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Leitartikel · Hochschule

Exzellenz in der Volksuni

Exzellenz bezeichnet Herausragendes. Jahrhundertelang wurden nur Personen in herausgehobener Stellung als "Exzellenz" tituliert - Kaiser etwa.

10.10.2015
  • Andreas Clasen

Heute ziert das Wort auch Weine, Hotels oder staatliche Programme wie die Exzellenzinitiative zur Förderung deutscher Spitzenforschung.

Die Studierenden der 60er Jahre bildeten noch per se die Exzellenz der Bundesrepublik. Kaum mehr als fünf Prozent der 20- bis 24-Jährigen studierten damals. Die Absolventen ragten mit ihrer Hochschulbildung klar aus der Masse heraus.

Die Erstsemester, von denen viele am Montag erstmals auf den berühmten Klappsitzen in den Vorlesungssälen Platz nehmen werden, sind Teil einer Massenbewegung. 57 Prozent eines Jahrgangs studieren heute. 2,7 Millionen Studierende gab es 2014 - so viele wie noch nie.

Das Studium ist zur üblichen Etappe auf dem Bildungsweg eines Deutschen geworden und die Universität zur neuen Volkshochschule. Das ist ein Fortschritt. Die Diskriminierung der Frauen beim Hochschulzugang ist passé. Die Herkunft verliert als Barriere zum Studium an Bedeutung. Mehr Deutsche haben gute Jobaussichten.

Die meisten Studenten an Hochschulen möchten nicht Wissenschaftler werden, sondern einfach eine gute praxisorientierte Ausbildung. Die Duale Hochschule und die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften bieten diese in Baden-Württemberg. Die Universitäten allerdings sollen sowohl ihre Studenten für den normalen Arbeitsmarkt befähigen als auch zukünftige Nobelpreisträger heranziehen. Aber wie kann aus einer Volksuniversität solch eine wissenschaftliche Exzellenz hervorgehen?

Diese Frage spielt in der Hochschulpolitik schon länger eine Rolle, aber sie hat vor dem Hintergrund der hohen Studierendenzahl und der Diskussion um die neue Ausgestaltung der bis 2028 verlängerten Exzellenzinitiative aktuell an Bedeutung gewonnen.

Zunächst wäre innerhalb der Exzellenzinitiative eine strukturelle Lösung möglich. Die Milliarden aus dem Förderprogramm könnten auf zwei, drei Universitäten konzentriert werden, um deutsche Harvards, Stanfords und MITs zu schaffen. Die Studenten und Forscher dieser Universitäten bildeten dann die wissenschaftliche Exzellenz.

Doch das wäre die falsche Lösung. Sie würde den Wettbewerb unter den deutschen Universitäten unterbinden, es gebe nur das Exzellenztrio und den Rest. Die Gefahr wäre zudem, dass der Name einer Universität einem Studenten den Ruf der Exzellenz einbringt, obwohl sein Leistungsvermögen diesem Anspruch gar nicht genügt.

Andere, dezentralere Lösungen sind besser und entsprechen mehr der deutschen, föderalen Hochschullandschaft. Die kommende Exzellenzinitiative-Runde sollte sich daher einerseits mit der Förderung herausragender Forschungsschwerpunkte an wenigen Unis konzentrieren und andererseits mit Exzellenz-Professuren für Nachwuchskräfte in der Breite fördern. Hochintelligente Köpfe mit ungewöhnlichen Ideen gibt es an vielen Hochschulen. Dies käme den Studenten zu Gute, die diese Forscher als Vorbilder hätten.

Aber auch jede Hochschule kann etwas tun: Die RWTH Aachen zum Beispiel setzt Studenten mit den besten Noten auf eine "Dean's List", um diese früh zu erkennen und individuell zu fördern. Wenn dies üblich wäre, könnte man sogar die "Deans's List"-Studenten über fachspezifische Online-Seminare ortsunabhängig mit den besten Forschern zusammenbringen. Exzellenzförderung ist also auch in Zeiten der Volksuniversität möglich.

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10.10.2015, 12:00 Uhr
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