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Stuttgart

Ex-V-Mann: Geld des Verfassungsschutzes ging an den NSU

Der Thüringer Verfassungsschutz hat nach Aussage ihres früheren V-Manns Tino Brandt indirekt den im Untergrund lebenden rechtsterroristischen NSU mitfinanziert.

19.02.2018
  • dpa/lsw

Stuttgart. Damals seien Spenden für das NSU-Trio gesammelt worden. Er habe als V-Mann Geld vom Amt bekommen, das er teilweise für die Terrorgruppe gespendet habe. Dies sei mit Wissen des Amtes geschehen, sagte der frühere Neonazi am Montag im Untersuchungsausschuss des Landtags in Stuttgart. Dem «Nationalsozialistischen Untergrund» (NSU) werden von 2000 bis 2007 zehn Morde zugerechnet - an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft und an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn.

Am Morgen sorgte ein Polizeieinsatz am Landtag für Wirbel. Ausschusschef Wolfgang Drexler (SPD) erklärte, es sei ein Bedrohungsschreiben gegen den Ausschuss und gegen ihn eingegangen. Zudem habe es einen «Sicherheitsvorfall» im Zusammenhang mit einem Zeugen gegeben, der für diesen Montag geladen war. Der Zeuge habe sich krank gemeldet und werde voraussichtlich am 5. März befragt.

Dabei handelt es sich um den früheren Anführer der Neonaziszene in Rudolstadt (Thüringen). Nach Angaben der «Stuttgarter Zeitung» und der «Stuttgarter Nachrichten» (Dienstag) war auf dem Briefkasten des Zeugen die Patrone einer Waffe gefunden worden. Die Polizei in Saalfeld erklärte, ihr sei ein Sachverhalt in dieser Richtung bekannt. Er werde geprüft - weitere Details nannte ein Sprecher nicht. Der Zeuge sollte Auskunft über mögliche Waffengeschäfte im Umfeld des NSU geben.

Drexler erklärte mit Blick auf die Zeugen und das Drohschreiben: «Offensichtlich gibt es Menschen, denen es nicht passt, dass wir jetzt diese Kaliber vorladen.» Das Schreiben sei vermutlich in der vergangenen Woche beim Landtag eingegangen und über das Wochenende an sein Büro in Esslingen geschickt worden, wo es am Montag geöffnet worden sei. Zum konkreten Inhalt sagte Drexler mit Rücksicht auf die noch laufenden Ermittlungen nichts. Die Ausschussarbeit werde nicht beeinträchtigt, beteuerte er. «Wir laden alle vor, die wir wollen.»

Tino Brandt hatte in den 90er Jahren die Neonazi-Kameradschaft «Thüringer Heimatschutz» aufgebaut, in der sich auch das NSU-Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe bewegte. Brandt sitzt wegen Kindesmissbrauchs in Haft und wurde in Fußfesseln vorgeführt. Er arbeitete gegen Geld als V-Mann (Verbindungsmann) für den Verfassungsschutz, bis er 2001 enttarnt wurde. Der Verfassungsschutz sei einer der Hauptabnehmer des Spiels «Pogromly» gewesen, sagte Brandt vor dem Ausschuss. Das Trio hatte das rassistische Spiel entwickelt - laut Brandt, um Geld in die Kasse zu bekommen. Der Verfassungsschutz habe dabei einen ganzen Stapel abgenommen.

Brandt sagte, so, wie er Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe kennengelernt habe, traue er ihnen die Taten, die ihnen vorgeworfen werden, nicht zu. Der Ausschuss geht der Frage nach, welche Verbindungen des NSU nach Baden-Württemberg bestanden und ob es hier Unterstützer gab.

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19.02.2018, 14:51 Uhr | geändert: 19.02.2018, 16:40 Uhr
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