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Leitartikel · Deutsche Bahn

Fehler im Management

10.12.2015
  • Dieter Keller

Großer Bahnhof in Erfurt und Leipzig: Mit Sonderfahrten und viel Prominenz angefangen bei Kanzlerin Angela Merkel hat die Deutsche Bahn ihre Neubaustrecke zwischen den beiden ostdeutschen Städten eröffnet. Allerdings dauert es noch zwei Jahre, bis das fehlende Stück von Erfurt bis in die Nähe von Bamberg fertig ist - mit 17 Jahren Verspätung. Erst dann verkürzt sich die Fahrzeit zwischen Berlin und München auf vier Stunden. Mit rund elf Milliarden Euro wird die Strecke fast doppelt so teuer wie geplant, und auf absehbare Zeit wird sie sich nicht rechnen.

Doch diese Rechnung bezahlt der Bund. Das kann Bahn-Chef Rüdiger Grube nicht als Entschuldigung anführen, wenn er in einer Woche dem Aufsichtsrat auch offiziell beichten muss, dass der Konzern in diesem Jahr in die roten Zahlen fährt. Um Abhilfe zu schaffen, sollen die Aufseher sein neues Konzept "Zukunft Bahn" absegnen. Damit will er den Konzern in Schwung bringen, der im Alltagsbetrieb deutlich an Fahrt verloren hat, was voll auf Grubes Konto geht. Denn der 64-jährige Ex-Daimler-Manager steht schon seit sechs Jahren an der Spitze. Klagen über unpünktliche und unzuverlässige Züge im Fernverkehr waren in dieser Zeit seine treuesten Begleiter. Doch es ist ihm nicht gelungen, die Probleme nachhaltig abzustellen, im Gegenteil: Sie haben noch zugenommen.

Allerdings trägt auch die Politik eine gehörige Mitschuld. Jahrelang hat sie nicht genug Geld für die Instandhaltung des Schienennetzes zur Verfügung gestellt. Das rächt sich erst mit Zeitverzug, aber dann umso heftiger: Die Sanierung von Schienen und Brücken dauert Jahre, und die vielen Bauarbeiten führen dazu, dass die Pünktlichkeit noch mehr leidet. Viel zu lange hat Grube das Problem nicht angeprangert, sondern hingenommen. Viel lieber entwarf er große Zukunftskonzepte, die sich in seinen Präsentationen prächtig anhörten, aber von der Realität überholt wurden.

Hauptgrund dafür, dass die Bahn in diesem Jahr einen Verlust bilanzieren muss, ist der Güterverkehr: Trotz guter Konjunktur fährt er rote Zahlen ein, weil er mit deutlich höheren Kosten arbeitet als die private Konkurrenz. Dabei sollte die Schiene dringend die vollen Straßen entlasten. Doch dafür fehlt ein vernünftiges Konzept. Ob es da ein zukunftsträchtiger Weg ist, wenn sich die Bahn aus schwächer besiedelten Regionen ganz zurückzieht, darf bezweifelt werden.

Für Einbrüche beim Ergebnis haben auch Unwetter, die Bahnstreiks und die Konkurrenz im Fernverkehr durch die Fernbusse gesorgt. Gegen höhere Gewalt ist die Bahn machtlos. Aber im Alltagsgeschäft hat sie zu wenig auf ihre Kunden gehört. Häufig klagen sie, das Preissystem sei schwer zu durchschauen. Sie wollen sich nicht daran gewöhnen, dass die Bahn der Lufthansa nacheifert und mit ständigen Sonderaktionen versucht, Fahrgäste anzulocken. Letztlich vergrault sie damit ihre Stammkunden. Wenn zudem jeder zweite ICE und IC, der aus der Werkstatt kommt, technische Mängel von funktionsunfähiger Software bis zu unbenutzbaren Toiletten aufweist, dann spricht das für massive Managementfehler. Grube hätte sie längst anpacken müssen, statt sich im Glanz neuer Strecken und Projekte zu sonnen.

Trotz der Verluste soll die Bahn dem Bund für 2015 eine Dividende von 850 Millionen Euro überweisen. Das zeigt hauptsächlich die Kreativität von Finanzminister Wolfgang Schäuble, in Zeiten der "Schwarzen Null" neue Schulden des Bundes an erstaunlichen Ecken zu verstecken. Nur nachhaltig ist es nicht - wie vieles bei der Bahn.

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10.12.2015, 06:00 Uhr
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