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Berufe

Fasziniert von Flora und Fauna

Als Zoopädagogin entwirft Stefanie Reska in der Wilhelma Lernprogramme. Die Biologin koordiniert Artenschutzprojekte und sammelt Geld für Zucht und Auswilderung.

27.07.2018

Von CAROLINE HOLOWIECKI

Papagei Pio unterstützt die Zoopädagogin Stefanie Reska bei ihrer Arbeit. Foto: Ferdinando Iannone

Stuttgart. Pio stapft mit großen Vogelschritten durch das Rudel von Gummitieren. Neben den Spielfiguren wirkt der Grünzügelpapagei wie ein Riese. Noch skurriler wirkt dieses Stillleben durch die lebensechten Nachbildungen von Löwen-, Tiger- und Bärenschädeln. „Wir bereiten gerade den Thementag Raubtiere vor“, erklärt Stefanie Reska, und neben ihrer Kollegin Miriam Wüst helfen eben auch Pio und Vogelfreundin Lilli. Auf ihre Art. Knödel, Kümmel, Pixi und Pippi finden das höchst spannend. Die Ratten lugen immer wieder aus dem Korb, in den sie fürs Handzahm-Training gesetzt wurden, schnuppern und gehen dann auf Armen und Rücken der Frau auf große Reise.

Stefanie Reskas Arbeitsplatz hat etwas von der Villa Kunterbunt. Sie ist als Zoopädagogin in der Wilhelma unter anderem für die Wilhelmaschule zuständig, einen Lernort samt Seminarraum für Tierfreunde ab dem Kindergartenalter. Die 45-Jährige entwickelt pädagogische Programme für Führungen, Thementage oder Lehrerfortbildungen. Und im elften Jahr in diesem Job weiß sie, wie sie vor allem Mädchen und Jungen ruckzuck begeistert: mit ihren tierischen Kollegen. Anfassen, beobachten, verstehen. Säugetiere haben Fell, Fische haben Schuppen, Vögel haben Federn.

Dabei ist die gebürtige Frankfurterin gar keine Pädagogin und wirkt auch nicht wie jemand, die in einen kindliche Erklär-Singsang verfällt. Stefanie Reska ist Diplom-Biologin. Eine, die an einem Orca-Forschungsprojekt auf den Lofoten gearbeitet hat, als Regenwald-Guide in Peru auch vor giftigen Tieren nicht zurückgeschreckt ist. Eine, die für für Flora und Fauna brennt – und dieses Feuer so früh wie möglich bei Kindern entfachen möchte. Das Wort „Faszination“ wird sie an diesem Nachmittag häufiger in den Mund nehmen. Während mal wieder ein Papagei kopfüber von ihrem Zeigefinger baumelt und gurrt, während sie ins Terrarium mit den Königspythons und Kornnattern blickt oder mal wieder das Juchzen der Seelöwen über den Tierpark schallt.

„Das ist mein Traumjob“, sagt Stefanie Reska in ihrem Büro im Wilhelma-Verwaltungsgebäude. Unter dem Tisch hat sich die Windhundmix-Dame Luca in ihrem Körbchen langgemacht. An den Wänden hängen Bilder von exotischen Pflanzen, Tier-Kalender, ein Foto, das die zierliche blonde Frau mit einer dicken Würgeschlange um den Hals zeigt, ein undefinierbares Stück Fell. Auf einem Schränkchen stehen neben allerhand Fachbüchern und Schädeln historische Tierfiguren aus Balsaholz aus dem Nachlass eines Cannstatter Künstlers. Das Wilhelma-Team darf sie zugunsten des Artenschutzes verkaufen. Und der ist Stefanie Reskas ganz großes Anliegen.

Tierschutz mit alten Handys

Ihr voller Jobtitel: Leitung Umweltbildung und Artenschutz. Seit drei Jahren fällt die Koordination sämtlicher Hilfsprojekte, die die Wilhelma weltweit unterstützt, in ihr Ressort. Geld aus Stuttgart fließt in Zucht- und Auswilderungsprojekte, in die Ausbildung von Hundestaffeln im Kongo, die Wilderer aufspüren sollen, oder – ganz neu – den Regenwald-Ankauf in Belize. Aktuell hat die Wilhelma ein Artenschutz-Budget von 150 000 Euro, Stefanie Reskas Aufgabe ist, weiteres Geld zu akquirieren.

Sie nimmt einen Stapel alter Handys mit kaputten Displays in die Hand. 2000 bis 3000 alte Mobiltelefone sammelt das Zoo-Team pro Jahr, darin verbaut ist der Rohstoff Coltan, der in Zentralafrika abgebaut wird – mitten in Gorilla-Gebieten. Der Erlös aus den recycelten Handys geht daher an Schutzprojekte. Stuttgarter Aktionen, die am anderen Ende der Welt unter Umständen Tierleben retten. Stefanie Reska lächelt. „Ich finde das total befriedigend.“

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Erstellt:
27. Juli 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Juli 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2018, 06:00 Uhr

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