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Für die Freiheit des Wortes

Frankfurter Buchmesse beginnt mit Rede des Autors Salman Rushdie

Streng bewacht stattet Salman Rushdie der Buchmesse einen Blitzbesuch ab. Die Meinungsfreiheit sieht er nicht nur in Diktaturen in Gefahr, sondern auch dort, wo sie sicher scheint - in Europa und den USA.

14.10.2015
  • SANDRA TRAUNER, DPA

Frankfurt Man kann über alles diskutieren - außer über Meinungsfreiheit: Mit einem flammenden Appell, dieses Menschenrecht stets aufs Neue zu verteidigen, hat der mit dem Tode bedrohte Autor Salman Rushdie die Frankfurter Buchmesse eingeläutet. "Die Freiheit des Wortes ist ein universelles Recht der Menschheit", sagte der 68-Jährige gestern zur Eröffnungspressekonferenz. "Ohne diese Freiheit muss jede andere Freiheit scheitern."

Wie nötig der Kampf um Meinungsfreiheit ist, zeigt die Tatsache, dass der Iran aus Protest gegen Rushdies Auftritt die Buchmesse abgesagt hat. Im Iran war der indischstämmige Autor vor 26 Jahren in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Radikale Muslime hatten sein Buch "Die Satanischen Verse" als gotteslästerlich empfunden. Auch sein neues Buch "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte" richte sich indirekt gegen religiöse Werte und Überzeugungen. So begründete das iranische Kultusministerium den Boykott. Einige iranische Verleger werden laut Buchmesse trotzdem kommen. Die Absage habe ihn "sehr enttäuscht", bekräftigte Buchmesse-Chef Juergen Boos. "Aber die Freiheit des Wortes ist nicht verhandelbar."

Rushdie hat eine Reise unterbrochen, um für wenige Stunden in Frankfurt zwischenzulanden. Bescheiden betritt er durch einen Nebeneingang den überfüllten Presseraum. Sein Platz ist so von Fotografen und Filmteams umlagert, dass die Zuhörer sein Kommen kaum bemerken. Ein zaghafter Versuch, vor der Rede ein Autogramm zu ergattern, wird von Sicherheitskräften unterbunden. Nach seiner knapp 20-minütigen Rede auf Englisch wird Rushdie, ohne Fragen zu beantworten, zum Flughafen zurückgebracht. "Bücher zu verlegen ist die Verkörperung der Meinungsfreiheit", begründet er seinen Blitzbesuch. Dieser Job sei schwerer geworden. "Manchmal fühlt es sich an wie Krieg." Nicht nur Gewalt und Angst bedrohten das freie Wort - auch übertriebene "Political Correctness" sei eine ernstzunehmende Gefahr. In den USA denke man darüber nach, Bücher mit Warnhinweisen zu versehen, die darin enthaltenen Ideen könnten den Leser herausfordern. "Das wäre lustig, wenn es nicht so wenig lustig wäre." Die Meinungsfreiheit müsse nicht nur in Diktaturen erkämpft, sondern auch dort verteidigt werden, wo sie so selbstverständlich sei "wie die Luft, die wir atmen", betont der Booker-Preisträger. "Die mächtigste Gefahr für die Meinungsfreiheit ist die Idee, dass diese Freiheit kultur-spezifisch ist", warnt er: etwas, das wir für richtig hielten, während Andere das Recht hätten, das anders zu sehen. Das sei falsch: "Meinungsfreiheit ist universell."

Radikale hätten Angst vor Literatur. "Wenn Sie an eine einzige Version der Wahrheit glauben, und versuchen, diese anderen aufzuzwingen, werden Menschen, die verschiedene Versionen der Wahrheit anbieten, zu ihren Feinden." Aber Literatur sei langlebig, sagt Rushdie und zählt Bücher auf, die allesamt Diktaturen überlebten. "Literatur ist stark, aber Autoren sind schwach. Ihre Leben können zerstört werden, selbst wenn ihre Werke bleiben. Das ist kein großer Trost, wenn man tot ist."

Frankfurter Buchmesse beginnt mit Rede des Autors Salman Rushdie
Autor Salman Rushdie gestern auf der Eröffnungs-Pressekonferenz der Frankfurter Buchmesse. Foto: Arne Dedert/dpa

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14.10.2015, 12:00 Uhr
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