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Fahren mit Stress und Tricks
Die Aggressionen im Verkehr nehmen zu. Foto: ©DDRockstar - Fotolia
Umfrage zum Verkehrsklima: Mehr Aggression und selbstbewusste Frauen

Fahren mit Stress und Tricks

Freie Fahrt für freie Bürger? Verkehrsexperten entdecken mehr und mehr Egoismus im Straßenverkehr. Weniger Rücksichtnahme, mehr Stress. Das hat Folgen.

11.08.2016
  • ULRIKE VON LESZCZYNSKI, DPA

Berlin. Der Begriff „Harmonie“ fällt nur noch einem Drittel der Autofahrer ein, wenn sie an den Straßenverkehr denken. Die Hälfte fühlt sich einer Umfrage zufolge gestresst. Und so manche Autofahrerin hat ihre eigenen – erzieherischen – Tricks. Einige Ergebnisse der Befragung im Einzelnen:

Aggression: Lichthupe, drängeln und rechts auf der Autobahn überholen – der Verkehrsalltag ist kein Ruhmesblatt für die Autofahrer. 44 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen schätzen sich als „mindestens manchmal aggressiv“ ein, und bis zu 58 Prozent der Mitte 20- bis Mitte 40-Jährigen. Den Unfallforscher Siegfried Brockmann hat überrascht, dass gut verdienende Akademiker der Studie zufolge besonders rücksichtslos fahren. „Ich denke, es sind Menschen, die es gewohnt sind, sich durchzusetzen. Und die die Straße als ein Revier sehen, in dem sie sich durchzusetzen haben.“

Stress: Die Hälfte der Befragten fühlt sich im Verkehr gestresst. Hohe Zustimmungswerte gibt es auch für die Begriffe „aufreibend“ und „erzeugt Druck“. Rund ein Drittel macht der Straßenverkehr generell „nervös“. Brockmann: „Ich halte auch das für eine realistische Einschätzung.“ Verkehrsraum sei knapp geworden. „Die wachsende Konkurrenz darum empfinden viele Verkehrsteilnehmer nicht als angenehm.“

Stress: Zwei Drittel der Menschen fühlen sich im Straßenverkehr sicher. 2010 war es nur die Hälfte. Dieses positive Ergebnis überrascht die Unfallforscher. Sie erklären sich den Zuwachs vor allem mit Frauen. „Da sitzt eine neue Frauengeneration am Steuer, die das Fahrzeug selbstbewusst führt“, sagt Brockmann. „Sicher“ bedeutet aber nicht „angenehm“. Nur ein Drittel der Befragten verbindet den Straßenverkehr mit dem Begriff „Harmonie“.

Frau am Steuer: Frauen fahren nicht nur selbstbewusster als früher, sie lassen sich auch weniger gefallen. Drängelt der Hintermann, treten 31 Prozent der Fahrerinnen auf die Bremse, um ihn zu ärgern (Männer: 29 Prozent). Selbst zu drängeln liegt Frauen dagegen deutlich weniger als Männern. „Frauen sind nicht aufs Beherrschen der Straße ausgerichtet“, sagt Brockmann. „Ihnen geht es eher um Selbstbehauptung und auch ums Erziehen der anderen.“ Männer zeigten weiterhin vorwiegend Dominanzverhalten.

Immer die anderen: Kritikfähigkeit ist Autofahrern wenig gegeben. Zwar beobachten fast alle Befragten, dass Autos zu dicht einscheren oder an Kolonnen dreist vorbeiziehen. Aber nur ein Fünftel gibt zu, das auch schon gemacht zu haben. 97 Prozent haben gesehen, dass Radfahrer zu dicht überholt werden. Aber 95 Prozent schwören, dass sie immer besonders viel Rücksicht auf Radler nehmen.

Unfälle: Dass die Selbstwahrnehmung, immer gut zu fahren, oft täuscht, zeigt die Unfallstatistik. Die meisten Unfälle bauen der Umfrage zufolge die Autofahrer, die besonders rücksichtslos fahren. Sie kassieren auch die meisten Strafen bis hin zu Fahrverboten. „Es trifft die Richtigen“, sagt Brockmann. „Aber die Strafen führen nicht zu einem weniger riskanten Verhalten. Die Einsicht fehlt. Der Glaube, gut zu fahren, ist immer größer.“

Senioren: Vorsicht als Tugend im Straßenverkehr erreicht mit über 80 Prozent Zustimmung einen hohen Wert in der Umfrage, dicht dahinter liegen Wachsamkeit, Aufmerksamkeit und Kenntnis der Regeln. Aber ab 70 Jahren geht die Wertschätzung all dieser Tugenden deutlich zurück. „Wahrscheinlich glauben Senioren, dass ihnen ihre Erfahrung hilft“, sagt Brockmann. „Dabei ist eine Selbstüberschätzung möglich.“ Vielleicht sprechen sich gerade deshalb 68 Prozent der Befragten für einen Fahrtauglichkeitstest ab 75 aus. Einzig die Senioren stimmen solchen Vorschlägen nicht zu.

Schöner flunkern? Im Vergleich zu 2010 bekennen sich deutlich weniger Autofahrer zum Handy am Steuer. 80 Prozent geben an, niemals ohne Freisprechanlage zu telefonieren. Und nur fünf Prozent geben zu, bei der Fahrt SMS oder E-Mails zu lesen. Obwohl die Risiken gut bekannt sind, glaubt Unfallforscher Brockmann nicht an den großen Bewusstseinswandel. „Das hat mit der Realität wenig zu tun“, betont er. „Wir halten das für einen Effekt von sozialer Erwünschtheit bei Befragungen.“

Die Umfrage

Verkehrsklima Die Umfrage zum Verkehrsklima fand von März bis April 2016 statt. Repräsentativ befragt wurden telefonisch und online 2061 Menschen zwischen 18 und 93 Jahren. Von ihnen nutzten 74 Prozent den Personenwagen, drei Prozent das Motorrad und 38 Prozent das Fahrrad an mindestens ein bis drei Tagen in der Woche. 23 Prozent nutzten auch den Öffentlichen Nahverkehr und 80 Prozent der Befragten waren auch als Fußgänger unterwegs.

Verkehrssicherheitsrat Für die Umfrage des Verkehrssicherheitsrats wurden im Juni 2000 über 14-Jährige befragt. ⇥dpa

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11.08.2016, 06:00 Uhr
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