Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Ferdinand-Hodler-Retrospektive in der Bonner Kunsthalle
Ferdinand Hodler: „Der Holzfäller“, 1910, Öl auf Leinwand. Foto: © Kunstmuseum Bern
Harte Arbeit

Ferdinand-Hodler-Retrospektive in der Bonner Kunsthalle

Als einen „Maler der frühen Moderne“ stellt die Bundeskunsthalle in Bonn den Schweizer Ferdinand Hodler dar. Die Retrospektive zeigt wichtige Werke und die Entwicklung seiner Landschaftsmalerei.

24.11.2017
  • ULRICH TRAUB

Bonn. Auge, Verstand, Herz“, so lautete eine Arbeitsthese des Künstlers Ferdinand Hodler. Sie macht deutlich, worum es ihm ging. Genaues Beobachten sollte nichts weniger als die Verschmelzung von Geistigem mit Sinnlichem ermöglichen. Das Ergebnis war jedoch nicht selten Pathos und streifte bisweilen den Kitsch.

Hodler, ist das nicht der mit den seltsam entrückten und unnahbaren Figuren, die ihre Betrachter partout nicht anschauen wollen? Richtig. Aber der 1853 in Bern geborene Künstler war auch ein Meister des Porträts und der Landschaftsmalerei, in der er bis an den Rand der Abstraktion vorstieß.

In der Bonner Bundeskunsthalle wird Hodler zum „Maler der frühen Moderne“ erklärt. Die Retrospektive mit 100 Gemälden und 40 Zeichnungen, die zum größten Teil aus der Schweiz stammen, mit Fotografien und einem Film über den Künstler als Mensch rückt zunächst den beschwerlichen Weg zum Erfolg in den Fokus.

Angefangen hatte alles, wen wundert's bei einem Schweizer Künstler, mit Bildern von Bergen und Seen. Die gerieten noch sehr konventionell und waren für den Verkauf an Touristen gedacht.

Individuelle Züge erreichte das Werk Hodlers vor allem nach einem Spanien-Aufenthalt. Seine Farbpalette hellte sich auf, der dunkle Hintergrund der Porträts verschwand zugunsten nun stärker hervortretender Körperlichkeit. Für die Landschaften wurden jetzt ungewöhnlichere Standpunkte und Ausschnitte gewählt. Man blickt dann etwa in einen undurchdringlichen Buchenwald oder auf eine einzelne Tanne. Erste Erfolge auf Wettbewerben stellten sich ein.

Den Durchbruch schaffte der Maler vor allem in Deutschland, erzählt die Ausstellung. Hier kam sein monumentaler Stil gut an. Max Liebermann war begeistert, Kunstvereine präsentierten den Schweizer, der Handel florierte – nicht zuletzt dank Hodlers Arbeitsweise: Er wiederholte beliebte Motive in Serien. Das formal Charakteristische der bekannten Werke sind die starke Reduktion der Bildgestaltung und die klar konturierten Figuren, die einzeln oder in Gruppen tänzerische Bewegungen vollführen oder versonnen ins Nirgendwo stieren. Andere wie der „Holzfäller“ oder der „Mäher“ verrichten mit entschlossenem Blick harte Arbeit. Dass die Nazis daran Freude hatten, verschweigt die Schau.

Die berühmteste Arbeit des Schweizers, „Die Nacht“, fehlt zwar in Bonn, dafür ist ein „Tag“ aufgeboten. Mit Jugendstil-Anklängen werden hier drei nackte Grazien auf hellblauem Tuch gezeigt, die gerade eine Art von Erweckungserlebnis durchzumachen scheinen.

Hodler kam es darauf an, in seiner Malerei den Einklang von Wahrheit, Schönheit und Natur sichtbar zu machen. Ein zentrales Werk wie „Die Lebensmüden“, in dem fünf mit weißen Umhängen bekleidete, versonnen starrende Männer nebeneinander sitzen, zeigt beispielhaft, dass dieser vermeintliche Einklang auch zu einer recht schwülstig aufgeladenen Liaison von Realismus und Symbolismus führen konnte.

Stolz ist man in Bonn darauf, dass Hodlers Monumentalbild aus der Aula der Uni in Jena ausgeliehen werden konnte. Zu sehen ist der „Auszug der deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813“.

Typisch für Hodler ist die Parallelmontage, allerdings werden in diesem Fall nicht nur ähnliche Figuren, sondern auch verschiedene Handlungen nebeneinander gestellt. Heroischer Kampfeswille spricht aus den Soldaten. Nachdem sich der Maler 1914 gegen die Beschießung der Kathedrale von Reims durch deutsches Militär gestellt hatte, musste das Werk – ebenso wie andere in den Museen – abgenommen werden.

Interessanter ist es, die Entwicklung von Hodlers Landschaftsmalerei zu verfolgen. Gegenüber den symbolistischen Bildern wirken die späten Landschaften wie von einem anderen Maler. Sie belegen am ehesten die These von der Modernität des Künstlers. Wieder Berge, wieder Seen, aber nun als über- und nebeneinander gelegte Farbflächen. Ferdinand Hodler, der 1918 in Genf als gut situierter Künstler gestorben ist, hat seinen Landschaften alles Narrative ausgetrieben. Mancher wird angesichts dessen an die Farbfeldmalerei eines Mark Rothko denken.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

24.11.2017, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Neueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular