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Geschichte

Fliegende Hexen und vieles mehr

Das British Museum zeigt Notgeld, das zwischen 1914 und 1924 in Deutschland in Umlauf kam.

12.10.2019

Von DPA

Geldschein aus Seide. Foto: Trustees of the British Museum/dpa

London. Als mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs das Metall knapp wurde, begann in Deutschland die Ära des Notgelds, einer Ersatzwährung, mit der Kleingeld-Umlauf garantiert und später die Hyperinflation bekämpft werden sollte. Doch nicht alles lief nach Plan: Die zum Teil hoch dekorierten Noten aus Pappe, Stoff, Leder und Seide wurden zum begehrten Sammlerobjekt. „Sie gelten heute als ein Souvenir aus einer turbulenten Zeit“, erläutert Kurator Johannes Hartmann, der die Ausstellung „Währung in der Krise: Notgeld in Deutschland 1914-1924“ im British Museum in London zusammengestellt hat.

Die erste Note aus dünner Pappe, mit der Unterschrift des Bürgermeisters versehen, wurde bereits in der ersten Kriegswoche im August 1914 im damaligen Westpreußen gedruckt. „Gott mit uns“ steht auf dem Eine-Mark-Schein, ein weiterer trägt die Aufschrift „Im festen Glauben an den Sieg“.

Mit der wachsenden Beliebtheit der Scheine als Sammlergut, die den örtlichen Gemeinden gute Profite einbrachten, wuchsen Farbenfreude und Fantasie. Legenden, Propaganda, Tourismuswerbung, Hunger und Nostalgie wurden zum Thema.

Große Firmen wie Krupp bezahlten ihre Arbeiter mit Notgeld, die Textilstadt Bielefeld warnte 1922 auf einer Seidennote vor Inflation und moralischem Verfall, Köln ersann einen Pakt zwischen dem Teufel und dem Erbauer seines Doms, der Harz warb mit den Brocken-Hexen für beschwingte Ferien, Thüringen für die Skifahrt und Wangerooge für den Strand.

Je mehr die Zeit voranschritt, umso politischer wurden die Botschaften auf den Scheinen. Dunkle Seiten zeigen sich nach dem Verlust der Kolonien mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, es gab antisemitische Anspielungen auf jüdische „Schieber“ im Notgeldhandel und rassistische Slogans. Und: „Mit der schwindenden Autorität des Staates wuchs die Darstellung von Gewalt“, sagt Hartmann.

Die Ausstellung, die bis März gezeigt wird, lädt laut British Museum dazu ein, Parallelen zu heute, zur Brexit-Zeit, zu ziehen, in der politisches Chaos, Imperialismus-Nostalgie und Attacken auf die Demokratie zum Alltag gehören. dpa

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Erstellt:
12. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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