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Die blanke Not

Flüchtlinge: Stadt streitet mit Landkreis

Wer trägt bei der Anschlussunterbringung von Flüchtlingen die Sozialbetreuung? Die Stadt streitet mit dem Landkreis. Dem wachsenden Andrang will Reutlingen mit neuen Gemeinschaftsunterkünften begegnen.

26.02.2015

Von mre

Reutlingen. Für die Erstunterbringung von Flüchtlingen ist der Landkreis zuständig. Wenn die Asylverfahren abgeschlossen sind, spätestens aber nach zwei Jahren, übernimmt die Stadt die Anschlussunterbringung. Das führt zu wachsenden Problemen. In den kommenden drei Jahren müsse die Stadt rund 500 Plätze schaffen, rechnete Sozialamtschef Joachim Haas am Dienstag dem Gemeinderats-Ausschuss für Verwaltung, Kultur und Soziales vor.

Allein 2015 bekomme die Stadt vom Kreis mehr als 180 Flüchtlinge zugewiesen. Zunächst sucht die Stadtverwaltung Wohnungen bei privat. 240 Plätze wollte sie so schaffen – nur 42 Personen hat sie untergebracht. Das Sozialamt tritt als Mieter auf. Doch das führe zu strengen Brandschutz-Anforderungen. So kamen aus 45 Bürger-Angeboten gerade zwei Mietverträge zustande. 24 teils größere Wohnungen steuert die Wohnungsgesellschaft GWG bei. Haas will sich jetzt verstärkt in den großen Bezirksgemeinden umtun.

An vier Standorten plant die Stadt zudem Gemeinschaftsunterkünfte (wir berichteten): 66 zusätzliche Plätze in der Ypern-Kaserne und 55 in einem Neubau anstelle des Heims im Hamerweg, wo bisher 34 Flüchtlinge leben. In der Storlach- und Hauffstraße sind weitere GWG-Neubauten mit je 80 Plätzen geplant.

Der zuständige städtische Mitarbeiter ist laut Haas auch für knapp 400 Obdachlose zuständig. Sozialbetreuung für Flüchtlinge sei eine weitere Baustelle. Das gehe nicht nur mit dem Ehrenamt, aber auch nicht nur mit Hauptamtlichen. Die Stabsstelle für Bürgerschaftliches Engagement soll die Hilfen vernetzen. Haas: „Wenn die Zahlen so weiter steigen, werden unsere Ressourcen nicht reichen.“ Verwaltungsbürgermeister Robert Hahn kündigte eine Debatte zu Personal- und Sachkosten an.

Wer die Sozialbetreuung trägt, ist unsicher – die Stadt oder der Landkreis. Das entsprechende Gesetz sei unklar formuliert, erklärte Haas. Gemeinschaftsunterkünfte, in denen mehr Betreuung nötig ist, bräuchten vor allem Großstädte. Alle Großstädte im Land außer Reutlingen sind Stadtkreise – so stelle sich die Frage nach der Zuständigkeit für die Betreuung so nur hier. „Wir sind mit dem Kreis über die Finanzierung in Verhandlung“, sagte der Amtsleiter.

Stadträtin Jessica Tatti (Linke) will beim Zuschnitt der Unterkünfte mitreden. Übersteige der Wohnraum pro Flüchtling zehn Quadratmeter, fördere das Land die Unterkunft, sagte Hahn. Das sei in der Ypern-Kaserne der Fall. Die Stadt prüfe aber auch Systeme mit sieben Quadratmetern. Haas gab zu: „Uns treibt die blanke Not. Wir werden Ihnen noch viel mehr zumuten müssen.“

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Erstellt:
26. Februar 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
26. Februar 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2015, 12:00 Uhr

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