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Experten bezweifeln Aussage
Das Wrack des Kunstflugzeugs war in einem Waldstück bei Kirchheim/Teck ausgebrannt. Laut Abschlussbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hatte der Unternehmer Klaus Lenhart nach dem Absturz noch gelebt, starb dann aber in den Flammen. Foto: dpa
Unglück

Experten bezweifeln Aussage

Der Bericht zum tödlichen Flugzeugabsturz von Leki-Chef Klaus Lenhart liegt vor. Ein Fazit: Die Ermittler glauben dem Piloten die Darstellung seines Rettungsversuchs nicht.

29.03.2017
  • DIRK HÜLSER

Kreis Göppingen. Knapp fünf Jahre nach dem Flugzeugabsturz nahe des Flugplatzes Hahnweide im Kreis Esslingen, bei dem der Kirchheimer Unternehmer Klaus Lenhart, ums Leben kam, hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) den Abschlussbericht zum dem Unglück veröffentlicht. Klar ist nun, dass der damalige Chef des weltgrößten Ski- und Wanderstockherstellers Leki den eigentlichen Absturz überlebt hatte, doch dann im Wrack verbrannte. Der seinerzeit 24-jährige Pilot aus Göppingen versuchte nach eigenen Angaben verzweifelt, den 56-Jährigen zu bergen. Die Braunschweiger Ermittler bezweifeln seine Aussagen allerdings.

Es war 16.44 Uhr an jenem 30. April 2012, als die rote, zweisitzige Maschine vom Typ Extra 300 L vom Sonderlandeplatz Hahnweide nahe Kirchheim/Teck abhob. Am Steuerknüppel saß ein erfahrener Segelflieger und mehrfacher Meister in seiner Sportart aus Göppingen, auf dem Sitz vor ihm Lenhart, dem die Maschine gehörte. Erstmals saß der junge Mann am Steuer der Maschine, es war ein Einweisungsflug.

Bereits kurz nach dem Start vernahmen Zeugen ein lautes Knallen. Kurz darauf verschwand das Flugzeug in einer Senke. „Anschließend wurde ein lautes Krachen wahrgenommen“, heißt es in dem Untersuchungsbericht. „15 Sekunden später stieg dunkler Rauch auf.“

Eine für die Ermittler zentrale Frage war, ob die verschiedenen Schalter und Hähne vom Novizen am Steuerknüppel richtig bedient wurden. So schreiben sie: „Nach Angaben von mehreren Piloten der Extra 300 L (...) ist eine Verwechslung und Fehlbedienung von Propellerregler und Durchflussregler leicht möglich.“ Deshalb glauben die Experten der BFU: Statt die Drehzahl zu drosseln, könnte der Pilot die Benzinzufuhr unterbrochen haben.

Nach dem Aufprall will der 24-Jährige versucht haben, seinen Mentor Lenhart zu retten. Detailliert wird der Pilot im Bericht zitiert. „Wie in Panik schnallte ich mich los und beugte mich über die Instrumente nach vorn, um ihn, bewusstlos wie er war, abzuschnallen.“

Doch der 56-Jährige habe sich irgendwo mit den Beinen verfangen, er habe ihn nicht weit genug herausziehen können, hatte der 24-Jährige berichtet. Und weiter: „Schließlich schlugen die Flammen auch unter dem Flügel nach hinten und überall um mich herum brannte es. Ich hatte keine Chance mehr.“

Die BFU glaubt ihm diese Darstellung nicht: Lenhart habe vielmehr die Maschine noch ein Stück weit aus eigener Kraft verlassen. Das Ermittlungsergebnis stimme „in wesentlichen Teilen nicht mit den Darstellungen des verantwortlichen Luftfahrzeugführers überein“. Ein Leistungsverlust des Triebwerks sei „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ die Ursache des Unglücks gewesen. „Beitragende Faktoren waren Art und Umstände des Vertrautmachens mit dem Luftfahrzeug beim Einweisungsflug und der Vorbereitung dazu.“

Trotz des nun vorgelegten Berichts hat der Pilot nichts zu befürchten: Bereits 2014 befand die Staatsanwaltschaft Stuttgart, der Mann sei zwar „nicht gänzlich frei von Schuld“, stellte das Ermittlungsverfahren gegen Zahlung einer Geldbuße wegen fahrlässiger Tötung aber dennoch ein. Zumal der junge Mann genug gestraft sei und mit der Last des Unglücksflugs leben müsse.

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29.03.2017, 06:00 Uhr
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