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Forum für literarischen Wiederaufbau
Hans Werner Richter gründete die „Gruppe 47“. Foto: epd
Gruppe 47

Forum für literarischen Wiederaufbau

Vor 70 Jahren beschloss mehr als ein Dutzend Schriftsteller, die deutsche Sprache vom Nazi-Jargon zu befreien.

05.09.2017
  • EPD

Füssen. Die „Gruppe 47“ war die einflussreichste Vereinigung von Literaten in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Wobei „Gruppe“ eigentlich nicht das passende Wort war, der Initiator Hans Werner Richter (1908-1993) hatte Autoren zu Treffen an wechselnden Orten eingeladen, wo unveröffentlichte Texte gelesen und diskutiert wurden. Darunter waren Heinrich Böll, Günter Grass, Martin Walser, Ingeborg Bachmann, Hans Magnus Enzensberger und andere. Begonnen hat alles vor 70 Jahren, im Jahr 1947.

Deutschland lag in Trümmern. Alfred Andersch und Richter, die in den USA für die Kriegsgefangenen-Zeitschrift „Der Ruf“ gearbeitet hatten, wollten in Deutschland mit der Zeitschrift „Der Ruf – unabhängige Blätter der jungen Generation“ eine Brücke zwischen Ost und West bauen. Vergebens. Ihr Eintreten für ein Deutschland mit sozialistischer Gesellschaftsform erregte den Argwohn der amerikanischen Besatzer. Im April 1947 wurde „Der Ruf“ verboten.

„Eine Sadistenvereinigung“

Doch Richter gab nicht auf, plante eine neue Zeitschrift: „Der Skorpion“. Zum 6. und 7. September 1947 lud er potenzielle Mitarbeiter zu einer Redaktionssitzung nahe Füssen ein. 16 Autoren, unter ihnen Wolfdietrich Schnurre, trugen ihre Texte vor und diskutierten darüber. Aus der Zeitschrift wurde nichts. Aber man traf sich weiter, um die Sprache von der NS-Propaganda zu reinigen und neue Werte zu finden.

Etwa zweimal jährlich lud Richter fortan von ihm erwählte Autoren zu Lesungen und Spontankritik an verschiedene Orte. Einer nach dem anderen nahm mit seinem Manuskript Platz auf dem „elektrischen Stuhl“, wie der Sitz neben dem Gastgeber genannt wurde, und ließ sich von den anderen feiern oder fertigmachen. Eine „Sadistenvereinigung“ nannte die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek die „Gruppe 47“.

Insgesamt hatten 200 Autoren bei den Treffen der „Gruppe 47“ gelesen. 1977 nahm der Autorenwettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt den Stil der „Gruppe 47“ wieder auf. Der Literaturkritiker Jochen Hieber: „Nie zuvor und seither nie wieder hat es in unserer Sprache eine Vereinigung von Schriftstellern gegeben, die auf eine derart emphatische Weise den gesellschaftlichen Diskurs bestimmt und mitgeprägt hat.“ epd

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05.09.2017, 06:00 Uhr
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