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Bebenhausen · Kultur

Französisches Schlosserlebnis

Kulinarische und politische Aspekte der deutsch-französischen Nachbarschaft thematisierte das Schloss Bebenhausen beim Schloss-Erlebnistag.

17.06.2019

Von Monica Brana

Frankreich und seine Wirkung auf die Bebenhäuser Klosteranlage waren Themenschwerpunkte beim neunten Schlosserlebnistag. Damit reihte er sich ins das deutsch-französische Themenjahr der staatlichen Schlösser und Gärten des Landes Baden-Württemberg ein. Bild: Klaus Franke

Wein, Baguettes, dazu Live-Musik des Chanson-Trios Montparnasse: „À la française“ lautete am Sonntag das Motto beim neunten Schloss-Erlebnistag des Vereins „Schlösser, Burgen, Gärten Baden-Württemberg“. Auch Bebenhausen machte mit und Hunderte Besucher der Klosteranlage bekamen vom Bebenhäuser Verein frischen Flammkuchen aus dem Backhaus, picknickten zu Musette-Klängen im Abtsgarten oder verkosteten Weine aus Rebsorten, die einst in den klösterlichen Weinbergen gediehen.

Dabei war es gerade ein Franzose, dessen Vermächtnis die Entwicklung der Bebenhäuser Anlage entscheidend prägte. In einer epochenübergreifenden Sonderführung begab sich die Kulturwissenschaftlerin Ursula Hüge mit 25 sichtlich interessierten Zuhörer/innen auf Spurensuche und erklärte während der gut anderthalbstündigen Tour durch die Anlage unter anderem, dass Abt Bernhard von Clairvaux im Jahre 1115 das Zisterzienserkloster im Osten Frankreichs gründete, woraufhin sich dessen Tochter-Zisterzen „über viele Zwischenklöster“ bis nach Bebenhausen erstreckten. Der Zweigstellen-Charakter zeigte sich etwa 1410 im Besuch des „französischen Mutterabts“ Mathieu, zu dessen Aufgaben die Visite der „Töchter“ zählte, sagte Hüge in der südöstlich gelegenen Bruderhalle, wo Landkarten der Dauerausstellung den Prozess verdeutlichen.

Zu bemängeln hatte der entsandte Abt bei seinem Besuch dann sogleich den Turm der Klosterkirche, fuhr Hüge im Zentrum des Klostergartens fort, von wo aus die Besucher einen guten Blick auf das corpus delicti erlangten. Den Turm verurteilte der auf Einfachheit bedachte Mathieu von Cîteaux als schändlichen „Zeigefinger ins Paradies“. Beim daraufhin einberufenen Generalkapitel gingen die Meinungen der dort versammelten Klostervertreter diesbezüglich auseinander, folglich blieb der Turm bis heute stehen.

Auf zahlreiche Einwürfe ihrer Zuhörer, baugeschichtliche und politische Detailfragen ging Hüge ausführlich ein, so dass das eigentliche Führungsthema „Unter französischer Besatzung – der Landtag in Bebenhausen. Wie aus Feinden Freunde wurden“ ins Hintertreffen geriet. Ohnehin sei der Landtag „nur eine ganz kurze Episode hier“ gewesen, bemerkte Hüge angesichts der vermutlich 1183/84 durch den Pfalzgrafen Rudolph von Tübingen erfolgten Gründung des Zisterzienserklosters.

Zwischen 1947 und 1952 tagte im Winterrefektorium der Landtag von Württemberg-Hohenzollern. Von den 60 Abgeordneten seien zwei weiblich gewesen. Bloß eine Schreibmaschine gab es, Reden seien daher meist mit Bleistift niedergeschrieben worden – „wenn überhaupt“. In der Tübinger Frauenklinik seien etwa 900 Missbrauchsopfer der Besatzer registriert worden. Frauen seien stets die „Beute“ von Eroberern, so auch hier, bemerkte Hüge.

NS-Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink sei nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von einer Tochter Wilhelms des Zweiten, Pauline Fürstin zu Wied, in der Klostermühle versteckt und gedeckt worden. Im Zuge der Entnazifizierung belegten die Alliierten beide mit milden Strafen. Scholtz-Klink lebte anschließend bis 1999 in Bebenhausen.

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Erstellt:
17. Juni 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Juni 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2019, 01:00 Uhr

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