Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Viel mehr Hitzewellen

Forscher prognostizieren rasche Zunahme von Wetterextremen

Extreme Hitzewellen sind nach Einschätzung von Forschern wegen des Klimawandels künftig häufiger zu erwarten. Bis 2020 soll sich ihre Zahl einer neuen Studie zufolge verdoppeln, bis 2040 vervierfachen.

16.08.2013

Von DPA

Potsdam Künftig könnten Mensch und Natur noch öfter als bislang unter extremen Sommertemperaturen ächzen. Bis zum Jahr 2020 werden sich starke Hitzewellen in dieser Jahreszeit verdoppeln, wie ein Team um Dim Coumou vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (Pik) berechnet hat. Bis 2040 werden sich solche Wetterlagen demnach sogar vervierfachen. Dürren, Hitzewellen und Stürme könnten in Zukunft wiederum den Klimawandel verstärken, ergänzen weitere Forscher im Fachjournal "Nature".

Insbesondere Wälder nehmen demnach das Treibhausgas Kohlendioxid bei Extremwetter nicht mehr so gut auf, erläuterten die Wissenschaftler um Markus Reichstein, Direktor am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena. Dieser Faktor sei bislang deutlich unterschätzt worden. Derzeit ziehen die Pflanzen demnach jährlich elf Milliarden Tonnen weniger Kohlendioxid aus der Luft, als sie es ohne Extremereignisse tun könnten. Das entspricht etwa einem Drittel des menschengemachten Kohlendioxid-Ausstoßes pro Jahr.

Nach Angaben der Forscher haben Böden und Pflanzen in den vergangenen 50 Jahren insgesamt bis zu 30 Prozent des menschengemachten Kohlendioxids aufgenommen und damit den Klimawandel gebremst. Diese Pufferwirkung könnte mit weiteren Hitzewellen zunehmend verloren gehen. Die Forscher analysierten im Rahmen des europäischen Carbo-Extreme-Projekts unter anderem Satellitendaten zur Lichtnutzung von Pflanzen und schlossen daraus auf deren Kohlendioxidaufnahme.

Die Potsdamer Forscher rechnen unterdessen bis 2100 ohnehin mit noch schlimmeren Extremwetterlagen: Während es heute auf 5 Prozent der globalen Landflächen monatliche Hitze-Extreme im Sommer gebe, seien es bis dahin 85 Prozent. "In vielen Regionen werden die kältesten Sommermonate dann heißer sein als die heißesten Monate heute", sagte Coumou. Zudem würden etwa 60 Prozent der Landflächen von so extremen Hitze-Ereignissen betroffen sein, wie sie heute so gut wie nie vorkämen.

Die Wissenschaftler konzentrierten sich in der Studie auf sogenannte 3-Sigma-Ereignisse. Dabei handelt es sich um Wetterphänomene, die die üblichen Schwankungen in den Temperaturen der Sommermonate einer bestimmten Region stark überschreiten. "Besonders betroffen werden die tropischen Regionen um den Äquator sein", sagte Coumou. Aber auch in Europa erwartet er einen Anstieg der Hitze-Extreme.

"Die Studie des Pik liefert robustere Ergebnisse als bisher vorliegende Studien", kommentierte Stefan Hagemann vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg auf Anfrage. "Was heute eine Ausnahme ist, daran muss man sich in der Zukunft gewöhnen."

Noch lasse sich das Szenario für das Jahr 2100 verhindern, etwa durch einen besseren Klimaschutz, schreiben die Potsdamer Forscher in den "Environmental Research Letters". Anders sehe es für das Jahr 2040 aus. "Bereits jetzt sind so viele Treibhausgase in der Atmosphäre, dass die kurzfristige Zunahme von Hitzewellen unvermeidlich scheint", sagt Coumou. Nun müsse man neue Konzepte entwickeln, wie die betroffenen Regionen reagieren könnten.

Nah am Rekord: Am 3. Juli zeigte das Thermometer am Strand des Helenesees bei Frankfurt (Oder) in Brandenburg 36 Grad im Schatten an. Foto: dpa

Globales Phänomen Prof. Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zufolge steigt die Wahrscheinlichkeit für Wetterextreme auf der ganzen Welt.

Sind die Hitzewellen Indiz für die globale Erderwärmung?

Eine einzelne Hitzewelle ist überhaupt kein Zeichen für eine Klimaänderung. Die gab es früher schon, und die wird es auch in Zukunft geben. Hitzewellen sind Teil des Geschehens, aber sie sind nur ein ganz kleines Puzzlesteinchen. Wetter ist immer Teil des Klimageschehens. Wenn das Klima instabiler wird, werden die Extreme zunehmen, das ist lange bekannt. Das heißt auch, Sie müssen über den Tellerrand schauen, und wenn man von globaler Erwärmung spricht, muss man sich die Sache global ansehen.

Was bedeutet das?

Das bedeutet, dass man sich global nicht nur Hitzewellen ansehen muss, sondern auch andere Extreme wie Dürren, Hochwasser, Stürme und so weiter. Es wird dann schon recht deutlich, dass sich innerhalb der letzten 30 Jahre die Zahl der Extreme global fast verdoppelt hat. Der gesamte Globus erlebt Extreme, Hitzewellen haben beispielsweise dieses Jahr auch Indien und die USA getroffen.

Wie betroffen ist Deutschland?

Wir sind auf einem Planeten der sich erwärmt, und kriegen natürlich etwas davon ab, das ist völlig klar. In den letzten 60 Jahren ist die Jahresmitteltemperatur in Deutschland um mehr als ein Grad angestiegen, in manchen Regionen sogar um zwei Grad. Das ist schon ganz schön viel. dpa

Zum Artikel

Erstellt:
16. August 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
16. August 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. August 2013, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+