Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Ex-Filmtage-Chef Betz hat einen neuen Job – das freut nicht jeden

Filmtage drohen mit Rückzug vom Arsenal

In der Tübinger Kinoszene ist wieder einmal Feuer unterm Dach. Grund: Das Kino Arsenal hat den früheren Filmtage-Chef Dieter Betz als Mann fürs Marketing engagiert.

27.11.2009

Von Klaus-Peter Eichele

Dem Arsenal geht es gar nicht gut. Die aktuelle Krise des Arthaus-Kinos und die Konkurrenz durch Volker Lamms Museum machen Baden-Württembergs ältestem Alternativ-Kino wirtschaftlich zu schaffen; erschwerend hinzu kommt eine mitunter verschnarchte Spielplan-Gestaltung. Insofern ist es gewiss kein abwegiger Gedanke, sich mit frischer Manpower und neuen Konzepten gegen den Niedergang zu stemmen. Ob Dieter Betz dafür die Idealbesetzung ist – darüber gehen die Meinungen allerdings auseinander.

Der 51-Jährige war Leiter der Französischen Filmtage und Geschäftsführer des Trägervereins, ehe ihm 2004 wegen undurchsichtigen Finanzgebarens fristlos gekündigt wurde. Das Gros der Prozesse, die im Anschluss daran mit harten Bandagen geführt wurden, hat Betz verloren. Zuletzt erstattete sein Anwalt Gerd Unger Anzeige wegen Prozessbetrugs gegen den Filmtage-Vorstand – die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ergaben dafür allerdings keinerlei Anhaltspunkte.

Nun ist Unger aber nicht nur Rechtsanwalt, sondern zusammen mit Stefan Paul auch Eigentümer des Arsenal. In dieser Eigenschaft hievte er seinen Mandanten jüngst auf den neu geschaffenen PR-Posten in dem kriselnden Kinounternehmen, zu dem auch das Atelier am Haagtor gehört. Sein Kompagnon Paul soll davon nicht begeistert gewesen sein, segnete den Plan aber letztlich ab. Unger wollte sich zu der Personalentscheidung gegenüber dem TAGBLATT nicht äußern, Paul ist zur Zeit in Südamerika unterwegs und nicht zu erreichen.

Das Ungersche Manöver schafft die delikate Situation, dass die auch persönlich tief verfeindeten Prozessgegner nun wieder gemeinsame Kino-Sache machen sollen. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. Der Filmtage-Verein, der sich zweimal im Jahr mit dem Cine Latino und den Französischen Filmtagen ins Arsenal und bei letzteren auch ins Atelier einmietet, lässt durchblicken, diese Kooperation beenden zu wollen, falls Betz längerfristig bleibt.

Will das Kino auf Erfolgskurs bringen

„Dieter Betz hat den Filmtagen schweren Schaden zugefügt“, begründet Vorstandsfrau Susanne Hockling den harten Schnitt. Die rigide Prozessführung seines Anwalts habe vollends „jegliches Vertrauen zerstört“. An eine gedeihliche Zusammenarbeit sei unter diesen Umständen nicht zu denken. So gehen Filmtage und Arsenal, deren Geschichte aufs engste miteinander verflochten ist, künftig wohl getrennte Wege. Auch Irene Jung, Leiterin des gerade erfolgreich über die Arsenal- und Museum-Leinwände gegangenen Filmfests FrauenWelten, schließt ein Teamwork mit Betz definitiv aus.

Gefährdet sind die Festivals deswegen aber nicht. Volker Lamm hat bereits angeboten, sowohl dem Cine Latino als auch den Französischen Filmtagen zusätzliche Säle in seinen Kinos Museum und Blaue Brücke freizuschaufeln. Im übrigen sei die Betz-Personalie eine interne Angelegenheit des Arsenal, die er nicht kommentieren will. Nur so viel: „Es wird in Zukunft sicher mehr Konkurrenz und weniger Kooperation geben“.

Betz selbst hält sich trotz der Vorbehalte gegenüber seiner Person, zu denen er sich nicht äußern will, für den richtigen Mann, das Arsenal wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Es seien allerdings tief greifende Strukturänderungen nötig. „Entweder man reißt das Steuer massiv herum, oder man macht den Laden dicht“, so der gelernte Betriebswirt. Die Filmtage hält er bei der Konsolidierung zur Not für entbehrlich: „Sie sind sicher ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor fürs Arsenal, aber nicht der entscheidende.“

Allerdings hat sich inzwischen auch ein Großteil des Kino- und Kneipenpersonals gegen den Neuen ausgesprochen. Ein Mitarbeiter, der aus Angst um seinen Job nicht genannt werden will, fürchtet, dass in scharfer Frontstellung zu den Filmtagen und zu Volker Lamm das Arsenal erst recht den Bach hinunter geht.

Dieter Betz 2004 bei der Eröffnung der Französischen Filmtage.

Zum Artikel

Erstellt:
27. November 2009, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
27. November 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. November 2009, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+