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Experten vermuten, dass der Pilot des Flugs MH370 den Flieger ins Meer steuerte
Puzzle-Arbeit: Malaysische und australische Ermittler untersuchen ein Wrackteil, das vor Tansania gefunden wurde. Foto: afp
Was geschah im Cockpit?

Experten vermuten, dass der Pilot des Flugs MH370 den Flieger ins Meer steuerte

Zwei Jahre nach dem Verschwinden von Flug MH370 erhält ein ungeheuerlicher Verdacht neue Nahrung: Waren die Passagiere Gefangene eines Piloten?

05.08.2016
  • CHRISTIANE OELRICH, DPA

Kuala Lumpur. Eines der größten Rätsel der Luftfahrtgeschichte nennen viele Experten das bis heute unaufgeklärte Verschwinden der Malaysia Airlines-Boeing – Flug MH370. Die malaysischen Ermittler haben seit der Katastrophe vor mehr als zwei Jahren absolut keine plausible Erklärung für die Geschehnisse an Bord zu Tage gefördert. Das Unglaubliche: Das Flugzeug mit 239 Menschen an Bord ist nach Satellitenauswertungen noch sieben Stunden geflogen, nachdem es vom Radar verschwand. Nun verdichten sich Hinweise, dass die Maschine möglicherweise bis zuletzt von einem Piloten gesteuert wurde. Die Ermittler mauern aber.

Für den erfahrenen kanadischen Flugunfallermittler Larry Vance ist die Sache spätestens seit dem Fund der Flügelklappe vor einem Jahr vor Afrika klar. Die abgerissene Kante könne nur entstanden sein, als die Maschine mit ausgefahrener Klappe aufsetzte und durch das Wasser pflügte. „Jeder musste nach dem Fund zu dem Schluss kommen, dass hier ein Mensch am Werk war – eine andere Erklärung gibt es nicht“, sagt Vance in einer Dokumentation des „60 Minutes“-Programms beim australischen Fernsehsender Chanel 9.

Nur ein Pilot kann die Bewegung der Flügelklappen steuern. Sie sind an der Rückseite der Tragflügel und werden vor einer Landung ausgefahren, um die Geschwindigkeit zu drosseln. Peter Foley, MH370-Chefermittler der australischen Transportsicherheitsbehörde (ATSB), bestätigt in der Sendung, es sehe ganz so aus, als sei die Flügelklappe ausgefahren gewesen.

Noch eins führt Ermittler Vance an: Wenn das Flugzeug abstürzte, als der Treibstoff ausging, wäre die Maschine beim Aufprall in Millionen Stücke zerschellt. Ein so großes Teil wie die Flügelklappe intakt zu finden, sei unwahrscheinlich. Leichte Teile wie Schwimmwesten oder Sitzkissen hätten auch irgendwo angespült werden müssen. „Ich glaube, dass alles mit dem Rumpf gesunken ist, dass die Maschine in wenigen großen Teilen am Meeresboden liegt“, sagt Vance.

Für die Australierin Danica Weeks ist das ungeheuerlich. Ihr Mann Paul war an Bord. „Ich fürchte, die Leute haben alle noch gelebt und wussten, was los war, und haben alles in ihrer Macht stehende versucht, um die Situation noch abzuwenden“, sagte sie dem Sender.

Ist es tatsächlich möglich, dass Passagiere und Crew sieben Stunden Gefangene eines lebensmüden Piloten waren? Dass sie womöglich bis zur letzten Sekunde versuchten, die Katastrophe abzuwenden? Was für Szenen hätten sich an Bord abgespielt, Stunden, nachdem Malaysia Airlines das Flugzeug vermisst gemeldet hatte?

Die Malaysier haben Flugkapitän Zaharie Ahmad Shah (53) schnell von jedem Verdacht freigesprochen. Er habe kein Motiv gehabt, hieß es am ersten Jahrestag der Katastrophe. „Es sind keine Episoden von Apathie, Angst oder Reizbarkeit bekannt. Es gab weder Anzeichen von Verhaltensänderungen, noch von sozialer Isolation, neuen Interessen oder Selbstvernachlässigung, keine Drogen oder Alkoholmissbrauch.“

Was die Malaysier allerdings lange unter dem Deckel hielten und erst gestern durch Verkehrsminister Liow Toing dann doch bestätigten: Der Pilot hat in seinem heimischen Flugsimulator ein paar Wochen vor der Tragödie offenbar eine Route programmiert, die genau wie der Flug MH370 am 8. März 2014 in Kuala Lumpur Richtung Norden startete, nach Süden umschwenkte und im südlichen Indischen Ozean endete. Er löschte die Koordinaten zwar, aber das amerikanische FBI fand die Informationen auf der Festplatte.

Der Fund beweise aber nichts, sagte Tiong. „Es gibt keine Beweise, die belegen, dass Zaharie Ahmad Shah das Flugzeug absichtlich auf den Indischen Ozean gelenkt hat.“

Zuvor hatte Malaysias Polizeichef Khalid Abu Bakar gesagt, der Pilot sei nicht im Visier der Polizei. „Die Ermittlungen dauern an und können nur abgeschlossen werden, wenn die Blackboxen gefunden sind.“ Sie müssten Flugdaten und etwaige Gespräche im Cockpit aufgezeichnet haben. Die Suche nach dem Wrack hat bislang nichts gebracht und ist fast abgeschlossen. Sie wird ohne klare Hinweise auf einen anderen Absturzort nicht fortgesetzt.

Auch australische Ermittler wehren sich gegen Medienspekulationen zu der FBI-Akte. „Die Information aus dem Flugsimulator zeigt nur die Möglichkeit der Planung (einer solchen Route)“, teilte die Koordinationsstelle für die Suche (JACC) mit. „Sie deckt nicht auf, was in der Nacht des Verschwindens passiert ist.“

Chefermittler Foley wird in der Doku „60 Minutes“ deutlicher: „Es ist möglich, dass jemand am Ende die Kontrolle über das Flugzeug hatte, und wir suchen aktiv nach Beweismaterial, um diese Theorie zu unterstützen.“

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05.08.2016, 06:00 Uhr
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