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Flüchtlinge werden als Sklaven gehandelt
Flüchtling in einem Lager in einem Außenbezirk von Tripoli. Foto: afp
Libyen

Flüchtlinge werden als Sklaven gehandelt

Viele junge Männer und Frauen machen sich in Afrika auf den Weg in Richtung Europa. Kurz vor dem Mittelmeer endet für viele die Reise in den Händen brutaler Milizen.

29.11.2017
  • MARTIN GEHLEN

Tripoli. Kopfüber wie Schlachtvieh hängen die drei jungen Afrikaner auf offener Straße mit gefesselten Füßen an einem Fenstergitter. Einem anderen, in dessen Gesicht Todesangst und Panik stehen, hält der libysche Peiniger einen Revolver an die Schläfe. Viele Opfer auf den Fotos, die vor wenigen Tagen im Internet auftauchten, haben offene Wunden am ganzen Körper oder liegen gefesselt am Boden, während Milizionäre in frisch gebügelten Tarnuniformen sie mit Stiefeln traktieren. Vor zwei Wochen wurde dem US-Sender CNN ein Handyvideo zugespielt, auf dem zu sehen ist, wie Migranten aus Afrika für 400 Dollar als Sklaven für Feldarbeit verkauft werden.

Solche Auktionen sind kein Einzelfall in dem Post-Gaddafi-Staat, wie CNN-Recherchen in der Umgebung von Tripoli ergaben. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) prangerte den Sklavenhandel bereits im April an, ohne international Gehör zu finden. „Du bist ihnen völlig ausgeliefert“, sagte einer der Gequälten, „sie können mit dir machen, was sie wollen.“ Selbst während der Zwangsarbeit seien sie von ihren Besitzern misshandelt worden.

Auktion unter freiem Himmel

Sobald die afrikanischen Migranten in Libyen aus dem Bus stiegen, gerieten sie in eine Mordmaschine hinein, erläuterte ein IOM-Mitarbeiter vor Ort. Die Ankömmlinge würden ausgeraubt und gefoltert, ihre Familien angerufen, um Lösegeld zu erpressen. „Und dann werden sie verkauft, unglaublich, unter freiem Himmel auf öffentlichen Auktionen – so etwas passiert überall im Land.“

In mehreren europäischen Städten kam es zu Protestdemonstrationen gegen die Sklaverei. Auf Antrag Frankreichs befasste sich der UN-Sicherheitsrat mit den Zuständen. Man müsse die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, forderte Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian. Doch das ist leichter gesagt als getan in einem Land, in dem praktisch kein Staat existiert, und stattdessen hunderte bewaffneter Milizen das Heft in der Hand haben.

Auch auf dem EU-Afrika-Gipfel, der am Mittwoch und Donnerstag in Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, stattfindet, soll das Thema zur Sprache kommen. Gastgeber Alassane Ouattara, der Präsident des westafrikanischen Landes, erklärte, er empfinde „Ekel und Abscheu“ über die Vorfälle in Libyen. Die Verantwortlichen müssten vor den Internationalen Strafgerichtshof gebracht werden. Er werde die Sklaverei in der Runde der 80 Regierungschefs aus Afrika und Europa zum Thema machen, kündigte Ouattara an. Die EU-Kommission wiederum will durch langfristige Entwicklungsprogramme erreichen, dass sich nicht mehr so viele junge Menschen auf den Weg in Richtung Europa machen.

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29.11.2017, 06:00 Uhr
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