Félicité

Félicité

Von tv

Drama um eine Sängerin aus Kinshasa, die das Geld für die Operation ihres bei einem Unfall verletzten Sohns zusammen bekommen muss.

Félicité

Diese Lebensumstände sind sicher nicht dazu angetan, in Jubel oder Euphorie zu fallen. Wenn „Félicité“, die zentrale Figur des bei den Berliner Filmfestspielen mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichneten Dramas von Alain Gomis, die Menschen um sich herum anschaut, wie sie sich betrinken, stehlen, prügeln und schimpfen, blickt sie meist stoisch, ein bisschen angewidert und spöttisch.

Félicité ist eine schweigsame Frau, erst als Sängerin einer kleinen Hinterhofbar im Armenviertel der kongolesischen Millionen-Stadt Kinshasa zeigt sie, begleitet von den mitreißenden Afro-Beats der Kasai Allstars, Temperament. Wäre da nicht ein defekter Kühlschrank, den ein Nachbar zu reparieren versucht, es gäbe bei aller Tristesse gar nichts zu lachen. Sorgen macht ihr vor allem ihr mit dem Motorrad verunglückter 16-jähriger Sohn und der Wettlauf mit der Zeit, denn für die überlebenswichtige Operation braucht sie eine Million Kongo-Francs (etwa 500 Euro).

Plötzlich ist für Félicité ihre tapfer erkämpfte Unabhängigkeit in Frage gestellt. Auf der Bühne ist sie nun nicht mehr dieselbe, denkt viel nach – und träumt von einer Parallelwelt, in der sie nachts durch einen Dschungel streift und eine merkwürdige Begegnung mit einem Okapi hat. Den damit dargestellten Kontrast zum desolaten Alltag unterstreicht zu impressionistischen, oft nachtschwarzen Bildern nun die Musik eines klassischen Amateurorchesters, unter anderem mit Arvo Pärts nach Ausweglosigkeit klingender Komposition „Fratres“.

„Félicité“ ist eine genau beobachtende Sozialstudie, ein Gemisch aus „Dardennes-Brüder meet Apichatpong Weerasethakul“, die nicht vieler Worte bedarf, um das kraftvolle Porträt einer stolzen Frau zu zeichnen und gleichzeitig einen Blick auf die Lebensverhältnisse in der Demokratischen Republik Kongo zu werfen. Véro Tshanda Beya trägt die Last ihrer Rolle als Félicité dabei mit Bravour.


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21.11.2017 - 14:09 Uhr