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"Fehler, kein Fehlverhalten"
Ursula von der Leyen (CDU) behält ihren Doktortitel. Foto: dpa
Ursula von der Leyen bleibt weiterhin Frau Doktor

"Fehler, kein Fehlverhalten"

Am Ende war Ursula von der Leyen erleichtert: Die Medizinische Hochschule Hannover fand zwar Mängel in ihrer Doktorarbeit, jedoch keine Täuschungsabsicht. Die Ministerin darf damit ihren Titel behalten.

10.03.2016
  • MICHAEL FISCHER, DPA (MIT AFP)

Berlin. Die Medizinische Hochschule Hannover hat sich viel Zeit gelassen mit der Doktorarbeit von Ursula von der Leyen. Fast ein halbes Jahr dauerte die Prüfung der 62 Seiten mit dem sperrigen Titel: "C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung".

Die Internet-Plattform "VroniPlag" hatte auf 27 Seiten Textstellen gefunden, die aus fremder wissenschaftlicher Feder stammen sollen und nicht als Zitat gekennzeichnet wurden. Gestern nun hat der Senat der Hochschule seine Sicht der Dinge dargelegt und entschieden, dass sie der Politikerin den Doktortitel nicht entzieht. "Es geht hier um Fehler, nicht um Fehlverhalten", sagte der Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und Senatsvorsitzende Christopher Baum. Das Muster der gefundenen Plagiate spreche nicht für eine Täuschungsabsicht.

Die mit der Überprüfung der Doktorarbeit beauftragte Kommission und der Senat der MHH hätten übereinstimmend "klare Mängel" im Wesentlichen in der Einleitung der Arbeit gefunden, sagte Baum. "Wir sprechen von Fehlern, für die Frau Dr. von der Leyen als Autorin der Dissertation verantwortlich ist", fügte der Hochschulpräsident hinzu. "Konkret geht es um Fehler in der Form von Plagiaten, also Übernahme fremder Textpassagen, ohne die Originalautoren korrekt zu kennzeichnen."

Dennoch entschied der Senat Baum zufolge mit sieben zu eins Stimmen bei einer Enthaltung, dass die Verteidigungsministerin ihren Doktortitel weiter führen darf.

Die Unterscheidung zwischen Fehler und Fehlverhalten sei entscheidend, betonte der MHH-Präsident. Die von der Ministerin begangenen Fehler stellten den wissenschaftlichen Wert der Arbeit "nicht grundsätzlich infrage". Die außerdem erhobenen Vorwürfe einer möglichen Verletzung ethischer Regeln bei der Behandlung und Untersuchung von Patienten der betroffenen Studie seien "eindeutig ausgeräumt" worden. "Die Durchführung der Studie erfolgte im Einklang mit den geltenden ethischen Normen".

Die Ministerin kommt damit weitgehend unbeschadet aus dem Vorgang heraus. Ihr Abitur hat sie mit einem Notendurchschnitt von 0,7 absolviert. Dann folgten das Medizinstudium und schließlich die Karriere in der Politik, die sie trotz ihrer Verpflichtungen als Mutter von sieben Kindern zielgerichtet durchzog. Von der niedersächsischen Landesregierung über die Bundesministerien für Arbeit und Familie brachte sie es bis zur Oberbefehlshaberin von rund 180 000 Soldaten.

Von der Leyen, die in den USA ist, reagierte erleichtert: "Ich bin froh, dass die Universität nach eingehender Prüfung zum Schluss gekommen ist, dass meine Experimente für die medizinische Forschung relevant waren und die Arbeit insgesamt die wissenschaftlichen Anforderungen erfüllt."

Stichwort Plagiat: Politiker in Bedrängnis

Plagiatsvorwürfe haben Politiker öfters in Bedrängnis gebracht.

Karl-Theodor zu Guttenberg Viele Passagen fremder Autoren in der Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers sorgten im Februar 2011 für Aufsehen. Wenig später erkannte die Universität Bayreuth dem CSU-Politiker den Titel ab: er habe für den Doktortitel vorsätzlich getäuscht. Guttenberg trat am 1. März 2011 zurück.

Annette Schavan Kurz nach dem Entzug ihres Doktortitels durch die Universität Düsseldorf trat die damalige Bundesbildungsministerin am 9. Februar 2013 zurück. Die Hochschule war zu dem Ergebnis gekommen, dass die CDU-Politikerin gut 30 Jahre zuvor "systematisch und vorsätzlich (. . .) Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte". Schavans Klage wies das Bundesverwaltungsgericht im März 2014 zurück.

Silvana Koch-Mehrin Wegen Plagiaten entzog die Uni Heidelberg der FDP-Politikerin im Juni 2011 den Doktortitel. Koch-Mehrin war zuvor als FDP-Vorsitzende im Europaparlament und als dessen Vizepräsidentin zurückgetreten. Ihre Klage wies das Verwaltungsgericht Karlsruhe 2013 zurück. Den Antrag auf Berufung lehnte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg ab.

Andreas Scheuer Vorwürfe gegen den CSU-Generalsekretär haben sich nach Prüfung seiner Dissertation durch die Prager Karls-Universität 2014 nicht bestätigt. Scheuer hatte dort ein "kleines Doktorat" erworben. Da die akademischen Standards beider Länder nicht vergleichbar sind, darf er den "Dr." nur in Berlin und Bayern führen.

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10.03.2016, 08:30 Uhr
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