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Kommentar BAMF

Folge der großen Zahlen

Die Affäre um die unrechtmäßig erteilten Asylbescheide in der Bremer Außenstelle des Bamf ist Wasser auf die Mühlen jener, die das Flüchtlingsthema vor allem unter dem Aspekt Chaos und Kontrollverlust betrachten. Und tatsächlich ist diese Sicht auch nicht ganz falsch, wenn es um die ersten Monate der Massenzuwanderung nach dem Herbst 2015 geht.

27.04.2018
  • GÜNTHER MARX

Für die Verwaltungen des Bundes und der Länder war dies eine gewaltige Herausforderung.

Nur mit einer kompletten personellen Überforderung ist wohl zu erklären, dass Ende 2016 ein deutscher rechtsextremer Bundeswehrleutnant ohne Arabisch-Kenntnisse als syrischer Kriegsflüchtling durchgehen konnte. In Bremen hat dagegen eine frühere Leiterin des Bamf wohl bewusst mehr als 1000 kurdischen Jesiden Asylbescheide erteilt, ohne dass dafür die Voraussetzungen gegeben waren. Ob sie sich hat bestechen lassen (von wem?) oder aus guter Absicht gehandelt hat, ist noch zu klären.

Vermutlich gibt es weitere Fälle dieser Art. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. So wurden allein im vergangenen Jahr mehr als 600 000 Asylanträge abgearbeitet, von einer Behörde, die binnen kurzer Zeit ihr Personal auf mehr als 7000 Stellen nahezu verdreifachen musste. Da kamen Kontrolle und Qualitätssicherung nicht hinterher.

Das Bamf ist seit geraumer Zeit dabei, Defizite in seinen Strukturen aufzuarbeiten. Das läuft, weshalb auch tausende Fälle noch einmal überprüft werden. Es wird dabei noch mancher Aufreger ans Tageslicht kommen. Von großem Chaos und totalem Kontrollverlust zu sprechen, geht freilich an der Wirklichkeit vorbei.

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27.04.2018, 06:00 Uhr
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