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Handarbeit verbindet Kulturen

Flüchtlinge und Leibniz-Kollegiaten zeigen in der Kirch am Eck ihre Holzdrucke zum Thema „Orte“

Flüchtlinge und Studierende des Leibniz-Kollegs haben sich an eine neue Aufgabe gewagt: Holzdrucke. Die Ergebnisse ihres Workshops präsentieren sie jetzt der Öffentlichkeit.

23.06.2015

Von Ute Kaiser

Tübingen. Im Atelier bei den Pferdeställen herrschte ein buntes Sprachgewirr: Die Teilnehmer kommunizierten miteinander auf Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Arabisch. Und wenn das alles nicht weiterhalf, weil die Fachbegriffe fehlten, verständigten sie sich mit Gesten und Mimik. Die Idee zu diesem Kunstworkshop stammt von der Gymnasiallehrerin Ulrike Stiens, die ein Aufbaustudium „Interkulturelle Bildung“ absolviert hat, und ihrem Mann, dem Tübinger Künstler Jürgen Klugmann.

Der Kontakt entstand im Café International

Ursprünglich wollten beide im Atelier im Französischen Viertel eine Holzdruckwerkstatt für Jugendliche aus aller Welt anbieten. Doch Studierende aus dem Kunstkurs des Leibniz-Kollegs, den Klugmann hält, brachten das Ehepaar auf eine andere Schiene. Die jungen Erwachsenen engagieren sich im Café International des Tübinger Asylzentrums. Sie fragten ihren Dozenten, ob er ein Kunsttreffen mit ihnen und Asylsuchenden ausrichten könnte. Das Ehepaar hat sein „Projektformat kurzerhand modifiziert“, so Stiens.

So kam es, dass – als fester Kern – Majid AlKassar aus Syrien, Jamshid Anaiatzada aus Afghanistan, Aia Jaiteh aus Gambia, Kamal Larakeb aus Algerien und Binjam Tsegay aus Eritrea mit den Leibniz-Kollegiaten Sophia Appl Scorza, Clara Forcht, Livia von Samson und Noha Ramadan in den Pfingstferien vor den Holzplatten saßen. Ramadan, die in Kairo aufgewachsen ist, war mit ihren Arabisch-Kenntnissen „in vielen Situationen unersetzlich“, sagt Stiens.

Der Künstler und Kunstvermittler Jürgen Klugmann führte seine Schüler in die ihnen unbekannte Technik ein. Holzdruck bedeutet viel Handarbeit: Flächen freischnitzen, die Farbe mit der Walze auftragen und die 70 mal 100 Zentimeter großen Papierbögen passgenau auflegen.

Die Kursleiter waren sehr angetan von der konzentrierten Arbeitsatmosphäre und wie sich die Teilnehmer gegenseitigen beim Arbeiten mit verlorenem Druckstock unterstützt haben. Bei dieser Technik werden die Platten mehrfach überarbeitet, um die verschiedenen Farbschichten auftragen zu können. Die vorherige Form ist dann zerstört, also verloren. Die Druckwerke sind es nicht, sie wirken jetzt in der Öffentlichkeit.

Im Atelier des Tübinger Kunst-Dozenten und Künstlers Jürgen Klugmann im Französischen Viertel haben Flüchtlinge und Studierende aus dem Kunstkurs des Leibniz-Kollegs Holzdrucke geschaffen. Hier arbeiten (von links) Kamal Larakeb, Livia von Samson, Majid AlKassar und Noha Ramadan an ihren Platten. Bild: Klugmann

Die Ausstellung mit dem Titel „Orte – Siti – Places – Localités“ wird am morgigen Mittwoch, 24. Juni, um 20 Uhr in der Kirch am Eck (Aixer Straße / Eisenhutstraße) eröffnet. Dozent Jürgen Klugmann hat neun von den Künstlern ausgewählte Motive fotografiert. Daraus entstand eine Postkartenedition mit einer Auflage von 1000 Stück. Der Verkaufserlös geht an das Asylzentrum. Die Ausstellung ist bis Donnerstag, 9. Juli, montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr zu sehen.

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Erstellt:
23. Juni 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Juni 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2015, 12:00 Uhr

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