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Merkel im Tschador

Flüchtlingsrat nennt Bildmontage der ARD "rhetorische Brandstiftung"

Für einen Beitrag über die ankommenden Flüchtlinge hat die Redaktion der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" der Kanzlerin einen Tschador übergestülpt. Der Flüchtlingsrat kritisiert die Montage scharf.

07.10.2015
  • THOMAS BLOCK

Ulm Solche Bilder ist man eigentlich nur von Rechtspopulisten gewohnt. Am Sonntagabend sollte es im "Bericht aus Berlin" darum gehen, wie die vielen Flüchtlinge mit deutschen Werten zurechtkommen. Zur Veranschaulichung wählte die Redaktion eine Bildmontage, die man der ARD so nicht zugetraut hätte: Auf den Reichstag zwei zusätzliche Kuppeln, drei Minarette und ein goldener Halbmond, davor ein muskulöser Oberarm in Schwarz-Rot-Gold.

"Wie reagieren wir, wenn Flüchtlinge Probleme haben - mit der Gleichstellung, mit Frauenrechten, mit Presse- und Meinungsfreiheit?", fragte der Moderator und stellvertretende Chefredakteur Rainald Becker mit ernster Miene und besorgtem Tonfall. Und weil das offenbar noch nicht genug war, wurde just in dem Moment, als Becker das Wort "Frauenrechte" in den Mund nahm, ein Bild von Angela Merkel im Tschador eingeblendet.

"Das ist rhetorische Brandstiftung", sagt Vera Kohlmeyer-Kaiser. "Da wird versucht, mit vermeidlich objektiver Berichterstattung Ängste zu schüren." Die zweite Vorsitzende des Flüchtlingsrates in Baden-Württemberg kritisiert wie die Flüchtlingsdebatte zur Zeit geführt wird. "Wir müssen dringend zu einer Gesprächskultur kommen, in der wir sachlich und objektiv miteinander reden."

Der ARD-Bericht löste im Internet eine Welle der Empörung aus. Nutzer des sozialen Netzwerkes Facebook stellten die Sendung in eine Ecke mit der rechtsradikalen NPD und den Organisatoren der Pegida-Demonstrationen. Manche warfen ihr vor, "Hetze" zu betreiben und "islamfeindlich" zu sein.

So scheint es nur logisch, dass die "Bericht aus Berlin"-Redaktion ihre Stellungnahme dann auch auf Facebook veröffentlichte. Man bedaure es, wenn manche die Darstellung der verschleierten Kanzlerin "missverstanden haben", halte aber dennoch die "zugespitzte Darstellung" für legitim. "Natürlich war es auch das Ziel, mit dieser Grafik Aufmerksamkeit zu schaffen und zu polarisieren", schreibt die Redaktion.

"Man darf Diskussionen provozieren, man muss es sogar", sagt Kohlmeyer-Kaiser. Doch mit dieser Darstellung werde nur Menschen in die Hände gespielt, die am rechten Rand fischen. Polarisierende Vereinfachungen wie in der ARD-Grafik würden zu nichts führen, dabei sei eine ehrliche Debatte wichtiger denn je. "Nicht jeder syrische Flüchtling ist ein Guter, nicht jeder vom Balkan ist ein Böser. Die Wahrheit ist kompliziert, deshalb müssen wir jetzt sachlich darüber sprechen."

Flüchtlingsrat nennt Bildmontage der ARD "rhetorische Brandstiftung"
Der "Bericht aus Berlin" verschleierte die Kanzlerin. Foto: Screenshot/ardmediathek

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07.10.2015, 12:00 Uhr
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