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Experten: Vor dem Schaden klug werden
Schäden in Braunsbach: Nicht alle sind wachgerüttelt. Foto: dpa
Unwetter

Experten: Vor dem Schaden klug werden

Noch zögern die meisten Kommunen mit der Vorbeugung gegen die Folgen von Starkregen.

30.03.2017
  • MARTIN HOFMANN

Stuttgart. Schon vergessen? Der Starkregen, der vor 10 Monaten Braunsbach verwüstete, scheint die Kommunen im Land nicht wachgerüttelt zu haben. Der Hochwassertag, zu dem das Umweltministerium am Mittwoch ins Stuttgarter Haus der Wirtschaft eingeladen hat, fand zwar mit 600 Teilnehmern große Resonanz. Doch das Angebot der Landesregierung an die 1100 Kommunen, sich vor solchen Extremereignissen zu wappnen, wollen bisher nur höchstens zehn Prozent wahrnehmen. Dabei ist klar: Massive Regenfälle können jede Gemeinde treffen.

Frank Harsch, Braunsbacher Bürgermeister, machte dies mit eindringlichen Worten deutlich. Die Gemeinde im Kochertal befinde sich nicht am falschen Platz. In der 750-jährigen Geschichte des Ortes sei eine auch nur annähernd ähnliche Katastrophe nicht überliefert. Der Starkregen am 29. Mai 2016 mit bis zu 180 Liter Niederschlag pro Quadratmeter habe 100 000 Tonnen Geröll sowie 5000 Festmeter Holz durch Braunsbach gespült und 128 Autos geschrottet. Zum Glück sei niemand zu Tode gekommen. „Vorherzusehen war diese Sturzflut nicht“, fügt er noch hinzu.

Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) appellierte dennoch an Kommunen, Wirtschaft und Bürger, sich auf Starkregenereignisse vorzubereiten. Das Land biete dafür finanzielle und technische Hilfe an. Um das Risiko schwerer Niederschläge einzuschätzen, liefert die Landesanstalt für Umweltschutz in Karlsruhe ab sofort Daten, mit denen mögliche Folgen abgeschätzt werden und Gemeinden Risikokarten für Sturzfluten erstellen können. Auch die Prognosen etwa des Deutschen Wetterdienstes müssten verbessert, Warnungen vor Sturmtiefs verfeinert werden. „Hier hakt es noch“, mahnt der Minister.

„Vor dem Schaden klug werden“, empfahl Markus Moser, Hochwasserexperte beim Regierungspräsidium Stuttgart. Seit 17 Jahren betrieben die Landesbehörden Vorsorge vor Hochwasser an den größeren Flüssen. Für sie ist das Land zuständig. Gefahrenkarten, die zurzeit aktualisiert werden, zeigten der Bevölkerung wie Gewerbetreibenden exakt auf, wie sie sich vor einem 100-jährlichen Ereignis schützen können. In gleicher Weise müssten die Kommunen als für Starkregen zuständige Behörden Risikokarten erstellen. Oft mit kostengünstigen Maßnahmen könnten Hauseigentümer oder Betriebe ihre Gebäude gegen Sturzbäche absichern.

Ditzingen hat zusammen mit sieben Kommunen im Glemstal solche Karten erstellt. Alle Bürger können beobachten, was bei simuliertem Starkniederschlag auf ihrem Grundstück passiert. Ein Starkregen hatte 2010 weite Teile der Stadt überflutet. Ohne dieses Ereignis wäre die Kooperation nicht zustande gekommen, betonte OB Michael Makurath. Doch Zusammenarbeit erleichtert auch die Vorsorge vor möglichen Schäden. Martin Hofmann

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30.03.2017, 06:00 Uhr
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