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Explosion im Berufsverkehr Sprengsatz tötet 43-Jährigen
Der Wagen, in dem ein Mann starb. Sehr groß kann die Sprengstoffmenge den Ermittlern zufolge allerdings nicht gewesen sein. Zwar wurden die Türen und Fenster des Autos zum Teil aufgesprengt, doch es wurde nicht komplett auseinandergerissen. Foto: dpa
Hinweise auf Organisierte Kriminalität

Explosion im Berufsverkehr Sprengsatz tötet 43-Jährigen

Schockierte Zeugen erzählen von der heftigen Explosion: Ein Sprengsatz tötet mitten im Berliner Berufsverkehr einen Autofahrer. Die Polizei kennt den Mann wegen Delikten mit Drogen, Falschgeld, Glücksspiel.

16.03.2016
  • PETER GÄRTNER

Berlin. Die Explosion mitten auf der Bismarckstraße war so heftig, dass sie noch am eine U-Bahn-Station entfernten Karl-August-Platz zu hören war. Es habe "richtig gerumst", meint die Ohrenzeugin Ingeborg G.. Der älteren Frau, die als junges Mädchen den Krieg in Berlin erlebt hat, war sofort klar: "Das kann nur eine Bombe gewesen sein." Die Polizei war zunächst von einem Verkehrsunfall ausgegangen.

Rasch stellte sich dann vor Ort heraus, dass die Explosion eines Autos während der Fahrt Richtung City gestern Morgen gegen 8 Uhr im Stadtteil Charlottenburg von einem Sprengkörper ausgelöst worden war. Er war nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter dem Wagen angebracht.

Der silbergraue VW-Passat Kombi habe schräg gegenüber der Deutschen Oper regelrecht abgehoben, berichteten Augenzeugen. Er rammte zuerst ein parkendes Auto und blieb dann quer auf der Fahrbahn liegen. Der Fahrer erlag noch vor Ort seinen schweren Verletzungen, ein Notarzt konnte ihm nicht mehr helfen.

Noch Stunden später lagen Trümmere weit verstreut auf der weiträumig abgesperrten Bismarckstraße, einer der am stärksten befahrenen West-Ost-Verbindungen der Innenstadt. Am Unfallort sprach Polizeisprecher Carsten Müller gegenüber der SÜDWEST PRESSE von "einem Sprengsatz unter oder im Auto" und davon, dass es beinahe an ein Wunder grenze, dass außer dem Fahrer mitten im dichten Berufsverkehr niemand zu Schaden gekommen sei.

Die Polizei hat mit zahlreichen Einsatzkräften nicht nur das zerstörte Fahrzeug untersucht, sondern auch die nähere Umgebung nach möglichen Sprengmitteln, und gab dann Entwarnung. "Wir gehen von einem Tötungsdelikt aus", erklärte Martin Steltner von der Berliner Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen übernahm dann auch die Mordkommission, nicht der Staatsschutz, wie es zunächst hieß.

Bei dem Toten soll es sich um einen polizeibekannten 43-jährigen Berliner mit Migrationshintergrund handeln, gegen den die Behörden bereits unter anderem wegen Drogenhandel, illegalem Glücksspiel und Falschgeld-Delikten ermittelten. Es müsse von einem gezielten Mordanschlag im Milieu der Organisierten Kriminalität ausgegangen werden, hieß es in Polizeikreisen.

Im Fokus stehe jetzt das Umfeld des getöteten Mannes. Allerdings ist bislang unklar, ob die Tat tatsächlich dem Fahrer galt, der offenbar nicht der Halter des Fahrzeugs ist. Offiziell wird jetzt "in alle Richtungen" ermittelt, wie Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte. "Nach allem, was wir derzeit wissen, müssen wir von einem schweren Verbrechen ausgehen. Das, was hier passiert ist, hat eine erhebliche Dimension." Allerdings scheint es einen Anfangsverdacht zu geben, der bislang offiziell nicht bestätigt wurde: Am Unfallort haben Medienvertreter einen Leitenden Staatsanwalt erkannt, der in erster Linie für Rocker-Kriminalität zuständig ist.

Über mehrere Stunden waren zahlreiche Straßen in Charlottenburg von der Polizei abgeriegelt. Es kam zu langen Staus rings um die Bismarckstraße. Eine Gruppe Schülerlotsen der Eichendorff-Grundschule, die während der Explosion gerade eine nahe Nebenstraße sperrte, hatte von dem lauten Knall erst einen Riesenschreck bekommen und dann einen Terrorangriff vermutet. "Als unser Klassenlehrer später von einem kriminellen Anschlag berichtete", erzählte einer der Lotsen, "waren alle doch fast erleichtert".

Gewalt zwischen Banden

Milieu Berlin erlebt immer wieder Gewaltausbrüche zwischen verfeindeten Banden, etwa aus dem Drogenhandel oder dem Rotlichtmilieu. Manches wird intern geregelt, vieles aber auch in der Öffentlichkeit. Im vergangenen Sommer gab es eine Schießerei auf einer Straße ebenfalls in der Innenstadt im Westen Berlins, bei der eine unbeteiligte Spaziergängerin von einer Kugel getroffen wurde. Eine ganze Reihe von Angeklagten aus dem Rockermilieu steht wegen mehrerer Morde vor Gerichten. dpa

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16.03.2016, 08:30 Uhr
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