Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Kunst

Farbmalerei in Sindelfingen: Alles eine Frage der Bewegung

Experimentelle Farbmalerei von Sabrina Haunsperg im Schauwerk.

21.02.2018

Von BURKHARD MEIER-GROLMAN

Sabrina Haunsperg erläutert ihre Arbeitstechniken. Foto: Gerda Meier-Grolman

Sindelfingen. Wer sich auf die professionelle Farbmalerei einlässt, der kommt auch schon mal auf den gar nicht mehr so originellen Gedanken, seine Leinwand auf dem Boden auszulegen, den Pinsel in den Farbeimer zu tauchen und dann das Grau, Gelb, Grün, Rot oder Blau in kleineren und größeren Tropfen auf der Bildfläche zu verteilen. Aber die Zeiten des von Jackson Pollock so heftig propagierten Dripping sind nun einmal endgültig vorbei, und so hat die 1980 im österreichischen Hallein bei Salzburg geborene und heute in Düsseldorf arbeitende Sabrina Haunsperg noch ganz andere Techniken auf Lager.

Für die Meisterschülerin des Landschafters Herbert Brandl hat der Malvorgang immer einen experimentellen Charakter, für ihre Großformate, die ab und an mal sechs auf vier Meter messen können, gibt es keinerlei Vorstudien. Vor jeder Malaktion wird die Leinwand auf jungfräulich und blütenweiß getrimmt, dann erst drückt Sabrina Haunsperg den Startknopf ihres Ideenkarussells. Wenn sie loslegt, ist größte Vorsicht geboten, denn bei dieser Malerin ist jeglicher Farbauftrag eine Frage der Bewegung.

Sie holt aus, sie dreht sich, sie wirbelt, sie springt in die Höhe, sie schmeißt mit Farbpigmenten um sich, ihr Handwerkszeug – ob nun Pinsel, Spraydose oder Spritzpistole – ist nur ausführendes Organ, spielt eine untergeordnete Rolle, was zählt, ist die direkte Umsetzung, die Realisierung und Konkretisierung ihrer Vorstellungen. Die Farben werden gespritzt, gesprüht, gegossen, geschüttet, ja sogar ausgestreut und geworfen. Man darf da schon von einem Feuerwerk mit Farben reden, aber das hört sie nicht so gerne. Der Betrachter soll ohne Sperre frei assoziieren und je nach Gemütsstimmung frei schalten und walten. Keine Frage, dass man im Schauwerk Sindelfingen regelrecht hineingezogen wird in die Bildräume, hier wird oft mit Neon-Leuchtfarben gelockt, und Stillstand und Ausruhen in den Bildern gibt es eh nicht.

Wer nun mutmaßt, Sabrina Haunsperg schaffe dieses hochkonzentrierte Werkeln an ihrem Farb-Universum nur, weil sie in Klausur geht und sich total gegen äußerliche Einflüsse abschottet, der wird sich wundern. Denn die Farbfanatikerin ist mit zahlreichen Künstlerkollegen sozusagen per Du; für ihre neuesten Produktionen, die wie Weltraumausflüge wirken, hat sie sich von den legendären Scherenschnitten des großen Henri Matisse inspirieren lassen, und wenn man sie etwa auf Cy Twombly, Imi Knoebel oder auch auf ihre direkte Konkurrentin in Sachen Farbmalerei, Katharina Grosse, anspricht, dann kommt bei ihr Freude auf und sie bekundet heftige Sympathie für diese Zeitgenossen.

Info Schauwerk Sindelfingen (Eschenbrünnlestraße 15), Di/Do 15-16.30, Sa/So 11-17 Uhr.

Zum Artikel

Erstellt:
21. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2018, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+      Google+