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Arbeitsplatz

Firmen werden familienfreundlicher – ein wenig

Nur gut ein Drittel der Beschäftigten ist mit der Vereinbarkeit von Privatem und Beruf zufrieden.

18.09.2019

Von MICHAEL GABEL

Berlin. Deutsche Unternehmen werden familienfreundlicher – aber vielen Mitarbeitern gehen die Angebote noch längst nicht weit genug. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Dienstag vorgestellt hat. Manuela Maschke von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung kritisiert das langsame Tempo, in dem sich Verbesserungen bemerkbar machen. „Der Fortschritt ist da eine Schnecke“, sagt sie dieser Zeitung.

Immerhin 39 Prozent der Beschäftigten sind laut dem „Unternehmensmonitor 2019“ der Meinung, dass ihr Arbeitgeber „eine ausgeprägte familienfreundliche Unternehmenskultur“ hat. Das sind drei Prozentpunkte mehr als bei der letzten Erhebung im Jahr 2015. Allerdings schätzen Geschäftsleitungen und Personalverantwortliche die Lage weitaus rosiger ein. Von ihnen ist knapp die Hälfte von der ausgeprägten Familienfreundlichkeit ihrer Firmen überzeugt.

Zu den Angeboten, die Mitarbeiter besonders schätzen, gehören individuell ausgehandelte Arbeitszeiten, die Arbeit im Homeoffice sowie Jobsharing und berufliche Auszeiten. Drei mögliche Gründe führen die Studienautoren dafür an, dass die Angebote so unterschiedlich bewertet werden: Sie sind nicht bekannt genug, sie treffen nicht die Bedürfnisse der Mitarbeiter, oder sie stehen nur einem Teil der Belegschaft zur Verfügung. Darüber hinaus berichtet fast die Hälfte der Mitarbeiter von Hemmungen, die Möglichkeiten zu nutzen – sie befürchten Karrierenachteile oder die Missgunst von Kollegen.

Maschke von der Böckler-Stiftung rät Unternehmen deshalb, ihre Angebote besser mit den Wünschen ihrer Beschäftigten abzustimmen. „Zum Beispiel mag mehr Flexibilität von beiden Seiten erwünscht sein. Aber Unternehmensleitungen verstehen darunter oft etwas anderes als die Mitarbeiter.“ Eltern von Kleinkindern etwa wünschten sich auf die Kita-Öffnungen abgestimmte Arbeitszeiten. „Aber zusätzlich zu dieser Flexibilität brauchen sie die Verlässlichkeit, dass die Abmachungen Bestand haben.“

Homeoffice kein Allheilmittel

Auch sei die von vielen Firmen angebotene Arbeit im Homeoffice „nicht in jedem Fall familienfreundlich“, betont Maschke. „Zuhause zu arbeiten, um näher bei den Kindern zu sein, hört sich vielleicht gut an. Es kann aber auch zu einer Doppelbelastung führen.“

Eine Umfrage der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) bestätigt die Skepsis. Demnach fühlten sich 73 Prozent der Befragten, die häufig im Homeoffice arbeiten, in den vergangenen zwölf Monaten „erschöpft“. Bei denjenigen, die ausschließlich im Büro tätig sind, waren es 7 Prozentpunkte weniger. Wie die AOK weiter mitteilt, empfinden Beschäftigte in Telearbeit auch weitaus häufiger Wut und Verärgerung als andere Mitarbeiter. „Im Homeoffice wächst das Risiko, dass Erholungsphasen schrumpfen“, erklärt Helmut Schröder vom Wissenschaftlichen Institut der AOK die Zahlen. Michael Gabel

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Erstellt:
18. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
18. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. September 2019, 06:00 Uhr

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