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Sicherheit

Fluchtwege werden zu Engpässen

Als unzureichend stuft ein neues Gutachten den Brandschutz für Stuttgart 21 ein. Die Studie haben Gegner des Bahnprojekts in Auftrag gegeben. Sie fordern den sofortigen Baustopp.

31.10.2018

Von JÜRGEN SCHMIDT

Kritiker sind der Ansicht, dass die Tunnel und der Tiefbahnhof nicht sicher sind. Foto: Jürgen Schmidt

Stuttgart. Der Brand eines ICE auf der Strecke von Frankfurt nach Köln bei Montabaur hat die Diskussion um die Sicherheit im Bahnverkehr neu entfacht. Und just zwei Wochen nach dem Zwischenfall, der für die Fahrgäste glimpflich ausging, präsentierten die Gegner von Stuttgart 21 ein neues Gutachten, dass der Bahn quasi ein Totalversagen in Sachen Brandschutz vorwirft.

Die Gutachter – Hans Heydemann von Ingenieure 22 und Christoph Engelhardt (München), der schon in der S-21-Schlichtung als Experte der Kritiker aufgetreten war, – bemängeln, dass im Brandschutzkonzept der Deutschen Bahn (DB) Richtlinien verletzt würden. Das gilt dem 170 Seiten starken Gutachten zufolge sowohl für den Tiefbahnhoft, wie auch für das Tunnelsystem zum Bahnhof. Bei letzteren seien die Rettungswege neben den Gleisen zu schmal ausgelegt, um es den Passagieren im Brandfall zu ermöglichen, rasch zu einem der Rettungsstollen zu kommen, sagte Engelhardt bei der Vorstellung der Analyse in Stuttgart. Die Breite entspreche zwar den gesetzlichen Mindestanforderungen, doch werde in anderen Ländern großzügiger geplant, um die Sicherheit zu erhöhen.

Unsicherer als der Gotthard

Das gilt auch für den 500-Meter-Abstand der Rettungsstollen. Auch hier werden zwar die Vorschriften eingehalten, doch im Vergleich zu anderen Schienentunneln schneidet S21 nach Einschätzung der Gutachter schlecht ab. Nehme man alle Sicherheitsparameter zusammen, seien die Tunnel im Stuttgarter Boden um ein Vielfaches unsicherer als vergleichbare Großprojekte in Europa, wie der Gotthard-Baistunnel in der Schweiz oder der neue Brenner-Basistunnel.

Beim unterirdischen Bahnhof werfen Engelhardt und Mitautor Heydemann der Bahn vor, mit „geschönten Zahlen“ zu operieren und Daten unterschlagen zu haben. So sei für die Berechnung der „Entfluchtung“, nicht die größtmögliche Personenzahl angesetzt worden. Zudem habe die Bahn verschwiegen, dass ihre eigenen Gutachter zahlreiche Engstellen ausgemacht hätten, die eine rasche Räumung des Bahnhofs schwierig machten. Auch die Entrauchung der Bahnhofshalle würde nach Ansicht der beiden Gutachter nicht so funktionieren, wie dies die DB in ihrem Konzept vorsieht. Demnach soll der Rauch durch das Einblasen von Frischluft aus dem Tiefbahnhof beseitigt werden. Doch Heydemann meint, dass die Gebläse viel zu weit von der Bahnhofshalle entfernt seien.

Der Geschäftsführer des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, Werner Sauerborn, forderte aufgrund des Gutachtens: „Der Planfeststellungsbeschluss für Stuttgart 21 muss vom Eisenbahnbundesamt zurückgenommen werden.“

Bei der Deutschen Bahn will man sich zum Gutachten – „einem uns unbekannten Papier“, wie Projektsprecher Jörg Hamann formuliert – nicht äußern. Er verweist aber darauf, „dass die vom Eisenbahn-Bundesamt genehmigte Planung für den künftigen Stuttgarter Hauptbahnhof ein Maximum an Sicherheit für die Reisenden bietet.“ Für die Tunnel und den Tiefbahnhof lägen alle erforderlichen brandschutzrechtlichen Genehmigungen des Eisenbahnbundesamtes vor.

Die Stadt Stuttgart äußerte sich zu dem neuen Gutachten der S-21-Gegner und den zeitgleich eingereichten Fragen der Gemeinderatsfraktion von SÖS/Linke/Plus bislang nicht. Die Experten der Branddirektion Stuttgart hatten allerdings das Brandschutzkonzept der Bahn im Frühjahr abgesegnet.

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Erstellt:
31. Oktober 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
31. Oktober 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 31. Oktober 2018, 06:00 Uhr

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