Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Frau Dahabi und die Salafisten
Eine der ersten Gymnasiallehrerinnen für islamische Religion: Hasnaa Dahabi. Foto: Axel Habermehl
Erfahrungen einer Islamlehrerin im Land

Frau Dahabi und die Salafisten

Der Islamunterricht im Land wächst. Inzwischen gibt es das Fach an 68 Schulen. Dies könne auch präventiv gegen Salafisten wirken, sagt eine Lehrerin.

07.12.2015
  • AXEL HABERMEHL

Tübingen. Einmal, erinnert sich Hasnaa Dahabi, sprach sie ein Schüler an. Er verkündete: "Mein Vater sagt, die Salafisten sind jetzt die besten Muslime auf Erden." Da musste die Lehrerin für islamische Religion erstmal schlucken. "Dann haben wir darüber geredet", sagt sie.

Seit gut zwei Jahren bringt die 29-Jährige, die an der Uni Tübingen islamische Theologie auf Master studiert, Gymnasiasten Grundzüge des Islam nahe. Was als Modellversuch begann, ist gewachsen. Laut Kultusministerium gibt es im Land 60 Islam-Lehrer an 68 Schulen. Am Tübinger Carlo-Schmid-Gymnasium, wo Dahabi unterrichtet, können inzwischen 5.-, 6.- und 7.-Klässler islamischen Religionsunterricht besuchen, weitere Klassen sind geplant.

Dahibi, die erst seit diesem Schuljahr Noten geben darf, legt Wert auf Themen, von denen Schüler "im Alltag profitieren". Auch die Themen Salafismus und islamistischer Terrorismus spielten eine Rolle. "Natürlich reden wir darüber. Wir schauen zum Beispiel, was macht der IS und was steht wirklich im Koran." Richtig Sinn mache das aber erst ab der Mittelstufe - doch diese erreicht der Islamunterricht bisher kaum.

Das Problem sieht auch Michael Hermann, Sprecher des Kultusministeriums. "Allerdings kann Radikalisierung nicht alleine auf den Islam-Unterricht kapriziert werden." Unterrichtsziel sei primär, jungen Muslimen ein fundiertes Kennenlernen der eigenen Religion zu ermöglichen - und das in deutscher Sprache. Schon jetzt gebe es auch in höheren Klassen Konzepte für Salafismus-Prävention. Bei akuten Fällen müssten externe Fachleute ran.

Trotzdem wirke, so Dahabi, ihr Unterricht auch präventiv: "Salafisten sprechen Leute an, von denen sie denken, dass sie sie einfach gewinnen können." Oft seien es Jugendliche in Krisen. "Wenn ich mich schlecht fühle und jemand sagt: ,Ich bin für dich da, du bist mein Bruder , fühle ich mich erstmal wohl." Deshalb müsse man Jugendliche in schweren Phasen besser unterstützen, mit ihnen diskutieren. "Wer sich richtig mit dem Islam beschäftigt hat, wird Gruppen wie Salafisten nicht folgen", sagt Dahabi. "Wenn Kinder aber gar keine Ahnung vom Islam haben und nur das hören, was die Salafisten sagen, glauben sie ihnen vielleicht eher."

Mit dem Jungen, dessen Vater europäische Salafisten lobte, die zum Dschihad nach Syrien zogen, und der Dahabi gegenüber auch von Pierre-Vogel-Videos schwärmte, schaute die Lehrerin dann Koran-Stellen an. Dort stehe zum Beispiel, Dschihad dürfe nur machen, wer angegriffen werde. In Deutschland werde aber niemand angegriffen, daher sei es total verboten, zum Kämpfen nach Syrien zu reisen. Das habe der Junge dann eingesehen. So will es Dahabi auch weiterhin machen: "Man darf Jugendliche nicht verurteilen, sondern muss sie an die Hand nehmen", sagt sie.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

07.12.2015, 08:30 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular