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Corona-Krise

Fiese Maschen

Wie Kriminelle versuchen, den Leuten mit der Angst vor Ansteckung Geld aus der Tasche zu ziehen oder persönliche Daten zu sammeln.

27.03.2020

Von ALFRED WIEDEMANN

Bei unbekannten Anrufern sollte man in diesen Zeiten besonders auf der Hut sein. Foto: Armin Weigel/dpa

Ulm. Noch mal gut gegangen: Ein angeblicher Mitarbeiter des Gesundheitsamtes hat in Tuttlingen per Anruf einen Corona-Test angekündigt. Es komme jemand vom Amt vorbei, billig werde das nicht: 5000 bis 7000 Euro seien für den Test fällig. Der Angerufene ließ sich nicht schocken. Er rief die Polizei an. Schaden entstand nicht.

Anders im pfälzischen Kaiserslautern: Ein 61-Jähriger bestellte sich im Internet einen Schutzanzug, ein Fieberthermometer und Desinfektionsmittel für mehr als 80 Euro. Der Mann bezahlte vorab. Ware bekam er keine geliefert. Ein 49-Jähriger bestellte und bezahlte 20 Euro für Atemschutzmasken. Der Anbieter auf einer Internet-Plattform für Kleinanzeigen strich das Geld ein, lieferte aber ebenfalls nicht.

Kriminelle nutzen die Corona-Pandemie schamlos für Betrugsversuche aus. Für die gerade so gefragten Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel würden teilweise Online-Shops im Internet aufgezogen, denen von seriösen Händlern täuschend echt nachempfunden, teilt das Polizeipräsidium Westpfalz mit. Wer hier bestellt und vorab bezahlt, sieht keine Ware.

Gut aufpassen, sich den Internet-Shop genau angucken, ist der Rat: Wird nur gegen Vorkasse geliefert? Ist das Impressum unvollständig oder nicht vorhanden? Finden sich im Text viele Fehler, fehlen Geschäftsbedingungen?

Vor allem ältere Menschen werden am Telefon von angeblichen Mitarbeitern des Robert-Koch-Instituts oder des örtlichen Gesundheitsamtes mit der Nachricht erschreckt, ihr Bargeld sei mit dem Coronavirus verseucht. Wie viel Geld sie daheim hätten? Die Scheine müssten dringend desinfiziert werden, ein Abholer komme deshalb vorbei.

Auch eine neue Variante der Enkeltrick-Anrufe kursiert im Zusammenhang mit der Corona-Krise: Kriminelle geben sich als Angehörige aus, die sich angeblich mit dem Virus infiziert haben. Ganz dringend werde Geld gebraucht für die Behandlung. Ein Bote hole es. Alles Betrug, schreibt das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz. „Legen Sie den Hörer auf, übergeben Sie nie Geld und Wertsachen an Unbekannte!“

Die Konstanzer Polizei warnt vor einer Fake-Nachricht im Internet: Demnach sind angeblich Behördenmitarbeiter unterwegs, die in weißen Schutzanzügen klingeln, um Häuser und Wohnungen zu überprüfen. Auch bei Hilfsangeboten sollte man vorsichtig sein, rät die Lüneburger Polizei. Misstrauisch bleiben, das sei das beste Mittel gegen „Einschleichdiebe“. Wer Unterstützung beim Einkauf oder für Gänge zur Post oder Apotheke benötige, solle die Dienste bekannter Institutionen wie Gemeinde, Kirche oder Hilfsorganisation nutzen. Besorgungen soll man sich an der Haustür übergeben lassen, auch wegen der Ansteckungsgefahr sei das selbstverständlich.

Kriminelle Datensammler versuchen es ebenfalls mit der Corona-Angst, warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Betrugsmasche kommt im Windschatten der vielen seriösen Kunden-Mitteilungen von Banken und anderen Unternehmen daher. Nur dass es gar nicht um eingeschränkte Dienstleistungen oder neue Bestellmöglichkeiten geht.

In den E-Mails wird behauptet, es sei ein Datenabgleich nötig für den Service per Telefon oder Mail. Eine dieser Massen-Mails ist angeblich von der Kreissparkasse. Verlangt werden Anschriften, Telefonnummern und E-Mail-Adressen, nur dann gebe es weiteren Service. Die Betrugs-Mail wirke verhältnismäßig professionell, warnt die Verbraucherzentrale. Wer auf den Link klickt, landet aber auf einer gefälschten Seite. „Sämtliche Daten, die sie dort eingeben, werden an die Kriminellen geschickt.“

Gefälschte Mails erkenne man zum Beispiel an der oft unpersönlichen Anrede, Absender nutzten auch keine Internet-Adressen der echten Firmen. Trickreich taucht in der Absenderadresse vielleicht „Sparkassse“ mit drei „s“ auf – ganz klar Betrüger! Am besten nichts anklicken, sondern immer auf die bekannte Internetseite der eigenen Bank gehen und dort Kontakt aufnehmen.

Pillen gegen Ansteckung

Eine weitere Masche: Betrüger bieten Mittel und Tinkturen an, die gegen Covid-19 helfen sollen. In Brandenburg zum Beispiel wurde per E-Mail Werbung für homöpathische Globuli verbreitet.

Die kleinen Pillen sollen angeblich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen: Durch die Globuli könne der Körper Antikörper bilden, heißt es in den Mails. „Das Mittel bestellen kann man direkt online bei einer Apotheke aus Niedersachsen“, teilte die Verbraucherzentrale Brandenburg mit.

Es gibt aber derzeit keine Medikamente gegen das Virus. Auch Nahrungsergänzungsmittel helfen nicht. Die Verbraucherzentrale: „Wir raten Verbrauchern, sich nicht verunsichern zu lassen.“

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Erstellt:
27. März 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
27. März 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. März 2020, 06:00 Uhr

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