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Russland

Feuerwalze zerstört die Taiga

Naturschützer sehen Brände in Sibirien als Folge von ausufernder Bürokratie, Korruption und Ignoranz an.

23.08.2019

Von STEFAN SCHOLL

Moskau. Seit zwei Monaten brennt die Taiga. Greenpeace Russland meldet unter Berufung auf die Forstverwaltungen, in diesem Jahr seien in Sibirien und Jakutien inzwischen 14,9 Millionen Hektar Wald abgebrannt. Eine Fläche, knapp doppelt so groß wie Österreich. Laut Greenpeace haben die Feuer dort über 225 Tonnen Kohlendioxid freigesetzt, mehr als das Dreifache der jährlichen Treibhausemissionen der Alpenrepublik. Russlands Entscheidungsträger betrachten die kolossalen Waldbrände dieses Sommers als schicksalhafte Unvermeidbarkeit. Verantwortlich ist die Natur selbst, im Zweifelsfall sogar der Wind.

Umweltschützer sehen das anders: „Die erdrückende Mehrheit der Brände entstehen durch menschliche Schuld“, urteilt Konstantin Kobjakow, Waldexperte der Naturschutzorganisation WWF Russland. Laut Greenpeace werden über 90 Prozent der sibirischen Waldbrände von fahrlässigen Anglern, Touristen, Autofahrern, Landwirten verursacht – oder von Holzfällern. In Sibirien schwelt der Verdacht, korrupte Beamte verhinderten Löscharbeiten, um Holzräuber zu decken.

Sehnsucht nach Regen und Frost

„Dort, wo die Brände nicht gelöscht werden“, vermutet Tatjana Dawydenko, Ex-Chefin des Krasnojarsker Rechnungshofes, „möchte jemand entweder den Diebstahl von Wald oder andere Verbrechen vertuschen“. Die Föderale Agentur für Forstwirtschaft schätzt den Schaden der Waldbrände seit Jahresbeginn auf knapp 100 Millionen Euro. Ökologen stufen die Verluste höher ein. Greenpeace-Experte Michail Kreindlin geht davon aus, dass allein in der Region Krasnojarsk Bestand und Lebensraum des sibirischen Zobels in einem Wert von etwa 300 Millionen Euro geschädigt worden sind. Noch brennen über 1,1 Millionen Hektar. Menschen und Tiere warten sehnsüchtig auf den Herbst – mit Regen und Frost. Stefan Scholl

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Erstellt:
23. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
23. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 06:00 Uhr

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