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Firma Torqeedo ist als „Tesla on the Water“ Vorreiter bei elektrischen Bootsmotoren
Blick in eine mögliche Zukunft: In Paris (unser Bild zeigt das Musée d'Orsay) laufen gerade Verhandlungen mit dem Unternehmen Seabubbles über Wassertaxi-Stationen. Foto: Torqeedo GmbH
Die mit dem Strom schwimmen

Firma Torqeedo ist als „Tesla on the Water“ Vorreiter bei elektrischen Bootsmotoren

Wassertaxi statt Stau und Luftverschmutzer: Eine bayerische Firma baut Elektroboote und ist damit Vorreiter in einem boomendem Markt.

10.03.2018
  • PATRICK GUYTON

Gilching. Mit Ende Dreißig hatte Christoph Ballin schon viel erreicht. Er war Manager bei Gardena, dem in Ulm ansässigen Gartengeräte-Hersteller. Seine Frau und er lebten in einem Haus in Starnberg mit direktem Zugang zum See und eigenem Boot. Alles war gut am See. Es gab nur ein Problem: das Boot. „Der Elektromotor war schwach und lief schlecht“, sagt Ballin. Ein guter Freund und Gardena-Kollege, Friedrich Böbel, sagte: „Das müssen wir besser machen.“

So begann die Geschichte der Firma Torqeedo. Heute ist der Betrieb aus Gilching im Landkreis Starnberg Weltmarktführer bei elektrischen Außenbordmotoren, kurz Außenborder genannt. Torqeedo hat 130 Beschäftigte, macht 25 Mio. EUR Umsatz und weist Zuwachsraten von 30 bis 40 Prozent im Jahr auf. „Wir sitzen in einem Zug, der nur nach vorne fährt“, sagt Ballin. Denn Elektroantrieb statt Benzin oder Diesel ist nicht nur bei Autos die umweltschonende Variante, sondern auch bei Booten. Ballin und Böbel haben das erkannt, als erste vor zwölf Jahren. „Damals redete noch keiner von Elektromobilität“, erinnert er sich, „aber die Probleme durch die herkömmliche Verbrennung, etwa der CO2-Ausstoß, waren schon absehbar“.

Auf dem Wasser sollte es sauberer zugehen. Die beiden Freunde kündigten 2005 ihre nicht schlecht bezahlten Jobs und gründeten ihr Start-up. „Erstmal haben wir unsere Gehälter halbiert und waren unsere eigenen Hausmeister“, erzählt Christoph Ballin. Ihr Geld steckten sie in die Neugründung und setzten dabei nur eine Grenze: „Wir schlafen nicht unter Brücken.“

Firma Torqeedo ist als „Tesla on the Water“ Vorreiter bei elektrischen Bootsmotoren
Torqeedo-Chef Christoph Ballin. Foto: Torqeedo GmbH

Ballin ist ein Mann, dem man seine vielen Ideen schon in den Augen ablesen kann. So ist er jetzt darauf gekommen, ein weiteres „Statement für Nachhaltigkeit“ zu setzen, wie er sagt: Torqeedo will die Flüsse in den Städten als Straßen erobern, natürlich elektrisch. So baut die Firma nun kleine Wassertaxis, auch „Sea Bubbles“ genannt. Sie sollen helfen, den Pkw-Verkehr und die Staus zu reduzieren. Denn häufig kommt man in Städten sehr schnell von einem zum anderen Ort, würde man die Flüsse nützen können.

Nicht nur Asien, auch europäische und deutsche Städte haben Probleme mit Umweltverschmutzung und Feinstaubbelastung, siehe Stuttgart. Viele Städte haben nach Ballins Ansicht großes Potenzial für eine solche neue Art des Wasserverkehrs. Er nennt Amsterdam und London, Köln und Frankfurt. Die Boote könnten dann wie Mini-Busse ein Teil des öffentlichen Nahverkehrs werden. Anfragen hat Torqeedo derzeit aus Bangkok und Singapur. Dubai testet gerade 25 kleine Wassertaxis, verläuft dies erfolgreich, werden sie gekauft. In Rotterdam gibt es schon ein „Watertaxi“ mit einem Torqeedo-Motor, zwölf Personen finden darauf Platz. Das kanadische Ottawa hingegen hat ein Ausflugsboot für 100 Passagiere in Betrieb, der Motor war in der Firma in Gilching konstruiert worden.

Produziert wird zur Hälfte im Deutz-Werk in Ulm. Der Motorenhersteller hat Torqeedo im vergangenen September als selbstständiges Tochterunternehmen übernommen. Ballin erhofft sich unter anderem, mit Deutz stärker in den italienischen Markt vorzudringen. Denn dort, etwa in Venedig, die allein 150 Müllboote hat, „kommen wir nicht richtig durch“.

„Tesla on the water“ – so wird Torqeedo immer wieder bezeichnet in Anspielung auf den US-Hersteller von Elektroautos. Ballin gefällt der Vergleich natürlich. Wenn er mit schnellem Schritt und vielen Erläuterungen durch seine Firma führt, merkt man, wie ihn sein Thema weiterhin fasziniert. Er zeigt auf BMW-Batterien, die von Torqeedo umgerüstet werden. „Diese Zusammenarbeit adelt uns natürlich.“ In Wasserbottichen rotieren unentwegt Motoren. Sie werden getestet, 1000 Stunden lang, sagt er. In normalem und in Salzwasser, manche Modelle schwimmen ja im Meer.

Und das ist das zweite Geschäftsfeld: Elektroboote für Meer- und Seeliebhaber, für Leute mit dem nötigen Kleingeld. Ballin erzählt von kleinen Segelbooten mit Torqeedo-Antrieb, von Beibooten etwa für Ausflüge vom Meer in unzugängliche Badebuchten, von „Flautenschiebern“ mit Elektromotor, die Segelschiffe bei Windstille anschubsen.

Im „Top-Segment“, so sagt der promovierte Betriebswirt, der gerne englische Wörter verwendet, steht die „Luxury yacht“. Die braucht mehr Strom für die angenehmen Dinge an Bord, etwa die Klimaanlage. Im Gegensatz zu Verbrennungsmotoren sind Schiffe mit Elektroantrieb sehr leise. Auf der Luxusyacht herrscht daher, so denkt es sich Ballin, „Stille, Harmonie und Peace“.

Darin sieht er ein weiteres Plus für die im Vergleich deutlich teureren Elektromotoren: Die Boote sind „designed und durchgestylt“. Es solle nicht nur umweltfreundlich, sondern auch „viel cooler“ sein, ein solches Spielzeug zu benutzen. Die britische Queen Elizabeth II. hat das mit ihren bald 91 Jahren begriffen. Ihre prunkvolle Ruderbarkasse „Gloriana“, welche auf der Themse schippert, ist mit einem Elektro-Hilfsmotor von Torqeedo ausgestattet.

Von der Größe der Deutz AG profitieren

Die Torqeedo GmbH ist der Marktführer für Elektromobilität auf dem Wasser. Gegründet im Jahr 2005 in Starnberg, entwickelt und fertigt das Unternehmen Elektro- und Hybridantriebe für Freizeitanwendungen und den gewerblichen Einsatz. Im Herbst 2017 hat der Deutz-Konzern den-E-Booz-Spezialist übernommen und führt ihn als selbstständige Tochtergesellschaft. Das Unternehmen aus Stanberg will mit diesem Schritt die Infrastruktur von Deutz in Sachen Logistik, Vertrieb und Service nutzen und so noch schneller wachsen.

Die Deutz AG ist einer der weltweit führenden Hersteller von Antriebssystemen. Der Kölner Konzern erwirtschaftete zuletzt mit 3700 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 1,3 Mrd. €. ⇥swp

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10.03.2018, 06:00 Uhr
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