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Krisenaufschlag weiterhin ein Fremdwort

Finanzagentur des Bundes sammelt in diesem Jahr 323 Milliarden Euro bei Investoren ein

Der Bund kann sich am Finanzmarkt weiter geräuschlos mit frischem Geld versorgen. 323 Milliarden Euro sammelte die Finanzagentur des Berliner Kassenwarts in diesem Jahr ein - ohne Krisenaufschlag.

14.12.2010

Von ROLF OBERTREIS

Frankfurt Bei manchem Beobachter werden die Sorgenfalten größer. Wird jetzt auch der Bund in den Strudel gerissen? Muss auch der Finanzminister in Berlin höhere Zinsen zahlen, wenn er Geld aufnehmen will oder wenn er eine Bundesanleihe platzieren will?

Ende November bleibt die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur in Frankfurt auf einem Teil einer Staatsanleihe sitzen: Für eine Laufzeit von 10 Jahren wollen die Geldbeschaffer des Bundes 6 Mrd. EUR aufnehmen. Es gab aber nur Gebote über knapp 5,7 Mrd. EUR. Am Ende begnügen sich die Finanz-Manager mit 4,7 Mrd. EUR - bei einer Rendite von 2,59 Prozent.

Im Dezember wiederholen sich die Ereignisse: Die Finanzagentur will mit einer Fünf-Jahres-Anleihe 5 Mrd. EUR einsammeln, geboten werden nur gut 4,5 Mrd. EUR, die Finanzagentur teilt schließlich Papiere im Volumen von 4,13 Mrd. EUR zu. Rendite 1,73 Prozent. Für einen zweijährigen Bundesschatzbrief mit einem Volumen von 5 Mrd. EUR gibt es nur Gebote von 4,57 Mrd. EUR. Letztlich werden 4 Mrd. EUR eingesammelt.

Investoren, in der Regel große Investmentbanken, so heißt es, fürchteten, Deutschland habe schwer zu knabbern an Lasten aus der Staatsschuldenkrise in Euroland. Auch die Debatte um eine Euro-Anleihe irritiert. Jörg Müller, Sprecher der Finanzagentur winkt ab. Dass die Nachfrage das Angebot nicht decke, sei ein normaler Vorgang, der auch in Nicht-Krisenzeiten auftrete: Sechs Mal gab es eine Minder-Nachfrage nach Bundeswertpapieren in diesem Jahr, 2009 fünf Mal. In den Jahren davor passierte dies sogar noch häufiger, ohne dass Investoren deshalb die Qualität Deutschlands als Top-Schuldner in Frage gestellt hätten.

Die Staatsschuldenkrise hat bislang auch kaum Auswirkungen auf die Refinanzierung des Bundes. Der Markt für Staatsanleihen hat funktioniert, auch im Krisenjahr 2010. Er sei nie "ausgetrocknet", sagt Ilona Korsch, Rentenhändlerin beim Bankhaus Hauck & Aufhäuser. Aber es gab schwierige Tage, am Ende lief es auch, weil die Europäische Zentralbank (EZB) mitgespielt und bislang Staatsanleihen der Krisenländer Griechenland, Portugal und Irland im Volumen 69 Mrd. EUR in die Bücher genommen hat. Die Euro-Notenbanker hätten einen "Super-Job" gemacht, sagt nicht nur Korsch.

Auch der Arbeit der Finanzagentur hat das Eingreifen der EZB sicher nicht geschadet. Allerdings muss sie etwas höhere Zinsen bieten als noch im Frühjahr, wenn der Bund frisches Geld braucht. Die sehr gute Bonität Deutschlands als Schuldner ist ungebrochen, auch wenn die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen erstmals seit Mai jetzt wieder auf mehr als 3 Prozent geklettert ist.

Aber immer noch kann sich der Bund günstig refinanzieren. Mit Blick auf zehnjährige Bundesanleihen aktuell sogar günstiger als Ende 2009. Da stand die Rendite bei 3,39 Prozent, aktuell sind 2,97 Prozent. "Auch die letzte Auktion in diesem Jahr ist sehr gut verlaufen, wir haben dem Bund einen professionellen, weil geräuschlosen Marktauftritt garantiert", sagt denn auch Müller.

73 Auktionen hat es in diesem Jahr gegeben, 323 Mrd. EUR hat die Agentur für den Bund beschafft. 2009 hatte es 60 Auktionen mit einem Volumen von 329 Mrd. EUR gegeben. Auch bereits ausgegebene und umlaufende Bundesanleihen bleiben gefragt.

Das Handelszentrum der Deutschen Bank in Frankfurt: Deutsche Bundesanleihen stehen bei Anlegern nach wie vor hoch im Kurs. Firmenfoto

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Erstellt:
14. Dezember 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Dezember 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2010, 12:00 Uhr

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