Pforzen/Tübingen

Forscherin: Rekordzahl an Fossil-Funden in „Hammerschmiede“

Mehr als 3700 Funde an 40 Tagen: Das Jahr 2021 war für die Forscher in der Allgäuer Tongrube „Hammerschmiede“ sehr ergiebig. Auch dieses Jahr wollen sie dort deshalb nach Millionen Jahre alten Fossilien suchen. Etwas fehlt dazu aber noch.

27.02.2022

Von dpa

Madelaine Böhme, Paläontologin der Universität Tübingen, steht in der Tongrube „Hammerschmiede“. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild

Madelaine Böhme, Paläontologin der Universität Tübingen, steht in der Tongrube „Hammerschmiede“. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild

Pforzen/Tübingen. Exakt 3732 Fossilien hat ein Forscherteam der Uni Tübingen im vergangenen Jahr in der Allgäuer Tongrube „Hammerschmiede“ gefunden. „Wenn man es nur anhand der Anzahl sieht, war das letzte Jahr das erfolgreichste“, sagte die Tübinger Paläontologin und Leiterin der Grabungen, Madelaine Böhme, der Deutschen Presse-Agentur. An 40 Tagen hätten die insgesamt 83 Forscher und Freiwilligen in der Grube in Pforzen (Landkreis Ostallgäu) rund 100 Funde mehr ausgegraben als im Vorjahr.

Als spektakulärster Fund in der „Hammerschmiede“ wurden Skelettteile des Menschenaffen „Udo“ bekannt, der vor rund 11,6 Millionen Jahren im Allgäu gelebt haben soll. Die Veröffentlichung stellte 2019 Annahmen zur Entwicklung des aufrechten Gangs infrage und löste weltweit Interesse an den Grabungen aus. 2021 habe man zwar keine weiteren Knochenteile von „Danuvius guggenmosi“ entdeckt, sagte Böhme. „Das ist deswegen aber kein schlechtes Jahr gewesen.“

Unter den Funden des vergangenen Jahres seien zum Beispiel zahlreiche Knochen einer Münchner Waldantilope, sagte die Forscherin. „Wir hoffen, dass wir daraus eines Tages eine 3D-Rekonstruktion des Tieres machen können.“ Zwar habe man schon einzelne Zähne und Schädelteile der Art gefunden, der Umfang des jüngsten Funds sei aber einzigartig.

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Auch in diesem Jahr wolle das Forscherteam wieder in der „Hammerschmiede“ graben, betonte Böhme. Grundsätzlich sei man sich zwar auch mit den Eigentümern und der Baufirma einig, die dort Ton abbaut - doch ein schriftliches Dokument für dieses Jahr fehle bislang. Eine Sprecherin der ebenfalls an den Grabungen beteiligten Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayern (SNSB) bestätigte das. Alle Beteiligten hätten sich aber Ende 2021 „darüber ausgetauscht, dass die Grabung in diesem Jahr fortgesetzt werden soll, was die SNSB sehr begrüßen“. Beginnen wollen die Forscher möglichst im Juni, falls das Wetter dies zulässt.

Dabei sein sollen wie schon im vergangenen Jahr auch freiwillige Helfer. Das Interesse daran sei groß, sagte Paläontologin Böhme. „Letztes Jahr waren 83 Freiwillige vor Ort, darunter auch viele aus der Region. Wir hätten aber bestimmt 100, 150 dabei haben können.“

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Erstellt:
27.02.2022, 09:35 Uhr
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zuletzt aktualisiert: 27.02.2022, 09:35 Uhr

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