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Expressbusse angezählt?
Seit Dezember 2016 sind die Relex-Busse im Einsatz. Foto: Ferdinando Iannone
Nahverkehr

Expressbusse angezählt?

2019 soll über die Zukunft der Relex-Linien entschieden werden. Die Zwischenbilanz zeigt: Die Fahrgastzahlen sind ernüchternd.

05.07.2018
  • DOMINIQUE LEIBBRAND

Stuttgart. Im Dezember 2016 schickte der Verband Region Stuttgart (VRS) mit den Relex-Bussen drei neue Linien auf die Straße. Sie sollen Kirchheim/Teck beziehungsweise Leonberg mit dem Flughafen sowie Waiblingen mit Esslingen direkt verbinden und die Stuttgarter S-Bahn als Querverbindungen entlasten. Jetzt, nach eineinhalb Jahren Betrieb, justiert der VRS erstmals nach und weitet den Halbstundentakt in den Abendstunden aus. Statt bis 17.30 Uhr sollen die Busse künftig bis 18.30 Uhr alle 30 Minuten fahren. Damit will der Regionalverband die Nachfrage am frühen Abend besser befriedigen und vor allem: mehr Kunden gewinnen.

Denn dass die Relex-Busse mehr Fahrgäste brauchen, um überhaupt als sinnvolles Angebot zu gelten, zeigt eine Erhebung, die die VRS-Geschäftsstelle am Mittwoch dem Verkehrsausschuss vorstellte. Je nach Lesart kann man gemessen an den Prognosen von einer durchwachsenen bis enttäuschenden Zwischenbilanz sprechen. Vor allem jenseits der Stoßzeiten schwächeln die Busse. Nach Zahlen des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) kommen alle drei Linien zusammen auf 1655 Fahrgäste pro Tag. Das übertrifft zwar leicht die VVS-Prognose von 2014 (1500), liegt aber weit hinter jener der Uni Stuttgart aus demselben Jahr, die mit 7525 Fahrgästen pro Tag auf allen Linien gerechnet hatte.

Messlatte unterschritten

Für so manche Fraktion waren die Vorhersagen der Uni die Entscheidungsgrundlage. „Das war für uns der Maßstab“, kritisierte CDU-Regionalrat Rainer Ganske. Nun dürfe man nichts unversucht lassen, um die Relex-Busse doch noch zum Erfolg zu machen. Ob das gelingt, da ist Ganske allerdings skeptisch. „Ich bin gespannt, wie weit wir bei dem Thema kommen“, sagte er. Auch Bernhard Maier (Freie Wähler) konstatierte: „Die Uni-Prognose war die Messlatte, und man hat uns gesagt, dass wir das erreichen. Doch wir haben die Messlatte meilenweit unterschritten.“ Er wolle das Angebot jetzt nicht kippen, aber doch die Frage stellen, ob der Aufwand im Verhältnis zum Erfolg stehe.

Wolfgang Hoepfner (Linke) sieht ebenfalls „viel Schatten“. Seine Fraktion sei von Anfang an zurückhaltend gewesen. Er plädierte dafür, im kommenden Jahr, wenn über die Zukunft der Relex-Busse entschieden werden soll, „tabufrei“ zu prüfen, was Sinn mache und was nicht.

Die Analyse zeigt jedenfalls, dass die einzelnen Linien differenziert betrachtet werden müssen: Anders als gedacht, hat sich der Flughafen nicht zum Nachfragemagneten entwickelt. Allein an der VVS-Prognose gemessen, haben die Flughafen-Linien X 10 (von Kirchheim/Teck zum Flughafen/Messe) und X 60 (von Leonberg zum Flughafen) mit zusammen 1020 Fahrgästen pro Tag schlechter abgeschnitten als erwartet (1300). Sie werden zwar streckenweise gut genutzt, die X 60 ist auf dem Abschnitt zwischen Leonberg und Uni beispielsweise ordentlich ausgelastet. Doch auf den letzten Metern zum Airport gleichen die Relex-Gefährte oft Geisterbussen. Außer Publikumsmessen stehen an, dann erreichen sie schnell ihre Kapazitätsgrenzen.

X 20 einziger Lichtblick

Die Linie X 20 (von Waiblingen nach Esslingen) hat sich hingegen weitaus besser als vom VVS erhofft entwickelt. 635 Fahrgäste wurden hier registriert, die Prognose lag bei 200. Erhoben hat der VVS die Daten an zwei Tagen im Herbst 2017. Separate Zählungen des Busunternehmens Schlienz decken die Ergebnisse im Großen und Ganzen.

Für Eva Mannhardt (Grüne) ist die Schlussfolgerung klar: Zwei Linien zum Flughafen führen zu lassen, sei eine „Fehleinschätzung“ gewesen. Grundsätzlich sehe sie die Entwicklung aber nicht so negativ wie manche Kollegen. Ihr sei klar gewesen, dass die Uni-Prognose zu optimistisch gewesen sei. Wenn man im kommenden Jahr eine Bilanz des Pilotprojekts ziehe, wolle sie über Alternativrouten sprechen. Die Busse müssten dort verkehren, „wo täglich viele Pendler hin- und herfahren“.

Der Taktverdichtung am Abend stimmten die Regionalräte am Ende einstimmig zu, forderten von der Verwaltung aber, dass sie das Angebot künftig besser bewirbt und mit dem Flughafen über neue Haltestelle mit direkten Zugang zu den Terminals verhandelt. Der bisherige Haltepunkt sei, so der Tenor, eine Katastrophe. Unwirtlich und zu weit weg vom Airport. Die finanziellen Auswirkungen der Taktverdichtung sind für den VRS überschaubar: Statt einer Million Euro muss er künftig pro Jahr etwa 1,2 Millionen Euro berappen. Die restlichen Kosten werden vom Land und über Fahrgeldeinnahmen gedeckt.

Werben um Geduld

Konfrontiert mit der Kritik der Regionalräte räumte der Leitende VRS-Direktor Jürgen Wurmthaler ein: „Auch wir wünschen uns mehr Fahrgäste.“ Gleichwohl wirbt er um Geduld: Neue Buslinien bräuchten mehrere Jahre, um sich zu etablieren. Spätestens 2019 sollten die Zahlen aber stimmen. Dann könnte das Gremium auch über die Einführung weiterer Linien entscheiden. Insgesamt sieht der ÖPNV-Pakt, der bis 2030 eine Stärkung des Nahverkehrs zum Ziel hat, zunächst fünf Linien vor.

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05.07.2018, 06:00 Uhr
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