Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Chaos an der bayerischen Grenze

Flüchtlingshelfer: Nur eine Frage der Zeit, wann das erste Baby erfriert

Stundenlang müssen tausende Flüchtlinge an der bayerischen Grenze ausharren. Retter sorgen sich vor allem um Kinder und Säuglinge. Notquartiere sind überfüllt, der Strom aus Österreich reißt nicht ab.

30.10.2015
  • ANDRÉ JAHNKE, DPA

Wegscheid Die Familien mit ihren kleinen Kindern rücken auf den Folien und Decken ganz nah zusammen. Rund 2500 Flüchtlinge, darunter viele Säuglinge, warten auf der österreichischen Seite bei Wegscheid auf einer nassen Wiese im Licht der Scheinwerfer. Die Temperaturen auf 700 Metern Höhe liegen bei etwa zwei Grad. Nebenan fließt ein Bach, der zudem Kälte und Nässe bringt.

"Es ist nur eine Frage der Zeit, wann das erste Baby hier erfriert", sagt Lothar Venus von der Stabsstelle des Landkreises Passau. Das Problem ist, dass es auf deutscher Seite zu wenige Busse gibt, um die Flüchtlinge in die Unterkünfte in Bayern zu bringen. Nun sollen zehn Busse aus München kommen. Diese können aber nur 600 Menschen zu den Unterkünften bringen. "Wir bräuchten hier 40, um die Menschen rasch ins Warme zu bringen", schimpft Venus.

"Sinnvoll wäre es, wenn die Busse aus Österreich gleich mit den Flüchtlingen nach Deutschland in die Unterkünfte fahren würden", schlägt der Sprecher der Bundespolizeiinspektion Freyung, Frank Koller, vor. Dann wäre das stundenlange Warten überflüssig. In den vergangenen Tagen waren einige Kinder bereits mit Unterkühlung ins Krankenhaus gebracht worden - einige Mütter hatten ihre Babys zum Schutz vor der Kälte sogar in Kartons gelegt.

Der Zustrom hält auch gestern an. Gegen Mittag rollen die ersten Busse von Österreich an die Grenzübergänge bei Passau. 50 Busse mit bis zu 3000 Migranten haben die österreichischen Behörden angekündigt. Nach den Erfahrungen der vergangenen Tage rechnen die Bundespolizisten aber mit mehr.

Durch die lange Wartezeit in der Kälte besteht die Gefahr, dass sich die Flüchtlinge irgendwann selbst in Bewegung setzen und auf eigene Faust den Weg nach Deutschland suchen. Dabei müssten sie in Wegscheid drei Kilometer an der unbeleuchteten Bundesstraße entlanggehen - bei Dunkelheit eine lebensgefährliche Aktion. Zwei Nächte zuvor hatten bereits 1000 Flüchtlinge die Sperre der deutschen Bundespolizei durchbrochen und hatten sich auf den Weg gemacht.

Dieses Szenario können die Beamten in der Nacht zu Donnerstag vermeiden. Kurzfristig räumt ein Unternehmer eine Werkstatthalle frei und stellt sie als Notquartier zur Verfügung.

Unverständlich ist nach wie vor, warum die Österreicher die große Zahl an Flüchtlingen erst am Nachmittag und Abend an die Grenze bringen. "Bis zum Mittag ist das alles kein Problem. Aber am späten Nachmittag geht es Schlag auf Schlag. Dabei sind die österreichischen Kollegen genauso überfordert wie wir", sagt Thomas Schweikl von der Bundespolizeiinspektion Freyung. Donnerstagfrüh werden erst gegen 3 Uhr die letzten wartenden Flüchtlinge von den Grenzorten in die Unterkünfte gebracht. Morgens sind die Grenzübergänge leer, dafür die Notquartiere im Raum Passau restlos überfüllt.

Flüchtlingshelfer: Nur eine Frage der Zeit, wann das erste Baby erfriert
Flüchtlingskinder warten auf einer Grenzwiese bei Wegscheid. Immerhin teilen Österreicher Essen aus. Foto: dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

30.10.2015, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular