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Ruine in 90 Meter Höhe

Fläche um abgebranntes Windrad bleibt gesperrt - Feuerwehr machtlos

Aus noch immer ungeklärter Ursache ist am Mittwoch bei Lahr im Ortenaukreis ein Windrad in Flammen aufgegangen und komplett abgebrannt. Der Schaden wird auf bis zu zwei Millionen Euro geschätzt.

27.09.2013

Von PETRA WALHEIM

Lahr/Seelbach Schon von weitem ist zu sehen, dass mit dem Windpark bei Lahr im Ortenaukreis etwas nicht stimmt: Zwei Windräder stehen dort noch, aber sie stehen still. Eine Mühle ist nicht mehr als Windrad erkennbar: Zwei Rotoren hängen beschädigt herunter, der dritte Flügel fehlt ganz. Er ist abgefallen, nachdem das Windrad in Flammen aufgegangen war und mit einer weithin sichtbaren Rauchfahne abbrannte. Zu Schaden gekommen ist niemand.

Wie es dazu kommen konnte, dafür gibt es bislang keine Erklärung. Brände an Windrädern gelten als sehr selten. Andreas Markowsky schätzt den Schaden auf 1,5 bis zwei Millionen Euro. Er ist Geschäftsführer der Ökostromgruppe Freiburg. Sie hat den Windpark geplant und betreibt ihn.

"Es gibt einen Augenzeugen", sagt Markowsky. Der habe die Anlagen beobachtet, als sie noch friedlich vor sich hin rotierten. Plötzlich sei an einer Mühle weißer Rauch aufgestiegen, der sei immer stärker und dunkler geworden. Schließlich seien aus der Gondel Flammen geschlagen. An der Gondel sind die Flügel befestigt, sie befindet sich bei den Anlagen des Typs Nordex-S77 in 90 Metern Höhe.

Die Feuerwehr, die der Zeuge unverzüglich verständigt hatte, konnte nur zuschauen, wie das Windrad abbrannte. Zu gefährlich war es, sich in die Nähe der Anlage zu wagen. "Wir haben da niemanden reingeschickt. Das Risiko war nicht einzuschätzen", sagte gestern Feuerwehrkommandant Thomas Happersberger. Jeder der Flügel aus Fiberglas ist 38 Meter lang und wiegt neun Tonnen.

Das Gebiet rund um das Windrad wurde großräumig abgesperrt, weil die Gefahr bestand, dass auch die anderen zwei Rotorblätter sich lösen. Löschen hätten die angerückten Feuerwehren das Feuer ohnehin nicht können: Standard-Drehleitern befördern den Mann oder die Frau mit dem Schlauch bis in eine Höhe von 23 Meter. Der Wasserstrahl könnte weitere 20 Meter weit reichen. "Keine Chance zum Löschen", sagte gestern ein Feuerwehrmann aus Lahr.

Andreas Markowsky gibt der Brand Rätsel auf. Überall an den drehbaren Teilen der Anlage seien Temperaturfühler angebracht. Die würden die Mühle stoppen, "lange bevor sie brennen kann", sagte er. Möglich sei, dass ein Ölschlauch geplatzt ist und sich das Öl entzündet hat. Vielleicht sei auch irgendwo ein Teil abgesplittert, verkantete sich und scheuerte. "Aber das sind alles Spekulationen."

Gestern Nachmittag traf sich im Lahrer Rathaus der "Stab für außergewöhnliche Ereignisse" zu einer ersten Sitzung. Mitarbeiter hatten am Morgen selbst noch in 300 Metern Entfernung Glasfaserstücke der abgebrannten Mühle gefunden. Da weiterhin Lebensgefahr droht, falls die zwei verbliebenen Rotoren abstürzen, ist das Gebiet weiträumig abgesperrt. Doch das scheint einige Schaulustige nicht zu kümmern: Happersberger, der gestern ebenfalls erneut an der Brandstelle war, hat ein älteres Paar hinter der Absperrung angetroffen und ist auf kein Verständnis für seine Mahnungen getroffen. "Es ist erschreckend, wie unvernünftig die Leute sind."

Sobald das abgebrannte Windrad ausgekühlt ist, wird ein Sachverständiger nach der Ursache suchen. Außerdem wird geprüft, ob Teile noch zu verwenden sind, denn das Windrad soll wieder aufgestellt werden. Andreas Markowsky von der Ökostromgruppe Freiburg hofft, dass für einen Großteil des Schadens die Versicherung aufkommen wird.

Der Windpark wird nach seiner Aussage mindestens halbjährlich gewartet. Erst im Sommer seien Monteure außer der Reihe in der Anlage gewesen, ihnen sei aber nichts aufgefallen. Der Windpark mit den drei Mühlen produziert seit 2005 rund sechs Millionen Kilowattstunden pro Jahr - Strom für 2100 Haushalte. Finanziert wurden zwei der Windräder von 130 Bürgern. Rosi Fehrenbach gehört dazu. Sie wohnt in der Nähe des Windparks, die abgebrannte Mühle steht an ihrer Grundstücksgrenze. "Ich mache mir schon meine Gedanken und bin etwas verunsichert, wie das hier jetzt weitergeht", sagt sie. Schließlich stecke viel Geld in der Anlage. Auf die Idee, auf der Hochfläche einen Windpark zu bauen, seien die Bürger gekommen, weil Orkan Lothar 1999 dort "alles platt gemacht hat". Statt zerstörerisch zu wirken, sollte der Wind dort Strom erzeugen.

Rauchwolken in schwindelnder Höhe: Der Windrad-Brand im Schwarzwald hat für viel Aufsehen gesorgt. Doch solche Vorfälle sind sehr selten. Foto: Christoph Breithaupt

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Erstellt:
27. September 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
27. September 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. September 2013, 12:00 Uhr

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