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Leitartikel Nordkorea-Konflikt

Frage der Sicherheit

Nordkorea wird eine Atommacht. Der neue, große Nukleartest und die wiederholten Erprobungen von Mittel- und Langstreckenraketen sind ein Beleg dafür, dass Staatschef Kim Jong Un dieses Programm bis zum Ende entwickeln will. Es gäbe nur noch einen Weg, dieses Vorhaben zu stoppen: militärische Gewalt.

05.09.2017
  • STEFAN KEGEL

Pjöngjang. Allerdings würde ein Krieg, selbst wenn er nur mit konventionellen Waffen geführt würde, schon allein in Südkorea mit Sicherheit zehntausende Tote kosten. Denn er müsste von dort aus geführt werden. Und sollten die Vereinigten Staaten sich entschließen, in Nordkorea einzumarschieren, würde letztlich auch Nordkoreas Nachbar China in den Krieg hineingezogen. Denn Peking würde niemals US-Truppen an seiner Grenze dulden.

Das von den USA gepflegte Prinzip der Gewaltandrohung mit Militärmanövern vor der koreanischen Küste und die Sanktionen gegen die Führung in Pjöngjang haben Kim auf seinem Weg nicht aufhalten können. Sie haben seine Sicht eher noch bestätigt. Schon vor Jahrzehnten setzte die US-Regierung Nordkorea auf eine Liste mit „Schurkenstaaten“, später „Achse des Bösen“ genannt, in denen Washington einen Regimewechsel anstrebte. Und Kim hat gesehen, was mit solchen Staaten passiert, wenn sie aus dem Atomprogramm aussteigen. Saddam Husseins Irak wurde in Schutt und Asche gelegt, Muammar al Gaddafis Libyen ebenso. Beide Diktatoren wurden getötet. Kim wird daher das Atomprogramm niemals aufgeben, zumal es auch in Nordkorea selbst seinen Nimbus als unangreifbarer Führer festigt.

Müssen wir nun Angst vor einem Atomkrieg haben? Die markigen Worte des US-Präsidenten und seines rhetorischen Spiegelbildes in Pjöngjang lassen dies befürchten. Doch sehr wahrscheinlich ist das alles nur Getöse. Es gibt viele Gründe anzunehmen, dass Kim Jong Un kein durchgedrehter Irrer ist, der die Welt zerstören will. Auch ihm dürfte klar sein, dass ein atomarer Angriff Nordkoreas einen Gegenschlag zur Folge hätte und genau das vernichten würde, was er erhalten will: sein Land, unter seiner Führung.

Es wird daher Zeit für die Weltgemeinschaft, in Verhandlungen einzutreten. Allerdings nicht darüber, ob Nordkorea sein Atomprogramm aufgibt. Sondern darüber, dass das Land im Kreis der etablierten Atommächte darauf verzichtet, diese Waffen einzusetzen. Die Anerkennung, dass auch Kim letztlich nicht mehr verlangt als Sicherheit vor einem Angriff, muss in rationalen Köpfen die Oberhand gewinnen. Zudem ist es nicht das erste Mal, dass ein unsicherer Kantonist Kernwaffen entwickelt, um seinen erklärten Feind abschrecken zu können. Auch das instabile Pakistan hat welche.

Die große Gefahr liegt darin, dass das Beispiel Kim Schule machen könnte. Welche Macht diese Waffen verleihen, demonstrieren die großen fünf Atommächte immer wieder aufs Neue. Seit Jahrzehnten missachten sie die Klausel im Atomwaffensperrvertrag, die fordert, ihre Arsenale vollständig abzubauen. Sie setzen das Beispiel, an dem sich Kim orientiert.

leitartikel@swp.de

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05.09.2017, 06:00 Uhr
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