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Leitartikel zur Übernahme von Air Berlin

Falsche Hilfe

Erst wenn das letzte Schokoladenherz gegessen ist, werden wir merken, wie wichtig Air Berlin für die Luftfahrt in Deutschland war. Die Fluggesellschaft mit ihrer traditionellen Süßigkeit nach überstandener Landung war ein Bollwerk gegen die Geiz-ist-geil-Mentalität in der Luft.

29.09.2017
  • Thomas Veitinger

Wettbewerber Lufthansa dürfte nach der Übernahme von Teilen Air Berlins mit ihrer Tochter Eurowings die Nummer 1 der Billigflieger auf dem Kontinent werden. Bald wird es nur noch teure oder billige Flüge geben, nichts mehr zwischendrin. Nun setzt eine Konsolidierung ein, die das Aus für viele der 230 Airlines in Europa bedeutet. Weniger Wettbewerb heißt: steigende Preise.

Es ist ein Fehler der Bundesregierung, Lufthansa die Filetstücke von Air Berlin zu servieren – aus ordnungspolitischer, marktwirtschaftlicher und politischer Sicht. Leidtragende einer zu mächtigen Lufthansa sind die Branche und die Passagiere.

Die Wahrscheinlichkeit der Insolvenz von Flugunternehmen in Europa steigt. Fluggäste, die keine Pauschalreise gebucht haben, besitzen keinen Insolvenzschutz, wie die Bundesregierung in einem Brief an die EU-Kommission anmahnt. Diese Schutzlücke sollte längst geschlossen werden, wurde sie aber nicht.

Lufthansa wird Monopolist auf vielen Strecken. Weil Reisende aktuell Air Berlin meiden, steigen die Ticketpreise schon jetzt. Lufthansa-Marktanteile von bis zu 95 Prozent sind möglich. In der Vergangenheit war eine Preisexplosion auf Strecken auszumachen, die Air Berlin aufgegeben hat. Ryanair und Easyjet können wegen fehlender Start- und Landerechte zumindest nicht schnell in die Lücken springen. Lufthansa wird zum europäischen Giganten der Lüfte und sich mit den Billigheimern balgen.

Um konkurrenzfähig zu sein, müssen Airlines sparen, wo es nur geht. Ryanair hat mit seinen prekären Beschäftigungsmodellen der Piloten schon jetzt große Probleme und streicht tausende Flüge über Monate hinweg. Passagieren wird das Fliegen auf Kurz- und Mittelstrecken durch optimierte Kostenstrukturen noch weniger Spaß machen.

Vor allem aber bleibt der Vorwurf des Protektionismus' an Deutschland hängen. Vor der Air-Berlin-Pleite kam es zu geheimen Gesprächen zwischen Lufthansa und Bundesregierung. Die Airline mit dem Kranich hatte eine bessere Startposition. Das Besondere: Berlin hat nicht einmal versucht, die Einflussnahme zu vertuschen. Verkehrsminister Alexander Dobrindt („Deutschland braucht einen nationalen Champion“) äußerte sich ähnlich wie Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries („Ich würde es begrüßen, wenn die Lufthansa größere Anteile von Air Berlin übernimmt“). Dabei kritisiert Lufthansa-Chef Carsten Spohr selbst seit Jahren staatliche Unterstützung der Golf-Airlines. Fast schon skandalös ist das Aus für die Luftverkehrsabgabe kurz nach der Pleite von Air Berlin, die jahrelang diese Streichung gefordert hatte.

Deutschland hat in der Vergangenheit keine guten Erfahrungen mit staatlicher Hilfe und Einflussnahme gemacht. Das wird diesmal nicht anders sein.

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29.09.2017, 06:00 Uhr
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