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Prozess

Feuerwehrmann zündet das eigene Haus an

29-Jähriger steht in Mannheim vor Gericht. Er sei eine Gefahr für die Allgemeinheit, sagt der Staatsanwalt.

08.02.2018
  • ULRICH WILLENBERG

Mannheim. Ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr hat sein eigenes Haus angezündet. Das alte Fachwerkgebäude in einem Ortsteil von Weinheim brannte ab. Der 29-Jährige war erst kurz vor der Tat aus einer psychiatrischen Klinik entlassen worden. Seit Mittwoch muss er sich vor dem Mannheimer Landgericht verantworten.

Am Himmelfahrtstag 2017 geht der 29-Jährige zu einem Feuerwehrfest. Dort redet er wirres Zeug und drückt einer unbekannten Frau eine Zigarette auf ihrem Arm aus. Kameraden stellen ihn zur Rede und schicken ihn heim. Vom Feuerwehrhaus sind nur es wenige Schritte.

Zu Hause packt der 29-Jährige ein paar Sachen zusammen und zündet im Obergeschoss einen Weidenkorb an. Dann verlässt er das Haus, in dem er alleine lebt und das ihm und seinen Eltern gehört. Als er zurückblickt, seien bereits „Flammen aus dem Dachstuhl geschlagen“, erinnert er sich vor Gericht. Dann will er nach China zu den Shaolin-Mönchen reisen, so sein Plan. „Ich dachte, vielleicht können die mir helfen.“ Es sollte eine Reise ohne Wiederkehr sein. Deshalb habe er den Brand gelegt, um nie mehr in das Haus zurück zu können.

Weit kommt er in der Brandnacht allerdings nicht mehr. Im Nachbarort klingelt er am Haus eines früheren Lehrers, um dort zu übernachten. Spätnachts nimmt ihn die Polizei in der Wohnung eines Freundes fest. Brandgeruch steckt noch in seinen Kleidern.

Seither ist der mutmaßliche Brandstifter in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Der Beschuldigte leide an einer paranoiden Schizophrenie und sei eine Gefahr für die Allgemeinheit, sagt der Staatsanwalt. Zum Tatzeitraum sei der 29-Jährige schuldunfähig gewesen.

Reise ohne Wiederkehr geplant

Die Chancen, in absehbarer Zeit wieder aus der Psychiatrie zu kommen, stehen nicht schlecht. Der Mann nimmt nach anfänglicher Weigerung inzwischen Medikamente ein, die Wahnvorstellungen verhindern sollen. Nach der Entlassung möchte er „normal geregelt arbeiten“, so sein Ziel. Er habe zunächst Lehrer werden wollen wie seine Eltern. Nach dem Abi studiert er Mathematik und Geografie, gibt das aber wegen seines Drogenkonsums auf. Jahrelang habe er fünf Joints am Tag geraucht. Nach dem Abbruch des Studiums macht er eine Lehre zum Landschaftsgärtner.

2013 wird bei ihm eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Er nimmt weiter Drogen wie Cannabis und auch LSD. Betrunken baut er einen Unfall und verliert den Führerschein.

Als er seine Medikamente absetzt, kommen die Wahnideen wieder. So glaubt er, der Staat habe sich gegen ihn verschworen. 2016 kaufen seine Eltern ein altes Fachwerkhaus für 200 000 Euro. Das will der Sohn renovieren, der allein darin wohnt. „Ein schönes Haus“, wie er sich erinnert. Doch das steht nicht mehr.

80 Feuerwehrleute waren damals im Einsatz, um das Feuer zu bekämpfen. Sie können nur ein Übergreifen der Flammen auf Nachbargebäude verhindern, das Haus aber nicht mehr retten. Die Löschtrupps müssen sich zurückziehen, weil das Gebäude einzustürzen droht. Der Einsatz der Feuerwehrleute zieht sich über Stunden hin. Zwei Einsatzkräfte werden verletzt. Auf dem Grundstück, das nun wieder vollständig den Eltern gehört, soll ein neues Gebäude entstehen.

Für den Prozess in Mannheim sind vier Tage anberaumt. Ein Urteil soll am 5. März verkündet werden. Ulrich Willenberg

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08.02.2018, 06:00 Uhr
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