „Ich freue mich total, dass sie so einen perfekten Abschluss gekriegt hat“, sagte Melanie Behringer und fügte hinzu: „Ich sage: Sie hat das verdient.“

Nach dem WM-Titel 2007 sowie den EM-Siegen 2009 und 2013 ist Neid nun auch im Olymp angekommen – auch wenn ihr die Goldmedaille verwehrt blieb. Die ist ausschließlich den Sportlern vorbehalten. Der Triumph im legendären Maracanã verschaffte der 52-Jährigen aber auch so ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit: „Das kann man fast nicht in Worte fassen. Das ist ja das Besondere, wenn man so ein Turnier gewinnt, wenn man dort ankommt, wofür man arbeitet. Das erfüllt einen mit Stolz.“

Der 2:1-Sieg im Finale gegen Schweden wurde daher ausgiebig gefeiert. Zweieinhalb Stunden nach dem Abpfiff schallten immer noch Jubel-Lieder aus der Kabine, ehe es zur großen Party ins Deutsche Haus ging. Zwischen Bier, Schampus und Caipirinha dachten die Gold-Ladys aber schon an die Zukunft. „Der Olympiasieg ist echt cool. Wenn man diese Medaille um den Hals fühlt, will man das immer wieder erleben“, sagte Anja Mittag. Ein Karriereende war für die 31-Jährige in der Stunde des großen Triumphes ganz weit weg: „Ich werde den Weg mit Steffi Jones weiter mitgehen.“

Und Neid? Die wird zunächst in der Scouting-Abteilung wechseln. Vielleicht wagt sie danach den Schritt in den Männer-Fußball. "Die Anfragen gab es schon ein paarmal. Also, denkbar ist alles", sagte Neid der Bild am Sonntag.

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22.08.2016, 06:00 Uhr
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