Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Großeinsatz

Familiendrama in Schwarzwald-Dorf

Ausnahmezustand in Villingendorf: Die Polizei sucht einen Mann, der drei Menschen erschossen haben soll – darunter seinen Sohn.

16.09.2017
  • MADELEINE WEGNER

Villingendorf. Ein Polizei-Hubschrauber kreist über der ansonsten ruhigen Wohnsiedlung in Villingendorf (Kreis Rottweil), dann dreht er lautstark in Richtung des nahegelegenen Waldes ab. Seit Stunden suchen die Beamten einen 40-jährigen Mann, der in Villingendorf drei Menschen getötet haben soll. Am Donnerstagabend, um 21.36 Uhr, war ein Notruf bei der Polizei eingegangen: Eine Anwohnerin hatte Schüsse gehört. In dem Wohngebiet fanden die Polizisten daraufhin in einer Einliegerwohnung einen 34-Jährigen und einen sechsjährigen Jungen tot auf. Eine 29-jährige Frau lebte zu diesem Zeitpunkt noch. Sie war jedoch schwer verletzt und starb noch in der Nacht im Krankenhaus an den Schussverletzungen. Da nicht klar war, ob der Täter noch vor Ort war, durchsuchten speziell ausgerüstete und geschützte Beamte die Wohnung. Der Täter war bereits geflüchtet. Die Mutter des getöteten Jungen hatte sich nach draußen retten können, auch ein kleines Mädchen überlebte.

Der Täter sei über den Garten und die Terrasse zum Haus gelangt. Dann habe er wahrscheinlich unvermittelt das Feuer eröffnet. „Die Personen dürften keine Chance gehabt haben, zu entkommen“, sagte Rolf Straub, Leiter der Sonderkommission bei einer Pressekonferenz gestern Nachmittag. Der Täter soll mit einer Langwaffe geschossen haben, die vermutlich aus dem Armee-Bestand des früheren Jugoslawien stammt. Wie viele Schüsse fielen, sei noch nicht klar. Wenige Minuten später hätten Anwohner aus dem nahegelegenen Wald erneut Schüsse gehört. Ob diese mit der Tat zusammenhingen, sei unklar.

Polizeilich bekannt

„Wir müssen davon ausgehen, dass der Tatverdächtige die Waffe mit sich führt“, sagte Straub und versicherte, die Polizei werde alles tun, um die Bevölkerung zu schützen. Der 40-jährige Verdächtige sei polizeilich bekannt wegen Körperverletzungs- und Bedrohungsdelikten. Er ist der Vater des getöteten Kindes und früherer Ehemann der 39-jährigen Mutter. Der getötete 34-jährige Mann war der neue Lebensgefährte der Frau, das 24-jährige Opfer war dessen Cousine. Sie hatten zusammen die Einschulung des Jungen gefeiert. Die Polizei geht von einer Beziehungstat aus. Die Mutter sei in fachärztlicher Behandlung und gesundheitlich stabil. Auch das dreijährige Mädchen, das sich während der Tat in der Wohnung versteckt hatte, sei wohlauf.

Die Polizei habe in Rottweil eine Sonderkommission „Hochwald“ eingerichtet, mögliche Aufenthaltsorte des Verdächtigen überprüft und „unzählige Objekte“ untersucht, wie Straub sagte. Zunächst erfolglos: Bis zum gestrigen Abend war der Verdächtige weiterhin auf freiem Fuß. „Wir sind schon sehr weit, aber zaubern können wir auch nicht“, sagte Straub. In Villingendorf und Umgebung war die Polizei gestern mit 250 Kräften unterwegs. „Aufgrund der Dimension der Tat“ sei der Fall sei zu einem Großeinsatz geworden. Es seien Spezialeinheiten im Einsatz. Außerdem seien die Nachbarbundesländer, insbesondere Bayern, mit eingebunden und die Kollegen in Österreich, Frankreich, der Schweiz sowie in Slowenien, der Slowakei und in Kroatien verständigt, um die Grenzen verstärkt zu überprüfen. Bereits in der Nacht auf Freitag hatte die Polizei Verkehrskontrollen durchgeführt, um den Täter auf seinem möglichen Weg Richtung Kroatien abzufangen. Das mutmaßliche Fluchtfahrzeug, ein grüner Seat Ibiza mit Konstanzer Kennzeichen, fanden die Beamten im Nachbarort Herrenzimmern.

In der Grund- und Werkrealschule in Villingendorf ist der Unterricht aus. Es ist Freitagmittag. Auffallend viele Eltern warten auf dem Schulhof auf ihre Kinder. „Meine beiden Töchter gehen normalerweise allein nach Hause“, sagt eine Mutter, „aber heute wollte ich sie lieber abholen. Ansonsten kann man im Moment nur beten, dass nicht noch etwas passiert.“ Am Morgen, als die Kinder das Haus verließen, habe sie noch nichts von der Tat gewusst. „Die Leute sind verunsichert“, sagt die Verkäuferin in einem kleinen Geschäft an der Hauptstraße. Morgens habe ihr eine Kollegin berichtet, dass viele Polizisten oben in der Straße seien. Sie habe die Familie gekannt. Wie wohl alle Menschen in dem 3300-Einwohner-Ort ist auch sie erschüttert: „Dass ein Mensch auf sein eigenes Kind schießt, das kann man doch nicht verstehen, oder?“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

16.09.2017, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular