Der Weltverbesserer

Frank Christoph Schnitzler will sich von RTL zum „Supertalent” nobilitieren lassen

Heute kehrt „Das Supertalent? zurück ins samstagabendliche TV-Programm. Dieses Jahr mischt Reutlingens künstlerischer Tausendsassa mit. Frank Christoph Schnitzler geht als Dance-Act mit Denkanstößen ins Rennen.

27.09.2014

Von Kathrin Löffler

Reutlingen. Geschmackspolizisten und Kulturpessimisten dürfen aufatmen: Ab heute gibt es einen Grund zum gepflegten Naserümpfen weniger. Das „Supertalent? mausert sich. Aus dem Primetime-Kuriositätenkabinett wird ein Format mit Anspruch. Vorreiter ist ein Reutlinger. „Das ist das erste Mal, dass da einer die geistigen Werte vermittelt hat?, sagt Frank Christoph Schnitzler über seinen Auftritt in der aufgezeichneten Show, die ab 20.15 Uhr ausgestrahlt wird.

Vor hermeneutischen Zirkelschlüssen mit dem Unterhaltungspotenzial eines Bimssteins muss dem geneigten RTL-Zuschauer nun aber nicht bange sein: Schnitzler hat seine Werte in eine amüsementaffine Form gepackt. Unter dem Künstlernamen „Mootisave? performt er einen vierminütigen Discopop-Epos aus eigener Feder. Titel: „Our future?. Erstmal blöd: „Mein Talent liegt weder im Singen noch im Tanzen?, gesteht der Titelanwärter. Aber mit flotten Hüftschwüngen und spektakulären Tonhöhen mag er ohnehin nicht um Dieter Bohlens Gunst buhlen. Sondern mit Inhalten: „Die Botschaft ist das Wichtigste.? Die klingt dann auszugsweise so: „Let?s have a party, and now let?s dance all over the world. Help us! We make a better world. And then we have a very good future.? Intention des Musikers: „Ich möchte die Menschen aufrufen, mit ihren Händen, Gefühlen und Gedanken an einer besseren Welt zu arbeiten.?

Doch des Sendungsbewusstseins ungeachtet: „Mootisave? kann auch optisch glänzen. Sein Bühnenformat kombiniert Roboterarm mit silbernem Flitter, das Ergebnis liegt irgendwo zwischen extraterrestrischem Raumfahrer und lebendiger Discokugel, Backgroundtänzerinnen mit Lametta-Perücken flankieren den Frontman. Das hat guten Grund. Schnitzler zitiert mit Sound und Style die Pop-Ikonen der 70er- und 80er-Jahre. Seine Lieblinge heißen Boney M., Hubert Kah oder Modern Talking. In den aktuellen Charts dagegen beklagt er einen Mangel an Liedgut, zu dem sich im Discofox übers Parkett schweben ließe. Diese Lücke wollte er mit „Mootisave? besetzen. Schon seit 2009 hat er den bisher einzigen Song „in der Schublade?. „Den Jüngeren?, vermutet der 44-Jährige, „gefällt?s nicht?. Als Zielgruppe hat er die eigene Altersklasse im Visier.

Auftritte vor Publikum und Kameras ist Schnitzler gewohnt. Als Jugendlicher begann er eine Schlagzeugerkarriere im Musikverein Sankt Johann-Würtingen. Inzwischen treibt er die Region seit Jahren als eine Art schwäbisches Universalgenie um. Der Mann ist Lyriker, Maler, Radiomoderator, Erfinder, Aphoristiker. Als Schauspieler gab er mal einen Journalisten im früheren „Bienzle?-Tatort und einen Kutschenkäufer in der verfilmten Carl-Benz-Biografie. Und er bereicherte Reutlingen um die Achalmritterschaft, um der Stadt wieder mittelalterliches Leben einzuhauchen. Das brachte ihn 2013 um ein Weiterkommen im „Supertalent?: Die Castingrunde hatte er im letzten Jahr schon überstanden. Dann riss er sich als tanzender Ritter am Schwörtag die Achillessehne und schied aus. Aber beim Kölner Privatsender vergaß man „Mootisave? nicht.

Im Frühjahr kam die erneute Einladung in die Fernsehshow, im August wurde im Wiesbadener Staatstheater gedreht. Schnitzlers Aufregung hielt sich erst in Grenzen. „Aber wenn man dann vor Bohlen steht, wird man schon geschwind nervös.? Besagter Musikmogul bildet mit Modell-Lauftrainer Bruce Darnell, Mannequin Lena Gercke und Modedesigner Guido Maria Kretschmer die Jury, die über Wohl und Wehe der Kandidaten entscheidet. Der Reutlinger Bewerber schätzt sie alle, „weil sie eine gewisse Lebensleistung hinter sich haben.? Besonders für den so genannten Poptitan hat er wegen dessen Verdienste als erfolgreicher Musikproduzent und Geschäftsmann nur lobende Worte. Privat sei der ganz nett, befindet Schnitzler, man habe sich noch unterhalten. Verraten durfte er das Urteil der prominenten Wertrichter vor der Ausstrahlung nicht. Nur mit einem Gutachten kann Schnitzler nicht hinterm Berg halten: Ein „geiles Outfit? habe ihm Dieter Bohlen bescheinigt.

In diesem Outfit wird Frank Christoph Schnitzler heute Abend beim RTL-„Supertalent“ auftreten. Hier wird er bei einem Auftritt in der Müller-Galerie begleitet von einer seiner drei Background-Tänzerinnen, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Bild: Faden

Der Talentwettbewerb „Das Supertalent? bei RTL geht heute Abend in seine achte Staffel. Jährlich messen sich Bewerber mit Begabungen aller Art: Opernsänger, Hundedresseure, Derwisch-Tänzer und Seifenblasenkünstler traten schon an. 40 000 Talente waren es heuer. Erst entscheidet eine vierköpfige Jury per Buzzer über ihr Weiterkommen, im Finale küren die Zuschauer den Gewinner der 100 000-Euro-Siegprämie.

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Erstellt:
27. September 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
27. September 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. September 2014, 12:00 Uhr

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