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Freie Fahrt über den Platz

FWV, GAL, SPD, CDU und Gewerbetreibende plädieren für Schrittgeschwindigkeit

Geschlossenheit demonstrierten gestern Gewerbetreibende sowie nahezu alle Fraktionen des Kirchentellinsfurter Gemeinderats. Sie wollen den Rathausplatz nach dem Umbau wieder für Autos öffnen, Parkplätze kommen freilich an den Rand.

08.06.2013

Von Manfred Hantke

Kirchentellinsfurt. Nur die beiden RAT-Frauen Barbara Krahl und Carmen Steffan waren gestern Nachmittag nicht da, als die übrigen Fraktionen und die Gewerbetreibenden die Presse zum Ortstermin luden. Krahl und Steffan hatten sich Anfang Mai dafür ausgesprochen, den Rathausplatz für Autos zu sperren (wir berichteten). Denn der Platz solle „noch schöner“ werden, sagten sie. Außerdem sei die Durchfahrt zwischen dem neuen Rathausanbau und dem Naturkostladen mit 4,80 Meter viel zu eng, um gleichzeitig zwei Autos durchfahren zu lassen. Sie wünschten sich einen „Begegnungspunkt für alle“, ohne Autos.

Dieser Vorstoß der RAT-Frauen hat die anderen Fraktionen im Gemeinderat – CDU, FWV, SPD und GAL – zumindest überrascht, so schien es. Ihre Sicht der Dinge stellten sie daher rechtzeitig vor der Gemeinderatssitzung am kommenden Donnerstag vor. Anwesend waren nicht nur die meisten Räte, sondern auch Händler und Gewerbetreibende sowie Marc Wolf, Vorsitzender des Gewerbevereins.

Den Rathausplatz wollte niemand für Autos schließen. Zwar schätze sie den (autofreien) Rathausplatz-Entwurf des Kirchentellinsfurters Horst Matzky, sagte Ruth Setzler (GAL), obwohl über Details geredet werden müsse. Doch man solle den Platz nicht tot machen. Setzler: „In der jetzigen Situation müssen wir uns für die Durchfahrt aussprechen.“ Denn die Gewerbetreibenden in der Ortsmitte hätten jetzt bereits wegen der Rathausbaustelle finanzielle Einbußen, argumentierte sie.

Auch Peter Beckert (CDU) kann sich nicht vorstellen, „dass man den Platz ohne Parkmöglichkeiten und ohne Durchfahrt beleben kann“. Er sei ein Radler-Fan, aber alles könne man mit dem Rad auch nicht erledigen, das sei utopisch. Bei einer Schließung befürchte er eine Ausblutung der Geschäfte in der Ortsmitte. Ihm zur Seite sprang Werner Rukaber (SPD). Mit dem Rad könne nicht alles transportiert werden. Einen massiven Durchgangsverkehr wolle keiner, sagte er. So werde es auch nicht kommen.

Eine Überfahrt über den Rathausplatz soll mit Schrittgeschwindigkeit erlaubt werden, so die Räte, die Parkplätze sollen – wie geplant – an den Rand des Platzes rücken. Die Durchfahrt zwischen Rathausanbau und Naturkostladen reiche für zwei Autos aus, sie sei sogar 50 Zentimeter breiter als früher, sagte Rukaber. Das Ziel könne nicht sein, die Kunden ins Tal zum Einkaufen zu treiben, so Hans-Peter Heinzel (CDU). Zu einem attraktiven Dorfzentrum gehöre die Durchfahrt.

Marie-Luise Bausch (GAL) befürchtet eine Einbuße an Lebensqualität in der Ortsmitte, wenn die Geschäfte wegen mangelnden Zuspruchs aufgeben müssten. Jetzt bekomme sie nahezu alles in der Ortsmitte. Sie hält den Kompromiss – Durchfahrt bei Schrittgeschwindigkeit – für eine „sehr gute Lösung“. Vor einer Kettenreaktion warnte Petra Kriegeskorte (SPD). Mache ein Laden dicht, reiße er andere mit.

Seit die Baustelle die Autofahrer an der Durchfahrt hindert, gebe es einen regen Wende-, Park- und Suchverkehr, haben die Gewerbetreibenden festgestellt. Sie berichteten von Kunden- und Umsatzrückgängen sowie von Klagen der Kunden. Ob Sandra Haug (Dorflädle), Eva Serra (Naturkostladen), Christina Riedle (Metzgerei Nagel) oder Metzger Jürgen Zeeb: Mit der derzeitigen Situation ist niemand zufrieden. Zeeb und Haug mussten zwischen 10 und 15 Prozent Umsatzeinbußen hinnehmen. Kunden klagten über Umwege, die sie fahren müssten, so Apotheker Christoph Heck.

Für Zeeb-Geschäftsführer Peter Halder machen fußnahe Parkplätze nur Sinn, wenn es einen Durchgangsverkehr gibt. Durch ein Verbot werde die Infrastruktur kaputt gemacht. Im nächsten Jahr stünden bei ihm Investitionen in Höhe von 150 000 Euro an. Halder: „Da muss eine positive Entwicklung da sein.“

Gewerbetreibende sowie die Fraktionen von SPD, CDU, FWV und GAL: Belebung des Rathausplatzes nur mit Parkmöglichkeiten und Durchgangsverkehr. Bild: Hantke

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Erstellt:
8. Juni 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
8. Juni 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Juni 2013, 12:00 Uhr

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