Am Ende Abriss

Feuerwehr kämpft stundenlang mit Brand in Eyach

200 Feuerwehrleute waren den ganzen Samstagnachmittag beim Brand eines Lagerhauses mit angebautem Wohnhaus beim Bahnhof in Eyach im Einsatz. Die Zugstrecke im Neckartal blieb auch am Sonntag noch teilweise gesperrt.

29.06.2019

Von Hans-Jörg Schweizer

Das Feuer in einem Nebengebäude des Eyacher Bahnhofs brach um die Mittagszeit aus. Um 13.25 Uhr meldete ein Autofahrer Rauchentwicklung in der Bahnhofstraße. Als die ersten Einsatzkräfte eintrafen, stand ein als Lager genutztes Firmengebäude bereits in Vollbrand. Die Feuerwehr konnte zunächst verhindern, dass auch das benachbarte Wohnhaus zerstört wurde. Dieses musste aber schließlich doch abgerissen werden.

Die zwei Bewohner des Hauses, eine 80-jährige Frau und ein 56-jähriger Mann, hatten das Gebäude selbstständig verlassen. Der Mann hatte zunächst noch selbst versucht, das im Außenbereich ausgebrochene Feuer zu löschen und dabei eine Rauchgasvergiftung erlitten. Er wurde zur Untersuchung in eine Klinik gebracht, die er aber später wieder verlassen konnte.

Die Situation vor Ort gestaltete sich für die Einsatzkräfte schwierig. Wegen der starken Rauchentwicklung war die Lage am Samstagmittag schwer einschätzbar. Die Feuerwehr musste drei Schlauchleitungen mit einer Gesamtlänge von mehr als zehn Kilometern vom Neckar her legen, da das örtliche Wassernetz schon nach kurzer Zeit erschöpft war. Das berichtete der Starzacher Feuerwehrkommandant und Einsatzleiter Simon Wiedemann am Samstagabend.

Mit einer insgesamt mehr als 10 Kilometern Schlauchleitung musste die Feuerwehr das Löschwasser aus dem Neckar heranschaffen. Bild: Klaus Franke

Mit einer insgesamt mehr als 10 Kilometern Schlauchleitung musste die Feuerwehr das Löschwasser aus dem Neckar heranschaffen. Bild: Klaus Franke

Da die Wasserversorgung die Bahnlinie zwischen Rottenburg und Horb querte und die Feuerwehr direkt am Gleis löschte, war die Bahnstrecke zwischen Horb und Bieringen seit dem frühen Samstagnachmittag gesperrt. Die Züge endeten in Bieringen und Horb. Zwischen diesen beiden Bahnhöfen verkehrten Busse als Schienenersatzverkehr. Am Sonntagvormittag wurde die Strecke zunächst teilweise wieder freigegeben. Da die Abrissfirma noch arbeitete, kam es aber auch sonntags zu Behinderungen im Zugverkehr.

Bis Sonntagmorgen gegen 3 Uhr dauerten die Lösch- und Nachlöscharbeiten. Am Samstagabend um 18 Uhr war das Feuer zwar weitgehend besiegt. Um verbliebene Glutnester aufzuspüren, ließ die Feuerwehr aber das Dach des Gebäudes von einem Bagger aufreißen. Später am Abend stellte sich heraus, dass die Flammen „in die Zwischendecken des Wohnhauses gezüngelt“ hatten, so Wiedemann. Eventuelle Brandherde in der schon vor dem Feuer eher maroden Bausubstanz hätte man nur innerhalb des Gebäudes aufspüren können. „Ich hätte meine Leute in Gefahr bringen müssen“, so Wiedemann, der sich dagegen und – nach Beratung mit einem Baustatiker – für den Abriss entschied. Die Arbeiten begannen noch in der Nacht, die Ausleuchtung des Geländes übernahm das Technische Hilfswerk (THW) aus Horb.

Neben dem Feuer machte den Feuerwehrmännern die Hitze des Hochsommertags zu schaffen. Bild: Klaus Franke

Neben dem Feuer machte den Feuerwehrmännern die Hitze des Hochsommertags zu schaffen. Bild: Klaus Franke

Zusätzlich zu den logistischen Schwierigkeiten machten den Feuerwehrleuten am Samstag die extremen Außentemperaturen um die 35 Grad zu schaffen. Feuerwehrmänner bekamen Kreislaufprobleme, einer erlitt eine Verbrühung. Alle drei seien aber wieder wohlauf und zuhause, berichtete Wiedemann, der in diesem Zusammenhang die Unterstützung durch das Rote Kreuz (DRK) lobte: Mehr als 20 Einsatzkräfte des DRK versorgten die Feuerwehr mit Essen und vor allem mit Getränken, was bei der Gluthitze besonders wichtig war. Die insgesamt 200 Feuerwehrleute aus Starzach, Rottenburg, Horb und Eutingen waren mit 27 Fahrzeugen in Eyach. Die Tübinger Feuerwehr war mit ihrem Abrollcontainer Atemschutz im Einsatz.

Nach ersten Schätzungen der Polizei entstand durch das Feuer und die Folgen Sachschaden in Höhe von mehreren hunderttausend Euro. Über die Ursache des Brandes gibt es noch keine konkreten Informationen. Die Kriminalpolizei sicherte Spuren. Laut Kommandant Wiedemann dürfte das Feuer im Außenbereich ausgebrochen sein, wo Gegenstände aus Holz und Kunststoff lagerten, die sich – gerade bei so hohen Außentemperaturen – leicht entzünden können. Was das Feuer letztlich ausgelöst hat, ist jedoch noch unklar und Gegenstand der Ermittlungen.

Die Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun, den Brand in einem Nebengebäude des Bahnhofs Eyach in den Griff zu kriegen. Bild: Klaus Franke

Die Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun, den Brand in einem Nebengebäude des Bahnhofs Eyach in den Griff zu kriegen. Bild: Klaus Franke

Schon als am Samstag noch nicht klar war, dass das Wohnhaus schließlich abgerissen werden würde, war dennoch absehbar, dass es durch Rauch und Löschwasser zumindest vorübergehend unbewohnbar sein würde. Starzachs Bürgermeister Thomas Noé kümmerte sich bereits nachmittags um eine Unterkunft für die Bewohner.

Einsatzleiter Wiedemann lobte die sehr gute gemeinde- und landkreisübergreifende Zusammenarbeit der vielen Einsatzkräfte: „Das lief wirklich Hand in Hand.“