Noch eine Seitenlinie der Urmenschen

Forscher finden Belege für frühe Migration des Urmenschen aus Afrika

Wann besiedelte der moderne Mensch Europa? Laut der „Out-of-Africa“-Theorie war das irgendwann vor 50.000 bis 60.000 Jahren. Forscher haben nun herausgefunden, dass es vermutlich schon eine frühere Migrationswelle gab, nämlich vor mehr als 220.000 Jahren.

04.07.2017

Von an

Ausgrabungen am Eingang der Hohlenstein-Stadel Höhle im Jahr 1937: in diesem Jahr wurde der Neandertalerknochen entdeckt. Bild: Photo Museum Ulm

Die Forscher untersuchten den Oberschenkelknochen eines Neandertalers, der bereits 1937 in der Hohlenstein-Stadel-Höhle im Lonetal gefunden wurde. Bei der Analyse des Erbguts der Mitochondrien – einem Bestandteil der menschlichen Zellen mit eigenständiger DNA – fand man Belege für einen Gen-Austausch zwischen Neandertalern und engen Verwandten des modernen Menschen schon vor 220.000 Jahren.

Erstautor der Studie ist Cosimo Posth vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. Post forschte mehrere Jahre in Tübingen, bevor er an das MPI in Jena wechselte. Beteiligt an der jetzt bei „Nature Communications“ veröffentlichten Studie waren auch Hervé Bocherens und Christoph Wißing von der Universität Tübingen.

Wahrscheinlich gab es vor der großen Ausbreitungswelle des modernen Menschen eine frühe Urmenschen-Migration aus Afrika, schreiben die Forscher. Was aus dieser Seitenlinie geworden ist, wie groß die Gruppe war und ob sie ausgestorben ist, darüber können die Forscher keine Auskunft geben. Weil es von diesen Urmenschen nur Spuren in der DNA von Neandertalern gibt.

Vermutlich waren aber die Verbindungen zwischen Europa und Afrika durchlässiger als lange angenommen. „Wir dürfen diese Kontinente nicht als geschlossene Systeme betrachten“, so Cosimo Posth.

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Erstellt:
4. Juli 2017, 17:55 Uhr
Aktualisiert:
4. Juli 2017, 17:55 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Juli 2017, 17:55 Uhr

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