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Betrug

Fake-Ferienhaus am Gardasee

In bester Urlaubslaune fahren Freunde nach Italien. Am Ziel erleben sie eine böse Überraschung. Nicht nur sie sind auf „Villa Lux“ reingefallen.

22.06.2017

Von RAIMUND WEIBLE

Urlaub am Gardasee kann so schön sein allerdings nicht, wenn man beim Buchen betrogen wird. Foto: Montage: SWP, Shotshop.com

Reutlingen. Die Fahrt war schauderhaft. Zwölf Stunden benötigte Gerhard B. aus Sonnenbühl am Pfingstsamstag für die 590 Kilometer von Reutlingen bis nach San Felice del Belnaco. Kein Wunder, die Autobahnen waren voll zum Ferienbeginn. In San Felice, einem der schönsten Orte im Westen des Gardasees, hatte ein Freund von B. ein Ferienhaus gemietet, für sich, für B. sowie für weitere sechs Erwachsene und drei Kinder. Mit vier Autos reisten sie gemeinsam an.

Erschöpft, hungrig, durstig, aber erwartungsvoll bog B. in die Via San Fermo ein. Da stand es, das schöne Ferienhaus, 50 Meter vom Strand entfernt, ganz so, wie in der Reklame auf der Internet-Seite von „VillaLux“ abgebildet, bei der die Freunde gebucht hatten. B. freute sich auf eine prachtvolle Urlaubswoche.

Das Tor des Ferienhauses war verschlossen. Die Ankommenden klingelten, und drei Damen erschienen am Tor. Sie seien schon die zweiten, die heute einziehen wollten, lautete ihr Bescheid. Aber dieses Haus sei nicht zu vermieten, und es sei auch von ihnen, den Eigentümerinnen, niemals offeriert worden.

Schlagartig wurde den Reisenden klar: Man hatte ihnen ein fingiertes Angebot untergejubelt. Vier der Urlauber aus dem Kreis Reutlingen setzten sich wütend sofort ins Auto und fuhren zurück in die Heimat. B. und sechs seiner Begleiter fanden bei Torbole ein Hotel, fuhren aber auch am nächsten Tag nach Hause. Der Urlaubstraum war zerronnen.

Und das Geld war auch weg. Im Auftrag der anderen hatte B.s Freund das Haus vom 3. bis 10. Juli bei der Firma „VillaLux Ferienwohnungen UG“ in Köln gebucht. Der Veranstalter winkte bei sofortiger Zahlung mit zwei Prozent Skonto. So überwies der Freund am 17. Februar 2017 2026,60 Euro. B. war mit 360 Euro beteiligt. „Ihr Team VillaLux“ bestätigte wenig später schriftlich den Zahlungseingang. „Alles wirkte sehr professionell“, sagt B. Heute meint er allerdings, eines hätte sie stutzig machen müssen – und zwar die sonderbare Telefonnummer, die VillaLux angegeben hatte: Sie lautete 0221/ 1234567. Klingt nach Phantasie-Nummer.

Noch am Urlaubsort versuchten die Reisenden, Kontakt mit der Firma aufzunehmen. Vergeblich. Die Internet-Seite war aus dem Netz verschwunden. Alle Anstrengungen, an das auf eine Bank in Nordrhein-Westfalen überwiesene Geld zu kommen, hatten keinen Erfolg. Es blieb nur der Gang zur Polizei, um Anzeige wegen Leistungserschleichung zu erstatten. Dort machte man ihnen wenig Hoffnung, dass sie wieder zu ihrem Geld kommen würden.

Internetseite gibt's nicht mehr

Das Polizeipräsidium Reutlingen bestätigt den Eingang der Anzeige und die Einleitung von Ermittlungen. Und die Reutlinger sind offensichtlich nicht die einzigen Betroffenen. Der Polizeisprecher weiß von drei weiteren Anzeigen in Baden-Württemberg gegen „VillaLux“. Und er glaubt, dass sicher noch weitere Anzeigen eingehen werden: „Da sind bestimmt noch mehr darauf reingefallen.“ Auf der Internet-Seite von „verbraucherschutz.de“ haben sich zahlreiche mutmaßlich Geschädigte gemeldet. Nach dem ersten Eindruck gehen die Ermittler davon aus, dass die mutmaßlichen Betrüger „ganz clever“ vorgegangen sind. Sie machten ihre fingierten Angebote gezielt für die Ferienzeiten, wo gefragte Gebiete wie der Gardasee nahezu ausgebucht sind. Damit steigen die Chancen der Betrüger, dass jemand, der unbedingt noch ein Ferienhaus ergattern möchte, in die Falle tappt.

Bei der Geschäftsadresse von „VillaLux“ in Köln handelt es sich nach Angaben des Polizeipräsidiums Köln nur um einen Büroservice, „mehr nicht“. Dieser Service habe die Post ins Ausland weitergeleitet. Auch die Gelder verschiedener „VilaLux“-Konten seien ins Ausland transferiert worden, sagte der Leiter des Kriminalkommissariats 33, Peter van de Meerendonk.

Für seriöse Ferienhaus-Vermittler wie die Firma „rv.gardasee“ sind die Tricks ärgerlich. Dadurch müsse man einen Vertrauensverlust der Kundschaft befürchten, sagt Chefin Gisela Emrich.

Für Gerhard B. selbst ist der Fall eine Lehre. Künftig werde er Ferienobjekte nur bei renommierten Büros buchen, sagt er. Und niemals mehr gleich bei der Buchung den vollen Preis bezahlen.

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Erstellt:
22. Juni 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Juni 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2017, 06:00 Uhr

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